Costa Rica

13.02.2011 - 09.03.2011

Erstes Ziel ist Golfito, im Nordosten des Golfo Dulce. Einerseits können hier die Einreiseformalitäten erledigt werden (für die wir hier zwei Tage benötigen, da der Zoll montags geschlossen ist, und der Quarantäneinspektor auch gerade nicht da ist, um Geld für das Nicht-Inspizieren unseres Bootes zu kassieren), andererseits können wir hier das Boot unbesorgt ein paar Tage unbeaufsichtigt lassen. Zufälligerweise sind nämlich gerade Freunde von uns als reguläre Touristen in Costa Rica unterwegs, und gemeinsam mit ihnen wollen wir eine längere Wanderung im Nationalpark Corcovado unternehmen.

Aus der ursprünglich geplanten Wanderung von Puerto Jimenez nach Sirena, mit zweimaliger Übernachtung in der Rangerstation und anschließendem Marsch zurück wird leider nichts, da Sirena ausgebucht ist. Aber ein Anbieter für einen Tagesausflug wird gefunden: in der Früh mit dem Boot nach Sirena, Rundwanderung, und am Nachmittag wieder zurück nach Puerto Jimenez.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang fahren wir los. Sowie es hell wird kann man erkennen, wie die typische lange pazifische Dünung an der Küste bricht. Ausserdem sind weiter draussen auf See ein paar Wolken zu sehen. Unser Kapitän meint, dass es zu gefährlich sei, in Sirena anzulanden, erzählt von seiner letzten Kenterung, kehrt um, und wir sind rechtzeitig zum Frühstücksbuffet wieder im Hotel zurück. Wenigstens gibt es das ganze Geld zurück.

Da der Tag gerade erst begonnen hat besichtigen wir die Finca Köbö, wo uns Anbau und Verarbeitung von Kakao und auch anderen tropischen Früchten erklärt werden und wir uns am Ende der Führung mit Schokolade in diversesten Formen vollstopfen. Und da der Tag noch immer nicht all zu alt ist nehmen wir die nächste Fähre und fahren gemeinsam mit unseren Freunden zurück nach Golfito zu unserem Boot.

Bahia Drake

Drei Stunden vor Sonnenaufgang fahren wir los, bieten den Gästen das obligatorische Fischködern, -herankurbeln, -zerlegen und -essen, und erreichen am Abend Bahia Drake, von wo aus wir einen letzten Versuch der Erwanderung Corcovados unternehmen wollen. Das gesamte Dorf besteht aus Touranbietern, und einer davon bietet ein passables Angebot an: Mit dem Boot nach Sirena, Rundwanderung, weiter mit dem Boot zur Rangerstation San Pedrillo, duschen im Wasserfall, Übernachtung, Rundwanderung, und schließlich mit dem Boot wieder zurück nach Bahia Drake. Als wir ihn fragen, ob an dem Tag, an dem sich der andere Kapitän geweigert hat, in Sirena anzulanden, jemand anderer dort war, kann er nur lächeln: "Wir fahren jeden Tag dort hin."

Es bleibt Zeit für einen Ausflug zur nahen Isla del Caño, die angeblich toll zum Schnorcheln und Tauchen ist. Naja, geht so. Wir planschen zwischen Felsen herum, sehen ein paar Fische und fahren wieder zur Bahia Drake. Unterwegs gibt es noch Whale-Watching, eine Herde Buckelwale zieht vorbei.

Unsere Freunde wollen diese Nacht wieder festen Boden unter den Füßen haben, da der in die Bucht kommende Schwell das Leben am Boot ein wenig ungemütlich macht. Also wird unser Schlauchboot mit vier Personen und zwei Riesen-Rücksäcken beladen. Wir sind etwas nervös, beobachten einige Zeit, aber soweit wir im Dunklen sehen können, sind die Wellen nur klein. Wir fahren Richtung Strand, knapp hinter einer brechenden Welle, sind bereit zum Aussteigen, als wie aus dem Nichts eine große Welle hinter uns auftaucht, bricht, und das Dhingy überspült. Alle fallen ins Wasser, ein Rucksack dazu, der zweite wird geflutet. Ziemlich baff und unglücklich stehen wir zwei Sekunden später im knöcheltiefen Wasser und retten unsere Habseligkeiten. Unsere Freunde haben danach Probleme, trockene Kleidung zu finden (sorry...), aber sonst ist niemand zu Schaden gekommen, sogar der Außenborder hat zum Glück kein Wasser verschluckt und lässt sich ohne Probleme wieder starten.

