La Gomera

26.12.2009 - 03.01.2010
Degollada de Peraza.

La Gomera: Eine Ansammlung von Wanderwegen, umgeben von der kleinstmöglichen Menge Insel. Tiefe Schluchten, hohe Vulkankegel, im Zentrum ein Regenwald. Von den bisher besuchten Inseln der Kanaren hat diese uns am meisten begeistert. Drei Tage hintereinander gingen wir wandern, einmal einen kurzen, heißen Rundweg ausgehend von Vallehermoso, einmal von Arure hinunter ins Valle Gran Rey, und am dritten Tag schließlich stiegen wir vor Sonnenaufgang in den Bus und durchquerten den Parque Nacional de Garajonay, in welchem der (fast) ursprüngliche Regenwald liegt. Dieser Wald sorgt unter anderem dafür, dass das im Hafen verfügbare Trinkwasser im Gegensatz zu den vorherigen Inseln wirklich trinkbar ist und nicht nach Hallenbad schmeckt.

Überraschung die Erste

Als wir den weihnachtlich dekorierten Kaktus vor dem Marina-Büro erblickten kam uns dieser sehr bekannt vor. Er war das Motiv des Weihnachtspostings im Blog von Monika und Eric von der SY Aroha , einem österreichisch-französischen Paar, das wir beim Weltumseglertreffen 2008 am Grundlsee kennengelernt hatten. Eigentlich dachten wir, dass diese uns schon weit voraus seien, bereits Rum-Punsch in der Karibik genießen würden und lediglich den Positionseintrag im Blog seit Wochen nicht aktualisiert hätten. Tatsächlich aber lagen sie bereits seit knapp zwei Monaten in La Gomera, bereiteten sich und ihr Boot auf die Reise vor und warteten auf passendes Wetter. Es wurde dann noch ein längerer Abend an Bord der Aroha. Drei Tage nach unserer Ankunft auf La Gomera drehte der Wind endlich wieder in den Nordsektor, und gemeinsam mit zahlreichen anderen Booten konnten sie endlich aufbrechen, mit Ziel Kap Verden. Mal sehen, ob wir sie wieder irgendwo treffen werden.

Unser Schwesternschiff, die Ebbtide 36

Überraschung die Zweite

Unser Boot Molimentum ist eine Ebbtide 36, konstruiert von Alan Pape, gebaut von Ocean Craft in Cornwall. Diesen Schiffstyp kennt ausserhalb Englands kaum jemand, von der 36-Fuß-Variante wurden unseres Wissens nach insgesamt nur 6 Stück gebaut. Und dann liegt uns plötzlich schräg gegenüber die SY Cheal, eine weitere Ebbtide 36, an Bord die nordirische Familie bestehend aus Alan, Corinne und zweien ihrer fünf Kinder (acht und zwanzig Jahre alt), unterwegs auf einer vierjährigen Weltumsegelung. Natürlich wurden die Schiffe gegenseitig inspiziert, sie beneiden uns um unsere Kojenaufteilung, wir sie um den wunderschönen Innenausbau und die elektrische Ankerwinsch. Kurz vor uns sind sie aufgebrochen, mit Ziel Antigua.

Ansonsten fühlen wir uns im Hafen deutlich wohler als in Santa Cruz auf Teneriffa, man kommt wieder leichter mit anderen Seglern ins Gespräch, wird zum Beispiel beim ausbessern des Lacks von britischen Stahlbootbesitern angesprochen: "Ah, Malen, das ist auch mein Hobby.", oder von einem Bregenzer Pensionistenpaar: "Seid ihr wirklich Österreicher, oder tut ihr nur so?"

Ruderer im Hafen von San Sebastián, La Gomera.

Außerdem liegen im Hafen derzeit nicht nur Segel- und Motorboote, sondern auch eine Menge Ruderboote, die, wie viele Segler, auf passendes Wetter warten, um den Atlantik zu überqueren. Die meisten Boote sind mit zwei Mann oder Frau besetzt und werden etwa zehn Wochen unterwegs sein. Klingt verrückt, ist Teil der Woodvale-Challenge . Geplanter Starttermin war der 6. Dezember, doch der anhaltende Südwind ließ dies nicht zu, und jene Teilnehmer, die sich das Warten leisten können, sitzen nun bereits über einen Monat hier und schlagen die Zeit tot.

Silvesterfeier in San Sebastián.

Prospero Año Nuevo all unseren Lesern!

Ein großer Unterschied zu heimischen Feiergewohnheiten stellt die spanische Art dar. Hier wird bis Mitternacht daheim gesessen, wahrscheinlich bei Freunden und Verwandten, dann gibts ein Feuerwerk und dann erst versammeln sich die Menschen im Balloutfit im Festzelt am Hauptplatz um zu tanzen. Die Verproviantierung erfolgt aus den in der Nähe geparkten Autos, die endlich auch die eingebaute Musikanlage voll aufdrehen dürfen.

Weitere Pläne

Sobald uns das Wetter passt und wir und das Boot bereit sind werden wir zu den Kap Verdischen Inseln aufbrechen, die knapp 800 Meilen südwestlich der Kanaren liegen. Es mag auf den ersten Blick auf eine Landkarte wie ein großer Umweg wirken, wenn man in die Karibik will, doch tatsächlich wird die Gesamtstrecke nur um 200 - 300 Meilen verlängert, da man, um von den Kanaren in den Passatgürtel zu kommen, erst noch deutlich nach Süden fahren muss. Ausserdem verkürzt sich die lange Ozeanpassage über den Atlantik von den Kap Verden aus auf knapp 2.000 Meilen. Und überhaupt soll es dort auch ganz nett sein.

Links

SY Aroha (Monika & Eric)
Woodvale-Challenge

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Alles klar

Geronimo

Und ich hab' mir schon gedacht: Warum lungern die da so lange auf den kleinen Inseln herum und tuckern nicht endlich über den großen Teich?!

viel Glück
Geronimo

12.01.2010 16:12:08