Arrecife

22.11.2009 - 25.11.2009

Natur, Ruhe, Idylle - das war einmal (z.B. vor Graciosa, wo wir nach dem Erreichen der Kanaren drei Nächte ankerten, badeten und das eine oder andere Bier mit der Crew der SY Sparrow tranken). Seit gestern liegen wir vor Arrecife, zwischen Fischerei- und Industriehafen, gleich neben dem Containerterminal. Vor uns ankert ein gelber Zweimast-Katamaran, auf dem ein nackter Spanier bastelt, hinter uns eine gelbe britischen Ketsch, dessen Bewohner immerhin die Unterhose anbehält.

Am nahe gelegenen Strand, wo Kampfhunde von ihren Besitzern scharf gemacht werden, helfen einem die dort zeltenden Obdachlosen beim An-Land-Tragen des Dinghies, und als wir nach der ersten (erfolglosen, da deutlich nach 14:00 gestarteten) Expedition zur Einwanderungsbehörde, die man zu Fuß gut über den Schrottplatz erreicht, zurückkamen, bekamen wir von ihnen sogar noch eine neue Festmacherleine für unser Schlauchboot geschenkt.

Heute klappte das Einwandern mit nur kurzer Wartezeit, denn ein ebenfalls einwandernder Finne hatte bereits vorher, nachdem er niemanden im Büro antraf, die Behörden angerufen und die ihm von diesen mitgeteilten zwanzig kanarische Minuten (das entspricht etwa 60 oder mehr Realen) auf sie gewartet.

Dann gingen wir auf die nächste Expedition: mit dem Schlauchboot einmal rund um den Industriehafen, durch von die vom Wellenbrecher reflektierten Wellen hervorgerufene Kreuzseen, vorbei an einem gestrandeten Wrack, das Dinghie über Steine an land tragen, um dann klatschnass unsere leeren Gasflaschen im örtlichen Gaswerk auffüllen zu lassen. Das funktioniert immerhin problemlos, knapp EUR 11,- für 13,5 kg Butan - da können Campingaz-Benutzer nur weinen. Und während der zwanzig Minuten Wartezeit (diesmal wirklich) wird das Gewand auch wieder trocken.

Der letzte Ausflug des Tages führte uns in die Stadt mit ihrem hässlichen, heruntergekommenen, dreckigen Hafenviertel, um Lebensmittel und Motoröl zu besorgen. Auch diese Aufgabe wurde letztendlich bewältigt. Einfach war es nicht, da schon allein die Suche nach einer Möglichkeit, das Schlauchboot irgendwo anzubinden, wo man auch aussteigen kann, in einem Hafen, in dem einige Dutzend Boote ankern, überraschend langwierig war. Schliesslich trauten wir uns an einem der zwei Schwimmstege des privaten Yachtvereins festzumachen. Die Mutprobe bestand hier weniger darin, das "Parkverbot" zu ignorieren, sondern im Betreten des aus windschiefen, verrosteten Stahlelementen bestehenden Steges mit durchbrechenden Brettern, der sich gerade noch so über Wasser halten kann. Dabei dürfte es an der Versorgung mit Material und Werkzeug nicht mangeln: unsere erste erfolgreiche Handlung gestern war der Besuch des an der Hafenzufahrt gelegenen Baumarkts, und auch heute lagen zwei weitere auf unserem Weg. Man könnte auch zum von unserem Ankerplatz sichtbaren Ikea gehen, der hat doch sicher Engarsknöt-Schwimmstege im Angebot.

Warum nun liegen wir hier? Erstens wegen dem Gaswerk, und zweitens, weil sich hier niemanden aufregen wird, wenn wir den Benzingenerator (Lärm, Gestank) anwerfen, um mit der Flex (Lärm, Dreck) am Schiff zu werken, denn an zahlreichen Stellen macht sich wieder einmal Rost bemerkbar. Daher werden wir zumindest einmal das Schleifen und die ersten Lackschichten hier erledigen, bevor wir einen idyllischeren Platz oder einen Yachthafen anlaufen.

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SY Sparrow (Silke und Pete)

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Atlantik

Chrisu

Scheint ja ein spannender Ort für Landerkundungen zu sein.

Und zum Glück gibts auch nen Baumarkt!
Wo geht eure Baumarktrally weiter?
Wann gehts über den Atlantik?

LG Chrisu

28.11.2009 10:38:06

Re: Atlantik

Sonja & David

> Scheint ja ein spannender Ort für Landerkundungen zu sein.
>
> Und zum Glück gibts auch nen Baumarkt!
> Wo geht eure Baumarktrally weiter?
> Wann gehts über den Atlantik?
>
> LG Chrisu

Ein paar kanarische Baumärkte werden wir uns sicher noch geben, dann schauen wir mal weiter. Sobald wir uns für eine Route und einen Abfahrtszeitpunkt entschieden haben werden wir sicher Bescheid geben.

03.12.2009 20:04:05