Corcovado

Am nächsten Tag geht es in der Früh mit einem kleinen Boot nach Sirena. Das Anlanden dort, insbesonders nach dem Erlebnis von letzter Nacht, ist ziemlich spannend, denn hier sind die Brecher um ein vielfaches höher. Dafür hat das Boot auch einige hundert PS mehr als unser Dinghy. Wenige Meter hinter einer großen Welle geht es mit Vollgas Richtung Ufer bis die Welle bricht und das Boot auf dem felsigen Grund aufsitzt. Dann wird gewartet, und mit dem Druck weiterer brechender Wellen und etwas schieben und ziehen liegt das Boot bald im seichten Wasser, die Wanderung kann beginnen.

Den Weg zu finden fiele ohne Guide nicht schwer. Aber im Tiere-finden hat unserer, Kenneth, deutlich mehr Übung. Am Tapir etwa währen wir einfach vorbeigelaufen, einem riesigen, mit mehreren hundert Kilo Fleisch gefüllten grauen Pelz. Auch die Sicherheit liegt ihm sehr am Herzen, er rät uns gleich zu Beginn etwa, keine Pflanzen zum Festhalten zu verwenden, und demonstriert uns etwas später auch, warum, als er von einem Schwarm Wespen, in deren Nest er gefasst hat, attackiert wird. Ansonsten gibt es drei der vier hier heimischen Affenarten, jede Menge Vögel, Krokodile, und viel Wald zu bestaunen.

Am Nachmittag geht es mit dem Boot weiter zur Rangerstation San Pedrillo. Plötzlich werden, ohne jeden Kommentar, die Schwimmwesten ausgeteilt. Nervosität macht sich breit: Ist die nächste Anlandung noch gefährlicher? Doch bald stellt sich der harmlose Grund heraus: Die Küstenwache fährt vorbei.

In San Pedrillo angekommen gibt es noch einen kurzen Badeausflug zu einem nahe gelegenen Wasserfall, nach dem alle zu müde für eine Nachtwanderung sind und in die Zelte fallen.

Am nächsten Tag wird dann richtig gewandert. In flottem Tempo geht es durch den Wald, in dem es nicht so viele Tiere zu sehen gibt, zum Playa Llorona. Dieser Strand ist bei Ebbe atemberaubend, bei Flut klatschen wohl die Wellen an die Felsklippen über denen sich der Wald erhebt. Wir wandern, bei Ebbe, bis zu einem Wasserfall, in dem man wieder duschen kann. In knapp zwei Stunden sind wir wieder bei der Rangerstation, von der uns das Boot zur Bahia Drake zurückbringt.

Dann sind wir wieder alleine. Erstmal machen wir nichts außer uns zu erholen. Einen Tag verbringen wir mit einer Wanderung die Küste entlang. Unglaublich, wieviele Aras es hier gibt.

Wir buchen einen Tauchausflug zur Isla del Caño, in der Hoffnung mehr zu sehen als beim Schnorcheln. Der erste Tauchgang weckt nur Erinnerungen an Österreich im Dezember, es ist kalt, man sieht überhaupt nichts und wartet, dass es bald vorbei ist. Der Zweite ist etwas besser, die Sicht beträgt schon fast drei Meter, und wir sind etwas zufriedener. Zumindest solange bis wir auftauchen und feststellen, dass alle außer uns den Manta gesehen haben, der am anderen Ende der Gruppe vorbeigezogen ist. Mist.

Wir fahren zurück nach Golfito, verbringen einige Tage mit Wartungsarbeiten und Einkaufen, dann verlassen wir den Kontinent - auf in den weiten Pazifik! Erster Stopp: Isla del Coco.

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