Gesellschaftsinseln - Iles Sous-le-Vent

17.08.2011 - 21.09.2011

Huahine

Huahine ist die östlichste Insel der westlichen Gruppe der Gesellschaftsinseln. Sie ist vom Massentourismus wie etwa auf Moorea weitgehend verschont geblieben, weshalb nur selten Jetskis am auch ansonsten perfekten Ankerplatz (3 Meter glasklares Wasser über Sandgrund) vorbeikommen. Dabei ist diese Insel wunderschön, die Lagune zwischen Insel und Motu bietet ein Farbenspiel, dass auf Fotos einfach nicht gut rüberkommt: weißes Schäumen, wo die Wellen sich am Außenriff brechen; breite hellgelbe, mit braunen Flecken durchsetzte Streifen, wo das Wasser kaum einen Meter tief und mit kleinen Korallenköpfen gespickt ist; türkise Flächen, wo der korallenfreie Grund aus weißem Sand über 2 bis 5 Metern Wasser zum Ankern einlädt; tiefblaues Wasser, wo der Grund plötzlich auf 30 Meter abfällt. Besonders eindrucksvoll ist das ganze vom Gipfel des 462 Meter hohen Mt. Pohue Rahi, dessen Besteigung wir gemeinsam mit den Crews von SY Aroha und SY Freya in Angriff nehmen.

Alleine fahren wir mit dem Dinghie bis ans Südende der Insel, besichtigen Taro- und Bananenplantagen und das örtliche Marae, dass sich von den auf Moorea gesehenen dadurch unterscheidet, dass es erstens statt mitten im Wald direkt am Strand steht und zweitens statt aus Lavagestein aus Korallenblöcken gebaut ist. Ein weiterer Ausflug führt uns auch ans Nordende, wo es Vanille- und Bananenplantagen gibt, und ungefähr eine archäologische Städte pro Einwohner. Und damit das auch so bleibt, wird fleißig an neuen Ruinen gewerkt: eine ausgedehnte Hotelbungalowsiedlung ist schon schön im Zerfall begriffen, die leerstehenden Hütten werden von Einheimischen als Wochenend-Strandhütten genutzt.

Eine letzte Sehenswürdigkeit sind die heiligen Aale von Faie, bis zu zwei Meter lange, fette Fische mit leuchtend blauen Augen, die unter einer Brücke im beinahe ausgetrockneten Fluss leben und den Kindern aus der Hand fressen.

Raiatea und Tahaa

Raiatea und Tahaa sind zwei vom selben Riff eingeschlossene Inseln, und einmal in der Lagune befindet man sich in einem abwechslungsreichen und vor Schwell geschütztem Segelrevier. Kein Wunder, dass hier mehrere große Charterunternehmen einen Standort haben - erstmals seit langem sehen wir wieder mehr Charter- als Langfahrtyachten.

Nach einer Nacht und einem kurzen Einkaufsstopp in Uturoa, der Hauptstadt von Raiatea, wollen wir zunächst einmal Tahaa erkunden.

Wieder einmal schaffen wir es nicht, unser Boot zu versenken: Am späten Nachmittag legen wir uns im Osten von Tahaa an eine Boje vor dem Hotel Hibiscus, dessen Schildkrötenpflegestation wir uns am nächsten Morgen ansehen wollen. In der Nacht kommt schlagartig Wind auf, 20 bis 25 Knoten, in Böen bis zu 35. Auf der kurzen Strecke zwischen Riff und Bojen baut sich erstaunlicher Seegang auf, das Boot beginnt wild zu stampfen, das am Heck hängende Dinghie fährt surfend von Seite zu Seite. David geht um 2 Uhr nachts die Festmacher kontrollieren, mit der wir an der Boje hängen - einer ist bereits durchgescheuert, der andere kurz davor. Das nimmt uns die Entscheidung ab, wir müssen ablegen. Es ist Zeit genug, warme Kleidung anzuziehen, die starken Tauchlampen herauszusuchen, das Dinghie längsseits zu nehmen und nochmal in die Karte zu schauen. Dann fahren wir los, tiefer in die enge, gewundene Bucht, an deren Ende ein Hurricane Hole eingezeichnet ist. Es ist stockdunkel, wir können uns nur an den Leuchtfeuern orientieren. Nicht alle Seezeichen sind beleuchtet, doch im Vorbeifahren sind sie im Licht der Lampen zu erkennen, und die Seekarte stimmt. Je weiter wir fahren, desto ruhiger wird das Wasser. Sobald das Echolot weniger als 15 m Tiefe anzeigt, fällt der Anker, welcher sofort gut hält. Die restliche Nacht schieben wir noch Ankerwache und trinken beruhigenden Tee.

