Isla del Coco

14.03.2011 - 17.03.2011

Etwa auf halbem Weg zwischen Costa Rica und Galapagos liegt ein Nationalpark der besonderen Art, die 24 km2 große Isla del Coco (Cocos Island), bevölkert von Parkwächtern, der Küstenwache und einer privaten Organisation. Sie ist nur per Tauchboot oder auf eigenem Kiel erreichbar. Kaum eine Yacht läuft sie an, aber wir können einfach nicht daran vorbeifahren: Die Insel ist eines der Traumziele jedes Tauchers. Nur wenige können sich einen Platz auf einem der Tauchboote, die hier operieren, leisten (USD 4 - 5.000 für 10 Tage).

Tag 1

Am Vorabend sind wir mit dem letzten Licht in die Chatham Bay eingelaufen und haben an einer Boje festgemacht. Schon im ersten Tageslicht staunen wir, wie klar das Wasser ist, zahlreiche Fische umkreisen das Boot, jedes kleine Detail des Meeresgrund in 11 Metern Tiefe ist von Bord aus zu erkennen. Binnen Minuten sind wir in Schnorchelmontur und im Wasser. Nach weiteren drei Minuten sitzen wir lachend und mit erhöhtem Puls wieder im Boot und besprechen, was gerade passiert ist:

David erblickte am Grund einen kleinen, süßen Weißspitzenhai, der sich unter einem Felsen versteckte, und tauchte hinab, um ihn sich näher anzusehen. Beim Auftauchen sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung, irgendetwas großes und graues, drehte sich in dessen Richtung, und blickte in zwei starre Augen und ein breites Grinsen, zum Angreifen nahe. David streckte dem großen, dicken Hai seine Flossen ins Gesicht, denen dieser neugierig folgte, sie aber netterweise nicht anknabberte, und saß Sekunden später im Dinghie.

Wenig später schwebt ein Manta hinter unserem Boot vorbei.

Am frühen Nachmittag besuchen uns endlich die Parkranger, um die Gebühren zu kassieren: 75 Dollar pro Tag, und wenn wir Tauchen kommen noch mal 10 pro Person pro Tag dazu. Netterweise berechnen sie uns weder die erste Nacht, noch den ersten Tag, und auch den letzten nicht, wenn wir vor Sonnenuntergang ablegen. Sie versorgen uns mit jeder Menge Informationen über den Park und teilen uns mit, dass sie zwar gerne mit uns tauchen gehen würden, im Moment aber überhaupt keine Zeit dafür haben. Ihr Wasserkraftwerk bekomme neue Generatoren, und da werde jede Hand gebraucht. Blöd für uns, wir haben zwar eine komplette Ausrüstung, aber ohne Guide und ohne eine Person im Begleitboot darf man hier nicht tauchen. Also beginnen wir an diesem Nachmittag damit, die großen Tauchbooten zu befragen, ob sie uns denn mitnehmen würden. Eine Absage bekommen wir gleich.

White Moray, Schnorcheln in Chatham Bay. Weißspitzenhai, schnorcheln in Chatham Bay.

Später trauen wir uns noch einmal ins Wasser und schnorcheln in der Bucht zu einem Wasserfall, der ins Meer fällt. Diesmal gibt es nur kleine Haie, Fische und eine Moräne.

Tag 2

Wir beginnen den Tag optimistisch und werden bei zwei weiteren Tauchbooten mit unserem Anliegen vorstellig, doch es sieht nicht gut aus. Die einen sind mit Gästen voll und haben ein italienisches Filmteam dabei, die anderen sind mit der Betreuung von Wissenschaftlern und einem Filmteam von National Geograghic voll beschäftigt.

Schnorcheln bei Isla Manuelita. Hammerhai (Mitte rechts).

Deprimiert packen wir die Flossen und Masken ins Schlauchboot und schnorcheln bei einem nahen Felsen über dem tiefblauen Abgrund. Die bunten Fischschwärme sind schon ganz nett, versöhnlich wirken aber erst die Hammerhaie, die uns neugierig umkreisen. Bei einem Blick nach unten entdecken wir einen großen Hai, vielleicht einen Galapagoshhai, zu dick für uns, und schon sitzen wir wieder im Dhingy. Diesmal war Sonja schneller drin.

Wanderung zu Cascada Río Genio.

Danach haben wir einen mit den Rangern vereinbarten Termin zu einer kleinen Wanderung, denn alleine darf man sich nicht auf der Insel bewegen. Begleitet werden wir dann aber von der Küstenwache, denn die Ranger haben ja keine Zeit. Die Vegetation ist üppig, feucht, Wasser rinnt überall. Eingeschleppte Pflanzen und Tiere werden entfernt, die ursprüngliche Artenzusammensetzung soll erhalten, beziehungsweise wiederherestellt werden. Zum Beispiel Baumfarne, lebende Fossilien, gedeihen hier prächtig. Tatsächlich wäre es keine Überraschung, wenn sich ein Dinosaurier zeigen würde.

Tag 3

Niemand will mit uns tauchen gehen, also versuchen wir es nochmal bei den Rangern in ihrem Hauptquartier in der Wafer Bay. Wir bekommen nur ein "vielleicht" für den nächsten Tag.

