Arten von Wetterinformationen

Wetterinformationen sind in verschiedenster Form erhältlich, je nachdem, wo man sich gerade befindet. In der Praxis gilt es, aus den verfügbaren die für die jeweilige Situation geignetsten heranzuziehen.

GRIB

WXTide32 AirMail - Anfordern von GRIB-Files

GRIB (Gridded Binary) ist ein Standard, um digitalisierte Wetterdaten auszutauschen, in Form von GRIB-Files. Wie der Name schon andeutet bestehtein Datensatz aus einer über der Erdoberfläche gitterförmig angeordneten Menge von Punkten, wobei jedem Punkt Werte einzelner meteorologische Parameter, wie etwa Windgeschwindigkeit oder -richtung zugeordnet sind. Ein File kann Datensätze für mehrere Zeitpunkte enthalten, so dass die Änderung des Wetters über die Zeit, je nach Modell der Vergangenheit oder der prognostizierten Zukunft, betrachtet werden kann.

Viele der aktuellen Navigationsprogramme stellen GRIB-Daten direkt über den Seekarten dar, jene aus den höheren Preislagen können mit Hilfe dieser Daten auch Segelkurse optimieren. Andere Programme sind nur auf die Darstellung von GRIB-Daten spezialisiert, wie etwa Ugrib oder Expedition LT.

Das meistverwendete Prognose-Modell ist GFS von NOAA, welches Daten für die ganze Welt in einer Auflösung von 0.5 Grad, alle 3 Stunden für 7,5 Tage und für weitere 8,5 Tage in einer Auflösung von 2.5 Grad bietet. Websites wie Windfinder oder Passageweather verwenden dieses. Für die Meere rund um Nord- und Mittelamerika inklusive Karibik bietet die US Navy das detailliertere COAMPS-Modell mit Daten in einer Auflösung von 0.2 Grad, alle 6 Stunden für 48 Stunden. Auch die Daten von QuikSCAT, einer von polumlaufenden Satelliten mittels Radarmessung der Windwellen etwa stündlich erzeugten Momentaufnahme des Windes über den Weltmeeren, sind als GRIB verfügbar.

Für den Bordgebrauch möchte man natürlich nicht täglich Gigabytes von Daten herunterladen, nicht im Hafen über WiFi, und schon gar nicht auf See über Kurzwelle, deswegen bieten Programme wie Ugrib oder AirMail und Dienste wie Saildocs.com die Möglichkeit, Ausschnitte aus den aktuellen Daten zu bekommen. Räumliche und zeitliche Ausdehnung, Auflösung des Gitters und Menge der Parameter können bestimmt werden.

Vorteile:

  • Globale Abdeckung
  • Computerunterstützte Routenoptimierung möglich
  • Weiter Prognosehorizont (natürlich mit Vorsicht zu genießen)

Nachteile:

  • Lokale Besonderheiten, (Kapeffekt, Düseneffekt, Fallwinde, ...) werden in den Modellen nicht berücksichtigt, bzw. deren Auflösung ist zu grob dafür
  • Computer erforderlich

Seewetterberichte

Schon seit langer Zeit senden nationale Küstenfunkstellen täglich oder öfter Wetterberichte für ihre Gebiete, auf KW und UKW, seit einiger Zeit via NAVTEX und INMARSAT, und heutzutage sind diese Berichte auch meist im Internet zu finden.

Neben küstennahen Bereichen, die meist von den Funkstellen der Länder dieser Küsten abgedeckt werden, ist die Welt für Hochsee-Prognosen in 21 sogenannte METAREAs unterteilt, wobei für die Prognosen einer METAREA jeweils ein Land zuständig ist (z.B. METAREA III - Mittelmeer - Griechenland).

Viele dieser Textwetterberichte sind über Saildocs.com verfügbar.

Vorteile:

  • Lokale Besonderheiten werden häufig berücksichtigt
  • Im küstennahen Bereich reicht zum Empfang ein UKW-Funkgerät oder Weltempfänger

Nachteile:

  • Oft nur in der jeweiligen Landessprache verfügbar
  • Beschränkter Prognosehorizont (häufig 1 - 2 Tage)
  • Einschätzung der Großwetterlage nur bedingt möglich

Wetterkarten

Bildliche Darstellungen von Wettersituationen, wie man sie, allerdings zumeist weniger detailliert, auch aus der Wettervorhersage im Fernsehen kennt, bieten mehr Details als Textwetterberichte und können dabei helfen, sich eigene Gedanken zur weiteren Entwicklung zu machen. In den zahlreichen Quellen sind unterschiedlichste Arten von Karten mit mal mehr, mal weniger verschiedenen dargestellten Daten verfügbar, Analysen der aktuellen Situation und Prognosen für bestimmte Zeitpunkte in der Zukunft.

Der DWD etwa sendet täglich in einem festgelegten Sendeplan verschiedenste Karten als Fax über Kurzwelle, welche entweder mittels eigenständigem Empfänger mit eingebautem Drucker, oder über ein an den Computer angeschlossenes Kurzwellenfunkgerät empfangen werden können. Auf der Seewetter-Seite von Météo France sind Analyse- und Prognosekarten für den Atlantik einsehbar.

Vorteile:

  • Sehr detailreich
  • Großwetterlage gut erkennbar

Nachteile:

  • Eigene Hardware oder Computer erforderlich

Wetterbeobachtungen

Alle vorherigen Wetterinformationen haben eins gemeinsam: sie stimmen fast nie mit der Wirklichkeit überein. Die Auflösung ist immer geringer als jene der Realität, und je weiter sich Prognosen in die Zukunft wagen, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch genau so eintreffen werden. Und manchmal sind sie schlicht und einfach nicht verfügbar.

Von Bord aus lassen sich eine Menge weitere Daten sammeln, teils mit Instrumenten, teils mit dem freien Auge, die, insbesonders wenn man deren Veränderungen über die Zeit beobachtet, dabei helfen können, die Prognosen für die nähere Umgebung zu verfeinern oder sogar eigene zu erstellen. Dazu zählen:

  • Luftdruck - Barometer oder besser noch Barograph
  • Windrichtung und -geschwindigkeit - Anemometer
  • Wellenhöhe, -form und -richtung
  • Bewölkung
  • Temperatur - Thermometer
  • Relative Luftfeuchtigkeit - Hygrometer
  • Geographische Gegebenheiten (Kaps, Düsen, Gebirge)

Literatur

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