Galapagos

22.03.2011 - 16.04.2011

Woran denkt man üblicherweise bei Galapagos? Darwin, Finken, Schildkröten, Evolution. Woran denken Segler bei Galapagos? Blöde Regeln und teuer: Es gibt zwei offizielle Ports of Entry. Hat man einen davon angelaufen und wurde von Agent, Hafenbehörde, Immigration, Quarantäne und Nationalpark um sein Geld gebracht, darf man das Schiff bis zum Verlassen der Inseln nirgendwohin anders verlegen. Ausser, man legt noch hunderte weitere Dollar für ein für ein sogenanntes "Autografo" auf den Tisch, dann darf man bis zu vier weitere Häfen anlaufen.

Wir enscheiden uns für Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal, der östlichsten Insel des Archipels, da der Ankerplatz besser und die Behörden umgänglicher als in Puerto Ayora auf Santa Cruz sein sollen.

Schon im Hafen und in der kleinen Küstenstadt zeigt sich das einzigartige Ökosystem des Archipels: Das Fehlen von anderswo allgegenwärtigen Arten lässt ökologische Nischen frei, die dann von anderen Arten besetzt werden. Hier gibt es keine Tauben. Wer erfüllt also die Aufgabe, sämtliche öffentlichen Plätze in Besitz zu nehmen, jede freie Fläche vollzukacken und Lärm und Gestank zu verbreiten? Auf San Cristobal sind es Seelöwen. Am Ufer liegen sie überall, von wo sie nicht ständig verjagt werden, egal ob Fels, Gehsteig oder Parkbank. Sie schwimmen schnaufend und hustend um die vor Anker liegenden Boote, und wer eine Yacht mit niedrigem Freibord oder gar einer Badeplattform besitzt, muss sich einiges einfallen lassen, damit es nicht von diesen lustigen, aber leider erbärmlich stinkenden Tieren als Raststätte in Besitz genommen wird.

Am zweiten Tag machen wir gleich eine Inselrundfahrt auf San Cristobal. In der örtlichen Schildkrötenaufzuchtstation stehen wir erstmals diesen beinahe ausgerotteten Kolossen gegenüber. Am Strand "La Loberia" beobachten wir eine weitere einzigartige Art, die Meeresechsen von Galapagos, bei einer ihrer Hauptbeschäftigungen: sich in der Sonne zu wärmen.

Unter Wasser

Wir unternehmen einen Tauchausflug zu Kicker Rock, einem eindrucksvollen Felsen vor der Küste San Cristobals. Der erste Tauchgang führt durch einen tiefen Spalt von einer Seite des Felsens zur anderen. Noch in 20 Metern Tiefe wird man vom Seegang vor und zurück, rauf und runter gespült. Unmengen von Fischen behindern die Sicht auf jede Menge Schildkröten, Weißspitzenhaie, Rochen und Seelöwen. Doch das Hailight (huhaha...) kommt am Ende der Schlucht: Wie niedlich, ein kleiner Galapagoshai. Nein, es sind zwei. Ah, doch zehn. Moment mal... Vierzig? Fünfzig? Noch mehr???? Der zweite Tauchgang an der Außenseite des Felsens ist kälter und fischärmer, immerhin ein Seelöwe und ein größerer Hammerhai kommen uns begutachten. Abschluss bildet kurzes Schnorcheln bei Isla Lobos, wo wir Meeresechsen beim Algen-von-Felsen-kiefeln beobachten.

Wir nehmen die Fähre (ein Sportfischerboot mit 600 PS) nach Santa Cruz, um auch dort zu tauchen, bei Gordon Rock. Wieder mäßige Sicht, wieder Waschmaschine, wieder viele Fische und Weißspitzenhaie, aber diesmal auch eine Gruppe von fünf ausgewachsenen Hammerhaien, die zunächst neugierig näherkommen und dann gelangweilt abziehen.

Über Wasser

Da wir nicht auf eigenem Kiel andere Inseln anlaufen dürfen bleibt uns nur die reguläre Touristenoption: Wir buchen eine viertägige Inselrundfahrt, die uns zu den Inseln Floreana, Isabela und Santa Cruz führen wird. Unsere Reisegruppe besteht vollständig aus Seglern, 10 von 12 sind deutschsprachig.

Floreana ist berühmt-berüchtigt für die Tragödien unter eingewanderten Aussteigern Afang des 20. Jahrhunderts, die aber jeder selber nachlesen kann. Wir besichtigen die Trinkwasserquelle, die Auslöser von Streitigkeiten war. Außerdem sehen wir Exemplare der lokalen Riesenschildkrötenart, die hier frei leben, bei zwei ihrer drei Hauptbeschäftigungen (fressen und Familie gründen).

Isabela ist die größte, jüngste und aufregendste Insel des Archipels. Es gibt fünf große Vulkane, von denen wir einen erwandern. Die Lavalandschaft ist eindrucksvoll und bunter als man erwarten würde. Zurück in Puerto Villamil beobachten wir auf Felsinseln lebende kleine Pinguine (ja, Pinguine). Daneben die allgegenwärtigen Seelöwen, Meeresechsen, Weißspitzenhaien und Meeresschildkröten. Im Ort selbst gibt es vor allem Vögel: Flamingos, bedrohte Mangrovenfinken und leider nicht bedrohte, direkt vor dem Hotelfenster lebende nachtaktive Hähne. Kultureller Höhepunkt (...) unseres Besichtigungsprogramms ist die Wall of Tears, eine von Häftlingen einer mittlerweile aufgelassenen Strafkolonie erbaute Mauer aus Lavagestein. Das Aufschichten der Steine ohne Mörtel hat angeblich sogar die übelsten Typen gebrochen.

Santa Cruz ist die zivilisierteste aller Inseln, im Hauptort Puerto Ayora reiht sich ein Souvenirshop an den nächsten. Unsere Rundfahrt führt sowohl zu geologischen Sehenswürdigkeiten (eingestürzte Lavahöhlen, nicht eingestürzte Lavahöhlen), als auch zu biologischen, wie einem Areal mit frei lebenden Riesenschildkröten (und Souvenirshops), und dem Charles Darwin Research Center, wo Riesenschildkröten und andere bedrohte Arten gezüchtet und studiert werden (und Souvenirs verkauft werden).

Zurück auf dem Schiff bereiten wir es und uns für die nächste Etappe vor, eine der längeren: Galapagos - Marquesas. 3.000 Seemeilen offene See.

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