Grenada

07.03.2010 - 17.03.2010

Wir lichten den Anker und machen etwas, das wir seit vielen Wochen nicht mehr getan haben: Schnell segeln. Also, für unsere Verhältnisse schnell. Mit Halbwind geht es nach Südwesten. Mit kleinem Respektabstand passieren wir einen Unterseevulkan mit dem wunderbaren Namen "Kick 'em Jenny". Das Log zeigt hin und wieder über 8 Knoten an, und so erreichen wir nach wenigen Stunden St. George, die im Südwesten gelegene Hauptstadt von Grenada. Wir steuern direkt die Marina Port Louis an, da wir bisher nur äußerst Positives von ihr gehört haben, und legen uns neben die SY Frigga von Thomas.

Enttäuschung

Port Louis, St. George / Grenada.

Aus zahlreichen Gründen sind wir in die Marina gefahren und wollen dort ein paar Tage bleiben (und Liegegeld zahlen), anstatt vor der Stadt zu ankern (und nichts zu zahlen): Um unsere leeren Wassertanks zu füllen, um unser Boot wieder einmal gründlich zu reinigen, insbesonders Staub zu saugen und das Deck von der atlantischen Salzkruste zu befreien, um Wäsche zu waschen, um das beworbene Gratis-WiFi zu verwenden, und um erstmals seit Monaten wieder einmal in einer richtigen Dusche zu duschen.

Für Thomas' Bootsgröße sind die Liegegebühren verglichen mit anderen Marinas zwar erstaunlich günstig, für uns ist es jedoch die teuerste, in der wir je waren. Zusätzlich wird uns beim Einchecken nicht gesagt, dass Strom und Wasser extra kosten, das erfahren wir erst, nachdem wir 500 Liter in den Tank gefüllt haben. (Beim Yachtclub gegenüber wäre Wasser deutlich billiger gewesen.) Als wir das Deck abwaschen kommt ein Marina-Bediensteter und meint, dass dies verboten sei. (Bei den Motoryachten, die ihr Deck nach jeder kurzen Ausfahrt spülen sagt natürlich nie jemand etwas.) Auch das erwartete Gratis-Wifi gibt es nicht, stattdessen kann man sich gegen eine saftige Kaution ein Kabelmodem ausborgen, für das ein Anschluss an der Versorgungssäule für Wasser und Strom vorhanden ist. Leider sind gerade alle Modems vergeben, obwohl die Marina zu 10% ausgelastet ist. Zum Wäschewaschen müssen wir in den Yachtclub fahren, da es in der Marina keine Waschmaschinen, sondern nur ein sündteures Wäscheservice gibt. Und schließlich sind die Duschen - edelst designte Badezimmer - dreckig, es gibt zwei Mal von drei Versuchen kein warmes Wasser, und, wir sind fassungslos, die Duschen werden von einer nicht auszuschaltenden Klimaanlage deutlich unter die angenehme Außentemperatur runtergekühlt.

Wirklich unsympathisch finden wir außerdem, dass die Marina mit ihrer arroganten Betonstegkonstruktion einen großen Teil des Hafenbeckens blockiert, so dass dort kaum noch ein Boot Platz zum frei Ankern findet.

Abschied

Abschied von Thomas / SY Frigga.

Zwei Tage nach unserer Ankunft fährt Thomas. Vor vier Monaten haben wir ihn zum ersten Mal getroffen, jetzt werden wir ihn leider so bald nicht wieder sehen, denn er ist nach Norden aufgebrochen, um im Laufe des Jahres zurück nach Europa zu segeln.

Arbeit

Wartungsarbeiten...

Nach der Bootsinnenreinigung verlegen wir uns auf den Ankerplatz vor St. George, wo wir Außenreinigung (dann eben mit Salzwasser), Lackierarbeiten und diverse kleinere Wartungen und Reparaturen durchführen. Damit sind schnell wieder ein paar Tage ausgefüllt. Einmal kommt ein Schlauchboot vorbei und überreicht uns einen Werbe-Flyer für die Marina Port Louis, wo es derzeit ein Angebot gibt - zahl 2, lieg 3 Nächte. Gab es natürlich, als wir ankamen, nicht.

Stadtbesichtigung

St. George / Grenada.

