Curacao

30.03.2010 - 07.04.2010

An dem Tag, an dem wir von Bonaire nach Curacao gesegelt sind, wären wir besser im Bett geblieben. Von Anfang an läuft nichts wie gedacht, Verzögerungen bei den offiziellen Amtswegen machen auch nicht froh und so lösen wir uns gestresst und schlecht gelaunt von der Boje, ziehen die Genua ein Stück heraus und segeln flott davon. Jetzt könnten wir den Tag geniessen, aber der Wind wird bald deutlich schwächer, und unsere Anspannung somit größer. Denn in Curacao wollen wir in Spanish Waters ankern, einer mit Untiefen und kleinen Inseln gespickten Lagune, die nur durch einen schmalen, gewundenen Kanal erreichbar ist und somit unbedingt bei Tageslicht angefahren werden muss. Aber wieder einmal geht es sich gut aus, der Anker hält nach langem Suchen eines geeigneten Platzes, da die Lagune äußerst gut besucht ist, knapp vor Sonnenuntergang schon beim vierten Versuch. Dann beginnen wir noch die Angelleine aus dem Windgenerator zu schneiden, die eine allzu heftige Bö hineingeweht hat, verschieben die Bemühungen aber bald auf den nächsten Tag.

Odyssee die Erste

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Da sich mehrere Quellen einig sind, dass man 24 Stunden Zeit hat, um bei den üblichen Behörden - Zoll, Immigration und/oder Hafenpolizei -vorstellig zu werden, verbringen wir den ersten Vormittag mit der Klarierung des Windgenerators. Nachdem das erledigt ist machen wir uns auf den weiten Weg nach Punda, dem südöstlichen Teil des durch eine Lagune gespaltenen Willemstads, um einzuklarieren. Nirgendwo sonst ist uns das so schwergefallen und war so mühsam wie hier. Zunächst befinden sich die Behörden in Willemstad, welches von der Lagune aus nur mit einem mal stündlich, mal seltener verkehrendem Bus in einer dreiviertel Stunde erreicht werden kann. Dann sind diese Behörden der Touristeninformation, wo wir uns zunächst einmal mit Stadtkarten eindecken, gänzlich unbekannt, und Beamte anderer Behörden, die zwar vorgeben zu wissen, wo die Hafenpolizei zu finden wäre, verfügen aber anscheinend nicht über die nötige Bildung, eine Stadtkarte zu interpretieren, und zeigen uns auf dieser einen Ort am falschen Ufer der Lagune von Willelmstad. Wir geben nicht auf, fragen uns durch und bekommen schließlich von einem netten Hafenportier (am falschen Lagunenufer...) eine Wegbeschreibung, die zum Ziel führt. Lediglich die Hausfarbe war bei dieser falsch. Erleichtert betreten wir das Büro der Hafenpolizei, füllen die selben umfangreichen Formulare wie auf Bonaire, dann noch weitere aus und müssen uns rechtfertigen, warum wir denn nicht gleich in der Nacht nach dem Ankommen gekommen sind. Die Gelassenheit des netten Beamten bei der nächsten Behörde, dem Zoll, überträgt sich dann aber glücklicherweise auch auf uns, wodurch einem Stadtbummel nichts mehr im Wege steht.

Gesellschaftsleben

An den folgenden Tagen partizipieren wir am gesellschaftlichen Leben in Spanish Waters, das um 07:45 morgens mit einem Funknetz (VHF 72) beginnt. Tagsüber trifft man sich beim oder im Bus nach Punda, oder in einem der kostenlosen Shuttlebusse, die zu den verschiedenen Supermärkten fahren. Zweimal in der Woche wird im Yachtclub Asiento die Cruiser's Hour abgehalten, einmal wöchentlich ist im Fishermen's Harbour Happy Hour. Am Ostersonntag gibt es sogar einen Flohmarkt. Eine andere nette Einrichtung ist das Wasserboot, welches auf Anfrage zum Boot kommt um die Tanks aufzufüllen, betrieben von hängengebliebenen Seglern. Andere hängengebliebene Segler bieten WiFi um günstige 10 US$ pro Woche an.

Die Schönheit Curacaos suchen wir aber vergeblich. Gated Communities im Süden, hartes Gestrüpp im Norden, dazwischen eine riesige Industrie- und Gewerbezone namens Willemstad. Hinter ein paar bunten Häuschen am Lagunenufer dann noch ein Gassengewirr voller Ramschgeschäfte, durch das die shoppinggeilen Insassen der omnipräsenten Kreuzfahrtschiffe getrieben werden. Kurzum, Curacao ist nicht die Insel unserer Träume, und wir wollen eigentlich bald weiter.

Odyssee die Zweite

Doch eines hindert uns noch am auslaufen: Uns fehlen Seekarten. Elektronische sind zwar an Bord, doch da Computer ausfallen gehört auch immer Papier als Backup an Bord. Neue Karten sind sehr, sehr teuer, und so wollen wir zunächst Karten bei anderen Seglern ausborgen, um sie zu kopieren. Doch wir bekommen den Tipp, dass die örtliche Xerox-Niederlassung viele Karten am Computer vorrätig hat und für Segler frisch druckt, nicht teurer als Kopien mitgebrachter Exemplare.

Also verbringen wir die Osterfeiertage am Boot, putzen, reparieren und warten, und verstauen die frischgekauften Vorräte. Molimentum hat beispielsweise neue Fallen und Schoten bekommen, die nun auf frisch geschmierten Winschen laufen, und ist dank der zahlreichen Regengüsse nach Ostern endlich den kapverdischen Dreck auch im Masttopp losgeworden.

Am ersten Tag nach den Feiertagen begeben wir uns zu Xerox und erfahren, dass sie Seekarten hatten. Bis vor einer Woche. Da vernichtete ein Feuer den Server. Also geht es wieder zurück zum Ankerplatz, wo wir uns Karten von unseren Nachbarn ausborgen. Am nächsten Tag geht es wieder zu Xerox, gleich schnell noch zu Hafenpolizei und Zoll, und schon können wir nach einer weiteren Nacht Richtung Panama auslaufen.

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