Gesellschaftsinseln - Iles du Vent

26.07.2011 - 16.08.2011

Tahiti. Die Hure Babylon. Das Sodom der Südsee. In der Hauptstadt Papeete, wo drei Viertel aller Tahitianer wohnen, welche 70 % aller Französisch Polynesier darstellen, findet sich alles, was zu einer Großstadt gehört: Drogen (750 g Nutella um € 4,50), Alkohol (Hinano Bier), Verbrechen (0,3 l Hinano Bier kosten im Supermarkt € 1,70). Aber Achtung: Wer glaubt ein Bild von Tahiti zu haben, weil er die Bounty-Verfilmung mit Hopkins und Gibson gesehen hat - das Tahiti dort ist in Wirklichkeit Moorea. Und wie wir später überprüft haben kommen einem auch dort beim Einlaufen keine Hundertschaften halbnackter Frauen entgegengepaddelt. Sondern nur einzelne wenige. Die großteils T-Shirts tragen. Und zumeist Männer sind.

Tautira

Aber noch sind wir nicht für den Zivilisationsschock bereit, wir steuern zunächst einmal Tautira, einen kleinen Ort im Nordosten der südöstlichen Halbinsel - Tahiti Iti - an, wo wir als einzige Yacht ankern. Das Dorf ist hübsch, die Leute freundlich, Nutella ist aber teuer. Wir wandern ins Vallee Vaitepiha, bis wir Fluss und Weg aus den Augen verloren haben, ein Vorwärtskommen ohne die an Bord vergessene Machete nicht mehr möglich ist, und kehren wieder um.

Rund um Papeete

Schließlich glauben wir bereit zu sein und legen Kurs auf das auf der nordöstlichen Halbinsel - Tahiti Nui - gelegene Papeete an. Eine Möglichkeit wäre, um viel Geld (etwa € 30 pro Tag) im Stadthafen zu liegen, an Stegen oder mit Buganker an der Pier, beides direkt an der mehrspurigen Hauptstraße. Wir fahren lieber nach Westen, wo man in der Nähe der Marina Taina gut ankern können soll. Als wir um die Ecke biegen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind: Weit über hunder Boote liegen hier, viel zu dicht gedrängt für die 15 - 20 Metern Wassertiefe. Wir sind schon beinahe am Aufgeben, da entdecken wir in hinterster Reihe einen Platz - 4 Meter Tiefe, Sandgrund, genug Platz zum schwojen - fast perfekt, wenn nicht auch hier der übers Riff schwappende Schwell und die durchbrausenden Motorboote und Jetskis das Liegen unruhig machen würde. Doch zu früh gefreut: Am nächsten Morgen kommt ein Einheimischer in einem Motorboot und behauptet, dies sei sein Wasserschigebiet (welches natürlich weder durch Bojen gekennzeichnet, noch in der Seekarte oder im Plan des Hafenmeisters vermerkt ist), wir mögen bitte verschwinden.

Wir verlegen uns nach Arue im Nordosten Papeetes, an eine Mooring des Tahiti Yacht Clubs: durch zwei Riffe vor Seegang geschützt, der zu dieser Jahreszeit ohnehin nicht aus Norden kommt; zivilisiertere Motorbootfahrer, die Vollgas erst nach dem Verlassen der Lagune geben; riesiger Supermarkt in Gehweite; Bus in die Innenstadt vor der Tür; günstige Waschmaschine; und - jetzt kommts: heiße Duschen! (Unsere ersten seit Anfang April auf Galapagos!) Das alles ist uns dann doch die ca. 8 € Liegegeld pro Tag wert. Wir sind ja (fast) nicht zum Vergnügen hier. Die nächsten 10 Tage wird geschliffen, lackiert, geputzt, getankt (Diesel, Wasser und Gas), repariert, serviciert und eingekauft. Nachdem David zu guter Letzt eine Tahitianische Ukulele (nicht mit der Hawaiianischen zu verwechseln!) bekommen hat, drängt es uns weiter, bevor wir noch mehr Geld ausgeben können.

Einmal hören wir am Funk einen Notruf des MRCC Papeete (Marine Rescue Coordination Center). Vom Inhalt können wir nur Teile erraten, er wird nur auf französisch durchgegeben: "3 bis 4 Personen über Bord...Moorea...ist jemand in der Nähe, der helfen kann?". Erst nach weit über einer Stunde und mehreren nicht beantworteten Rufen versuchen sie es zusätzlich in (erbärmlichem) Englisch. Und das in einer Gegend, in der zahlreiche Yachten mit nicht oder nur wenig französisch sprechender Crew unterwegs sind und vielleicht helfen könnten...

