E-Mail

Wenn wir uns nicht gerade in Landnähe in Reichweite eines offenen WiFi befinden, haben wir die Möglichkeit, E-Mails per Kurzwellenfunk auszutauschen. Alternativen dazu wären Satellitennetze wie Iridium oder Inmarsat, die aber wegen der Verbindungsentgelte für uns nicht interessant erschienen.

Für E-Mail-Verkehr mittels Funk benötigt man neben einem Laptop:

ICOM IC-M710 GMDSS

Ein Kurzwellenfunkgerät

Mittels Kurzwelle können, wenn die Ausbreitungsbedingungen passen, Funkverbindungen über tausende Kilometer hergestellt werden. Ob und mit welchen Frequenzen es in einem konkreten Fall klappt, ist neben den geographischen Positionen der beiden Funkstellen vor allem von der Ionisierung der Ionosphäre abhängig, welche sich mit dem Tagesgang der Sonne und abhängig von deren Strahlungsaktivität laufend ändert.

Beim Boot war ein ICOM IC-M710 GMDSS mit dabei, ein etwas älteres aber sehr robustes, an sich für den Seefunk zugelassenes und daher vom Hersteller auf bestimmte Kanäle eingeschränktes Gerät, bei dem wir aber per Software-Update diese Beschränkung aufgehoben haben.

SCS PTC-IIusb

Ein Modem

Wird zwischen Funkgerät und Laptop angeschlossen und ermöglicht mittels eines speziellen Protokolls (PACTOR ) den Datentransfer zwischen zwei Funkstellen. Reine Software-Modems, die nur den Anschluss des Funkgeräts an die Soundkarte des Laptops erfordern, sind zwar in Entwicklung (WINMOR ), aber für unsere Einsatzzwecke noch nicht geeignet. Wir verwenden ein SCS PTC-IIusb .

Eine Gegenstelle

Das kann entweder eine kommerzielle sein, wie etwa die von SailMail betriebenen, die auf Seefunkfrequenzen erreichbar sind und Gebühren verrechnen, oder aber eine Amateurfunkstelle, was keine Verbindungsentgelte bedeutet, aber eine entsprechende Lizenz voraussetzt.

Da ich noch kurz vor der Reise die entsprechende Prüfung abgelegt habe, können wir Amateurfunk verwenden, wo weltweit mehr als fünfzig untereinander vernetzte und auf mehreren Frequenzen gleichzeitig erreichbare Funkstationen existieren.

Ein System zum Mailaustausch

Die bisher beschriebenen Komponenten erlauben einmal das Schicken von Bytes von A nach B. Das darauf aufbauende und von den Amateurfunkstationen verwendete Winlink 2000-System erlaubt den Austausch von E-Mails, einerseits unter Winlink-Benutzern, andererseits über ein SMTP-Gateway mit dem Internet. Da bei den geringen Übertragungsraten Spam ein großes Problem darstellen würde wird von Haus aus mit Whitelists gearbeitet, d.h. nur E-Mails von Adressen, die man explizit in die Liste einträgt, werden empfangen.

AirMail

Eine E-Mail-Software

Wir verwenden AirMail, eine All-In-One-Lösung, die zunächst an ein herkömmliches E-Mail-Programm erinnert, aber noch zahlreiche Funktionen bietet wie

  • Frequenzlistenverwaltung
  • Berechnung der Ausbreitungsbedingungen zwischen dem eigenen Standort und dem der Gegenstelle
  • Versenden von Positionsmeldungen an Winlink, Yotreps und eigene Systeme (z.B. molimentum.at)
  • Empfang von Wetterfax und NAVTEX
  • Anforderung von Dokumenten und GRIB-Files von Saildocs.com

E-Mails können nicht nur zur Kommunikation mit anderen Menschen verwendet werden, sondern auch, um etwa Informationen von automatisierten Systemen anzufordern. Dazu später einmal mehr.

Literatur

Links

SCS - the pactor creators
AirMail - a radio mail program
SailMail - Email Service for Yachts via Iridium, Inmarsat, or SSB
Saildocs.com - Internet services for the bandwidth-impaired

Kommentare [+]

Alles klar!

Geronimo

Sehr fein!

Was gibt das an Bandbreite her?
2400 Baud oder so?

greetings
Geronimo

17.10.2009 21:15:39

Re: Alles klar!

Dave

In der Praxis, mit Kompression, ergeben sich derzeit so 1 - 6 KByte/min.

19.10.2009 10:24:19

Super...

Phil

... auch mal etwas über die Technik zu erfahren! Danke!!!

20.11.2009 13:19:31