Nach zwei Tagen hat es sich ausgeweht, wir verlegen uns näher ans Ufer in seichteres Wasser vor dem Dorf Haamene und trauen uns an Land. Wir besuchen das Maison de la Vanille, eine kleine Vanillefarm, deren Besitzer uns gerne in die Geheimnisse der Schoten einführt. Da kaufen wir ihm doch gerne ein Päckchen ab. Eine Forststraße lädt zur Inselüberschreitung ein, die in zwei Stunden über einen Pass mit schöner Aussicht ins Hauptdorf Patio an der Nordküste führt.

Schließlich schaffen wir es bei schönem Wetter die Schildkrötenpflegestation beim Hotel Hibiscus zu besuchen. Schildkröten, die sich in Fischfallen gefangen haben, werden den Fischern abgekauft und in einem Gehege wieder aufgepeppelt. Ab 100 Euro Spende kann man ein Tier freikaufen, taufen und, nachdem es markiert wurde, mitnehmen und aussetzen. Auf diesen Spaß verzichten wir dann doch.

Dann geht es zurüch nach Raiatea, das deutlich größer als Tahaa ist. Um einen Eindruck von der Insel zu bekommen, mieten wir ein Auto und probieren, ob man nach zwei Jahren Pause immer noch Auto fahren kann. Es geht noch.

Erster Programmpunkt ist eine kurze, zweistündige Wanderung ins Inselinnere zu drei Wasserfällen. Den obersten erreicht man nur nach etwas Klettern, kann sich dann aber im Pool erfrischen. Dann geht es die Küste entlang weiter. Die Aussicht auf das bergige Inselinnere einerseits sowie die Lagune mit ihren Motus auf der anderen Seite, dazwischen Blumen, blühende Bäume oder Bäume mit Früchten gefällt uns gut. Schließlich erreichen wir eine der Hauptattraktionen: Das Marae Taputapuatea. Es ist das bedeutendste Marae Polynesiens, da jedes andere Marae, und sei es auch in Hawaii, einen Stein aus diesem enthalten muss, um die Zusammengehörigkeit zu symbolisieren. Entsprechend groß und beeindruckend ist das Areal dann auch.

Bora Bora

Eigentlich wollten wir gar nicht dort hin. Aber dann sieht es aus der Entfernung doch so schön aus, und jeder schwärmt davon.

Worin nun unterscheidet sich Bora Bora von den anderen Gesellschaftsinseln? Hauptsächlich einmal durch die Anzahl der Hotels - egal wo man sich befindet, man hat immer mindestens drei Bungalowsiedlungen im Blickfeld (von denen, wie wir später erfahren, einige Konkursruinen sind). Aber wir schaffen es doch, einige nette Fleckchen zu finden. Ganz im Südosten zum Beispiel einen schönen Schnorchelplatz, einen kurz vor der Riffkante gelegenen Korallengarten mit vielen kleinen bunten Fischen und erstaunlich schnell flüchtenden Schildkröten.