Die Hautpstadt von Grenada wird in unserem Reiseführer als die schönste Stadt der Karibik beschrieben. Doch wirklich begeistern kann sie uns nicht. Aber es wird wohl einen Grund haben, warum hier täglich mindestens ein riesiges Kreuzfahrtschiff Halt macht, Touristen ausspuckt, sie abends wieder einsammelt und noch vor Sonnenuntergang wieder ablegt. Entsprechend hart ist auch das Gerangel um die Urlauber, welchen alle paar Schritte etwas zum Kauf angeboten wird. Manchmal fällt es schwer, freundlich zu bleiben, aber meist wird ein Nein nach nur wenigen Wiederholungen akzeptiert. Ansonsten fühlen wir uns sehr wohl unter den Einheimischen, die gerne Auskunft geben, sich nach unserem Befinden erkundigen, oder einfach freundlich sind (Ausnahmen sind natürlich zu finden). Die Kommunikation ist manchmal ein wenig schwierig, da zwar Englisch Amtssprache ist, hier aber sehr schnell und ungewohnt ausgesprochen wird, wodurch für uns häufig das Gesagte wiederholt werden muss, was auch immer mit einem geduldigen Lächeln passiert.

Sehr angenehm ist, dass man fast alle Besorgungen mit dem Dinghy erledigen kann, so haben zum Beispiel Tankstelle, Supermarkt und Ship Chandler jeweils eigene Dinghyestege direkt vor dem Geschäft.

Inselrundfahrt

Belmont Estate, Grenada.

Mit den öffentlichen Bussen, auch hier wieder Minibusse, kommt man (ausser Sonntags) wunderbar überall hin. Wir umrunden die nördliche Hälfte der Insel, steigen in Sauters, welches nahe dem Carib's Leap liegt, um. Carib's Leap ist die Klippe, von der sich die letzten Ureinwohner in den Tod gestürzt haben um sich nicht den Franzosen unterwerfen zu müssen. Weiter geht es zur Besichtigung des Belmont Estates, einer riesigen Plantage, in der vor allem Bio-Kakao für den Export und für die kleine lokale Schokoladenmanufaktur "Grenada Chocolate Company", angebaut wird. Diese Schokolade ist wohl die Beste, die wir je gegessen haben. Wäre sie nur nicht so teuer...

Trockenheit ist, wie auch auf Carriacou, ein ernstes Thema. Schon bei unserer Anreise fallen uns einige brennende Stellen im Inselinneren auf. Ständig brennt es irgendwo, bei unseren Rundfahrten sind immer mehrere Feuerherde zu sehen.

Waldwanderung

Concord Falls Trail. Gürteltier am Concord Falls Trail. Muskat.

Einen Tag wandern wir im Grand Etang National Park, vom Visitors Center im Zentrum der Insel zuerst einen kleinen Rundweg durch den Regenwald, welcher sich langsam von Hurrikan Ivan 2004 erholt. Es gibt nur in den geschützten Tälern große Bäume, an sämtlichen Berghängen sind momentan nur mehr die Überreste zu sehen. Nach der Mittagspause am Visitors Center, in dem es nach der Abfahrt der Touristenbusse plötzlich sehr friedlich und still ist, wandern wir weiter vorbei am Grand Etang Lake über den Mt. Qua Qua (707 m), von wo ein weiterer, schwer zu erkennender, da anscheinend kaum begangener Weg durch ein Tal zu den Concord-Wasserfällen führt, die aber derzeit nicht sehr viel Wasser führen. Da dieser Pfad in ein Tal entlang eines Baches führt ist der Wald hier, wie wir uns Regenwald vorstellen: grün und dicht. Irgendwo, als wir uns gerade von Bambus zu Bambus hangeln um den rutschigen Abhang herunterzukommen, läuft uns dann eine echte Sehenswürdigkeit über den Weg: ein Neunbinden-Gürteltier.

Der letzte Teil des Weges führt eine Nebenstraße entlang an kleinen Plantagen vorbei, und am Straßenrand stehen jene Bäume, deren reife Frucht auch auf der Flagge Grenadas zu finden ist: Muskat. Die Insel heißt nicht umsonst auch "Spice Isle", die Auswahl an Gewürzen am Markt ist gewaltig, aber auch an Obst und Gemüse mangelt es nicht.

Links

SY Frigga (Thomas)
Grenada Board of Tourism

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