Ein Ranger zeigt uns einen guten Platz zum Schnorcheln in der Bucht, kann sich aber den Hinweis auf die in der Bucht ansässige Population von Tigerhaien nicht verkneifen. Er erzählt: "Früher bin ich immer zu dem Felsen dort (circa 300 m) geschwommen, aber jetzt, wo ich weiß, wieviele Tigerhaie es hier gibt, traue ich mich das nur mehr mit dem Kajak im Schlepptau." Wir waren noch nie so paranoid beim Schnorcheln. Das Schlauchboot zwischen uns, allzeit sprungbereit, schwimmen wir herum, uns pausenlos in alle Richtungen drehend. Es kommt aber kein Tigerhai. Nur zahlreiche Weißspitzenhaie und jede Menge kleine und mittelgroße Fische.

Nach einer Erholungspause am Boot besuchen wir noch einmal die riesige Motoryacht Sirenuse. Der Kapitän hat Mitleid mit uns und würde uns in den nächsten Tagen vielleicht mitnehmen. Das klingt zwar nett, wir wollen aber nicht ein paar Tage am Boot sitzen und warten, denn unternehmen kann man hier, außer tauchen, nicht viel. Wenig später kommt Shawn, der Kapitän, mit der bordeigenen Tauchlehrerin, Tonya, zu uns herüber. Er lässt sich unsere Ausrüstung zeigen und sagt, dass sie uns in einer Stunde abholen werden. Wir sind sprachlos vor Freude. Dann erfahren wir, wo es hingehen soll: Zu Piedra Sucia - Dirty Rock. Wir sind fassungslos. Ein Ranger hatte den Platz so beschrieben: "Manche meinen, dies sei der beste Spot auf Cocos Island. Ich meine, das ist der beste Spot der Welt."

Tauchgang bei Piedra Sucia, 20-30 m Tiefe. Tauchgang bei Piedra Sucia, 20-30 m Tiefe. Tauchgang bei Piedra Sucia, 20-30 m Tiefe.

Dann gehts los. Zwei Stunden vor Sonnenuntergang versinken wir dicht hinter Tonya in unglaublich blauem und klarem Wasser. Von Anfang an gehen uns die Augen über. Es wimmelt nur so von Lebewesen, wobei wir uns vor allem auf die verschiedenen Haie, Schildkröten, Haie, Rochen und Haie konzentrieren. In einer Tiefe von 34 m halten wir inne, setzen uns auf einen Felsvorsprung, und beobachten die unzähligen Hammerhaie, die ihre Bahnen durch die Fischschwärme ziehen.

Dieser eine Tauchgang war ohne Zweifel alle Mühen wert, und noch Tage später legt sich bei der Erinnerung daran ein breites Grinsen auf unser Gesicht. Unsere Dankbarkeit Shawn und Tonya gegenüber, die uns nicht fortfahren lassen wollten ohne uns die Unterwasserwelt zu zeigen, ist grenzenlos.

Tag 4

Bevor wir weiterziehen können müssen noch der Rumpf geputzt und eine neue Opferanode am Propeller angeschraubt werden. Klingt einfach, ist es an sich auch, es sei denn es nisten sich kleine, süße Fische in die Schraubenlöcher am Propeller ein. Es kostet uns einiges an Zeit, diese Fische da herauszuekeln und am wiederhineinschlüpfen zu hindern.

Chatham Bay.

Dann steigen wir noch zum Aussichtspunkt über der Chatham Bay hinauf. Von geschätzt 100 m Höhe können wir einen Manta beobachten, der gerade durch die Bucht zieht. Am Nachmittag lösen wir uns von der Boje, motoren noch die Küste entlang um die Steilklippen mit ins Meer stürzenden Wasserfällen zu bewundern, und gehen bei Sonnenuntergang auf Kurs Galapagos.

P.S.: Während wir tauchen waren ist an einem anderen Spot ein Kameramann von einem Tigerhai angerempelt worden. Außer einem Schock hat er keine Schäden davongetragen. Tatsache ist, dass herabfallende Kokosnüsse gefährlicher sind als Haie. Wir können dies aufgrund des Missverhältnisses von Kokospalmen (ungefähr drei) zu Haien (selbst die Wissenschaftler zählen noch) auf Cocos Island leider weder bestätigen noch widerlegen. Es wird einem nur immer wieder von Rangern erklärt, dass hier noch nie ein Taucher durch eine Haiattacke zu Schaden gekommen ist, sondern nur durch Unfälle anderer Art.

P.P.S.: Den Tsunami haben wir verpasst, da wir einen Tag vor der Katastrophe Mittelamerika verlassen haben und uns bereits in mehr als tausend Meter tiefem Wasser aufhielten. Außer sehr seltsamen Wellenmustern, die aber auch auf aufsteigende Meeresströmungen zurückzuführen sein könnten, konnten wir nichts beobachten. Von den Rangern hörten wir, dass für die Dauer von etwa 18 Stunden der Wasserspiegel alle 7 - 8 Minuten von Hoch- zu Niedrigwasser gewechselt hat. Die einzige Auswirkung auf Cocos Island ist die, dass eine Sandbank vor einer Flußmündung weggespült wurde. Die Ranger freut das, weil sie nun mit dem Dhingy in den Fluß fahren können.

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