Die Insel ist nicht groß, die sie umrundende Straße flach - ideal, um sie auch bei großer Hitze mit einem Mietfahrrad zu umrunden. Fährt man langsam, so ist man nach zwei Stunden einmal herum. Um den Ausflug etwas zu verlängern erklimmen wir im Süden der Aussicht wegen einen kleinen Hügel, ebenso im Norden, wo eine steile Straße zu einer Kanone aus dem zweiten Weltkrieg führt. Ein Highlight ist das winzige Musee de la Marine, dessen Betreiber zahlreiche historisch relevante Schiffe als Modelle nachgebaut hat und freundlich unsere Fragen beantwortet. Dann holt uns wieder die Realität des hoffnungslos überteuerten Bora Bora ein: Vor einem Haus sehen wir einen kleinen Tisch mit zum Verkauf angebotenen Mangos. Wir fragen, was sie kosten sollen. 500 Francs. Das sind ca. € 4,50. Pro Stück. Verstört ziehen wir mangolos von dannen. Übrigens, 1/2 l Bier im Cafe kostet 800 Francs, ca. € 6,80.

Die nächsten Tage gibt es nicht mehr viel zu tun. Wir füllen unseren Dieseltank auf, gehen zweimal Abendessen, einmal davon im angeblich weltberühmten Bloody Marys. Das Essen war wirklich gut, nur der hier in den Restaurants dafür vorgesehene Zeitraum irritiert immer wieder: Um 18 Uhr ist das Lokal leer, nur die Bar wird langsam von ein paar Seglern bestzt. Gegen 19 Uhr werden Hotelgäste mit dem Autobus angeliefert, es ist plötzlich voll. Wir bekommen gerade noch den letzten Tisch. Ab 20 Uhr leert sich das Restaurant, die Gäste werden mit dem Bus ins Hotel zurückgebracht. Spätestens um 21 Uhr wird man vor die Tür gesetzt.

Als nächstes wollen wir Maupiti anlaufen, was aber nur bei besten Bedingungen möglich ist. Also warten wir noch ein bisschen, laden uns die Schweizer Crew der SY Yellow Dog zum Rumpunsch ein, wodurch wieder ein Tag zur Regeneration notwendig ist. Schlußendlich ist es soweit und wir können die teuerste aller Gesellschaftsinseln verlassen.

Maupiti

Andere Segler sind kurz vor uns aufgebrochen und quälen sich bei wenig Wind durch hohe Wellen zum 1000 Seemeilen entfernten Samoa. Wir quälen uns bei wenig Wind durch hohe Wellen zum 25 Seemeilen entfernten Mauputi, der westlichsten der Gesellschaftsinseln (wenn man von den Atollen Maupihaa, Manuae und Motu One absieht).

Diese Insel wird nur von den hartnäckigsten unter den Seglern angelaufen, da der Pass, also die Einfahrt in die Lagune, eine heikle Angelegenheit ist. Ist der Schwell aus Süden höher als etwa 2 m, dann kommt viel Wasser über das Riff im Süden. Es kann nur über den nach Süden offenen Pass wieder hinaus, und macht das mit bis zu 9 Knoten Strömung, die dann auf die Wellen trifft und so eine Zone von brechenden Wellen und Strudeln erzeugt. Der Pass ist natürlich auch nicht breit und gerade, sondern eng und gewunden. Zwei Richtfeuer weisen dem nervenstarken Steuermann den Weg, der unter keinen Umständen den Blick zur Seite lenken darf. Oder überhaupt ins Wasser. (Das nervöse Geschrei des Navigators, das im dem Rauschen der brechenden See kaum zu hören ist, reicht völlig.)

Wir haben aber wie gesagt auf beste Bedingungen gewartet und daher nur knapp über zwei Knoten Gegenströmung und Turbulenzen, die kaum ärger als im Panamakanal sind. Das schaffen wir gerade so. Beinahe wäre es aber doch nicht gut gegangen, da in dem Moment, in dem wir in den Pass einlenken wollten, ein heftiger Squall über uns gezogen ist, mit 25 kn Wind - natürlich genau gegenan - und dichtem Regen, in dem sich die Richtfeuer prompt verstecken. Wir drehen mehrere Warteschleifen, und als wir wieder etwas sehen können, geht es dann hinein. Der Anker fällt gleich ums Eck beim Manta Point, der nicht ohne Grund so heißen soll.

