Ankunft in Spanien

21.09.2009 - 25.09.2009

Nach einer ereignislosen zweitägigen Fahrt (Highlight: unter Tags war es zu warm für Pullover) tauchten im Morgendunst langsam die Hügel des Baskenlandes auf, wo wir dessen Hauptstadt, Bilbo (span.: Bilbao; hier der Soundtrack dazu), genauer gesagt einen ihrer Vororte, Getxo ansteuerten.

Man merkt schon in der Marina, dass dies eine autonome Region ist: In den Duschen kann man, im Gegensatz zu den bisherigen, Temparatur und Druck selbst bestimmen. Da die Marina relativ teuer ist, dafür Duschen (Frankreich: 1 - 2 €) und die Waschmaschine (Holland, Frankreich: 4 €) aber gratis sind, wurde vor allem letzteres exzessiv benutzt (5 Waschgänge in 2 Tagen).

In Getxo steht die älteste von weltweit noch zwölf erhaltenen Transporterbrücke, Pont Bizkaia. Sie wurde 1893 von Alberto de Palacia, einem Schüler Eiffels, gebaut und transportiert nach wie vor den Verkehr in Gondeln schwebend über den Ria de Bilbao. So wird der Schiffsverkehr nicht gestört.

Zum ersten Mal seit Monaten fuhren wir wieder U-Bahn, um ins 10 Kilometer entfernte Stadtzentrum zu gelangen. Bilbaos Altstadt, Casco Viejo, besteht hauptsächlich aus Brautmodegeschäften und Tapas-Bars, und da wir schon verheiratet sind entschlossen wir uns vor allem letztere zu besuchen.

Als wir uns kurz auf eine Parkbank setzten wurden wir von einem hageren, langhaarigen, zahnbelückten, aber ansonsten gepflegt wirkenden Mann angesprochen, der sich als argentinischer Journalist vorstellte. Er reise mit einer antifaschistischen Künstlergruppe durch die Welt und bot uns an, einen kurzen Vortrag über [Namen noch nachrecherchieren], den Stellvertreter Francos (er nannte ihn "Francos Göbbels") zu halten, dessen Porträt er auf eine Damenbinde gedruckt hatte.

Da er uns bekannt vorkam fragten wir ihn, ob er jemals in Wien, im Museumsquartier gewesen sei. Er wirkte kurz erstaunt, dann fiel ihm ein: "Ah! Wien, Museumsquartier. Café Leopold ... Strache-Klopapier!". Dort, im Museumsquartier, auf einem Enzi sitzend, waren wir vorigen Sommer schon einmal von ihm angesprochen worden, wo er kurze Vorträge über George W. Bush hielt, dessen Porträt er auf Klopapier gedruckt hatte.

Warum ist nun das Porträt von "Francos Göbbels" auf einer Damenbinde? Sein Tod war das Ende der blutigsten Periode der Diktatur in Spanien. Er wurde von der ETA mit einen Sprengstoffanschlag hingerichtet, bei dem sein Auto fünf Stockwerke hoch flog, deswegen ist das Porträt auf den Flügeln der Binde aufgedruckt.

Übrigens: Im Oktober tourt die "Künstlergruppe" (der Frage, wie viele Leute dies seien, ob sie also aus mehr als ihm bestand, wich er aus) wieder durch Wien, wo Strache-Klopapier angeboten werden soll.

Ansonsten: Gute Stimmung in und vor den Tapas-Bars, man sieht nach Lokalwechseln immer wieder die selben Gesichter. Das Bier ist hier endlich deutlich billiger als in Frankreich, Belgien oder Holland, ebenso das Essen gehen, wo wir schon in Frankreich einen deutlichen Preissprung nach unten gegenüber den nördlicheren Staaten festgestellt hatten.

Jetzt liegen wir, nach einer letzten Dusche, um Geld zu sparen vor Anker vor der Marina und werden morgen früh Richtung Westen aufbrechen.

Kommentare [+]

franco

erich

Hinweis zu Francos Stellvertreter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Luis_Carrero_Blanco
weiter alles gute!

25.09.2009 20:42:11

And now for something completely different

Geronimo

Fragerl mal zu deiner Web connectivity.
Hast Du da am Boot auch was oder wie wirst du dass erst machen wenn Du im Ozean herum tuckerst oder bei den Wilden bist!?

cu

05.10.2009 09:58:53

Re: And now for something completely different

Dave

Nachdem wir nicht vorhaben nach Wullersdorf zu segeln hat sich das mit den Wilden eigentlich erledigt. Zum Rest publishe ich in kürze was.

07.10.2009 16:34:46