Moorea

Im Norden der Baie Opunohu von Moorea kann man wieder einmal das Gruppenverhalten beim Ankerplatzsuchen studieren: Dort, wo schon wer ankert, da muss es gut sein. Also suchen auch wir uns einen Fleck Sand am beliebtesten Ankerplatz Mooreas. Die Kulisse ist toll mit freiem Blick auf die Berge der Insel und auch das Wasser ist klar und türkis. Noch idyllischer wäre es hier, wenn nicht permanent Jetskis durchs Ankerfeld brausen würden. Und Tauchboote. Und Boote mit Wasserskifahrern. Und Boote mit Wakeboardern. Und Taxiboote. Und Boote mit wie-auch-immer-das-mit-dem-Fallschirm-heißt. Dafür treffen wir wiedermal ein paar uns bekannte österreichische und ein paar uns unbekannte deutsche Segler, was uns natürlich freut.

Mit der Erkundung der Insel beginnen wir im Wasser: Wir legen die Schnorchelausrüstung an, um uns den Pass vor der Bucht anzusehen, und werden schwer enttäuscht. Vollkommene Wüste, nur einige kleinere Fische picken Algen von toten Korallenblöcken. Einzig eine riesige Moräne sorgt für Pulserhöhung.

Streichelzoos

Da die See ruhig und keine Strömung erkennbar ist packen wir die Tauchsachen und fahren ans Außenriff vor dem Ankerplatz, zu einem Dive Spot namens "Rose Garden", wo täglich bis zu vier Tauchboote gleichzeitig sind. Der muss ja gut sein, denken wir uns. Gleichzeitig mit uns trifft auch eine Tauchgruppe ein. Der Dive Master rät uns vorsichtig zu sein, denn sie würden jetzt die Haie füttern. Kaum sind wir im Wasser sehen wir schon, wie ein großer (2 - 2,5 m) Lemon Shark mit dickem Bauch die Bojenleine umkreist, gefolgt von ein paar kleineren Riffhaien. Der Hai bekommt vom Dive Master einen Fischkopf in den Rachen gestopft, verschlingt ihn gierig, dreht noch ein paar Runden (man kann beinahe einen bettelnden Hundeblick erahnen), und zieht wieder von dannen. Die wenigen anderen hier anzutreffenden Fische - Snapper, Einhornfische, kleine Riffhaie - zeigen ein deutlich anderes Verhalten als an anderen Tauchplätzen, sie folgen uns in kleinen Schwärmen, kommen sehr nah, scheinen gewohnt sein, gefüttert zu werden. Ansonsten ist die Landschaft ähnlich wie im Pass, vor allem bestehend aus toten Korallen. Sehr enttäuschend. Die Taucher im anderen Boot scheinen begeistert zu sein. Müssen sie wohl, denn für einen Haifütterungstauchgang zahlt man hier bis zu doppelt so viel wie für einen Normalen.

Im Nordwesten der Insel gibt es einen Platz an dem man mit Stachelrochen schwimmen kann, was uns mehrfach begeistert berichtet wurde. Mit unserem Dinghie brauchen wir fast eine Stunde für den Weg, und abermals sind wir im Gegensatz zu allen anderen nicht hin und weg: "Stingray World" ist leicht an den zahlreichen dort ankernden Ausflugsbooten, Tretbooten und Jetskis zu erkennen. Im hüft- bis schultertiefen Wasser stehen Horden von Touristen mit Futterbeuteln in der Hand und lassen sich von den zwar frei lebenden, aber verhaltensgestörten Stachelrochen aus der Hand fressen. Das Benehmen der Tiere ist so unnatürlich und irritierend, dass wir nach ein paar Fotos schnell wieder fahren und lieber die Stachel- und Adlerrochen, die am Ankerplatz unter unserem Boot durchschwimmen, dabei beobachten, wie sie sich von Fischen putzen lassen, Löcher in den Sand bohren, und ängstlich vor uns flüchten.

Über Wasser

Wenn es schon unter Wasser nichts zu sehen gibt, dann vielleicht an Land. Zwei Tage laufen wir über die Insel, durch die Täler, über die Berge, verirren uns in Ananas-Plantagen und in von archäologischen Städten vollgestopften Wäldern. Sehr schön, wir sind mit der Insel wieder versöhnt. Aber es rächt sich auch, denn am dritten Tag können wir unsere Seglerbeine kaum noch bewegen.

Kommentare [+]

Noch keine Kommentare.