Zunächst suchen wir vergeblich nach Mantas, finden dafür traumhafte, spektakuläre Korallengärten mit glasklarem Wasser und unzähligen Fischen. Spätestens beim Sonnenuntergang mit grünem Blitz wissen wir, dass wir einen besonderen Ort gefunden haben. Der Wind hält dann ein paar Tage still und wir nutzen die Ruhe zur Lagunenerkundung mit dem Dhingy.

Eines morgens ist es dann soweit, unsere Ankernachbarn winken uns vom Dinghie aus zu - Mantas sind hier! Binnen Sekunden sitzen wir im Beiboot, düsen Richtung Manta-Putzstation, und sind schon im Wasser. Unter uns zieht ein Manta gemütlich seine Runden und lässt sich von kleinen Fischen beknabbern. Dann schwimmt noch einer in unser Blickfeld. Und noch einer...

Als es wieder windiger wird beginnen wir mit der Inselbesichtigung. Auch hier gibt es einen Berg den man besteigen kann. Er ist allerdings ähnlich dem Pass nichts für gemütliche Menschen, da der Weg sehr steil und heiß beginnt, später in Felskletterei übergeht. Der Ausblick ist die Mühe wert, denn unter uns liegt die schönste Lagune, die wir bisher gesehen haben. Beim Abstieg wird unser Glück vollkommen: Der Wald besteht, wie auf anderen Inseln auch, aus Mangobäumen. Nur hier sind wir erstmals zur richtigen Zeit und können unsere Rucksäcke mit kleinen, süßen Mangos füllen. In den folgenden Tagen wird eingekocht, püriert, gebacken,...

Langsam heißt es für uns von Französisch Polynesien Abschied zu nehmen. Die Stürme im Südpazifik nehmen anscheinend ab, und unser nächstes Ziel, Niue, wird damit angenehmer erreichbar. Bevor wir fahren kaufen wir noch ein wenig im Dorf ein, unter anderem auch ein paar Bananen. Als die nette Obstfrau erfährt, dass wir Segler sind, schenkt sie uns gleich noch eine ganze Staude grüner Bananen dazu. Als wir diese zufrieden am Boot aufhängen kommen Fischer vorbei und fragen, ob wir Fisch wollen. Na gerne doch. Wir können den netten Mann gerade noch bremsen, denn er wollte uns schon Fisch für den Bedarf einer polynesischen Großfamilie überreichen. Über die kleine Flasche Rum freuen sich auch seine Kollegen.

Den ersten Preis in Gastfreundschaft verdient sich am selben Nachmittag ein Hund: Wir machen einen Strandspaziergang, als sich ein großer Hund zu uns gesellt. Er läuft mit uns mit, wartet auf uns und wenn wir stehen bleiben um aufs Meer zu schauen, dann stellt er sich neben uns und schaut auch. Schließlich verschwindet er im Unterholz und wir winken ihm zum Abschied. Ein netter Kerl. Doch plötzlich panisches Gegacker, ein Hahn sprintet aus dem Gebüsch an den Strand, der Hund hinterher. Der Hahn vergisst in der Hektik, dass er auch höher als einen Meter fliegen kann, und schon haucht er im Maul des Hundes sein Leben aus, welcher ihn uns freudig mit dem Schwanz wedelnd vor die Füße legt. So ein braver Hund. Leider haben wir schon Fisch und lassen den Vogel liegen. Doch er wird uns nachgetragen... Wir fühlen uns der Hühnerpopulation gegenüber etwas schuldig, weil wir am Strand spazieren waren und hoffen, dass der Hahn einer von denen war, die immer schon mitten in der Nacht zum Krähen beginnen.

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