Marquesas Ost

09.05.2011 - 31.05.2011

Fatu Hiva

Wir ankern in der Penisbucht (siehe letzter Artikel) der Insel Fatu Hiva. Was für ein Unterschied zu den letzten Wochen auf See: Grün, felsig, regnerisch. Nachdem wir endlich wieder einmal mehr als vier Stunden am Stück geschlafen haben begeben wir uns ins Dinghie, um das kleine Dorf Hanavave zu erkunden. Doch zunächst der Schock - so furchtbar hat unser Rumpf noch nie ausgesehen: Zentimeterlange Algenfäden hängen an der Wasserlinie, am Heck ist kaum ein Quadratzentimeter frei von Entenmuscheln. Unter Wasser hält sich der Bewuchs zum Glück noch in Grenzen. Wie wir mit der Zeit herausfinden ist dieser Bewuchs das Erkennungszeichen eines jeden Schiffes, das gerade die Passage hinter sich gebracht hat.

An Land stellen wir fest, dass wir das Gehen nicht verlernt haben, und nutzen dies gleich für ein paar Wanderungen aus, unter anderem zu einem im Wald versteckten Wasserfall.

Im Dorf, das für viele Segler der erste Stopp nach Galapagos ist (an sich illegalerweise, da es kein Port of Entry ist), gibt es keine Bank, um an die lokale Währung, Francs Pacifique, zu kommen. Macht aber nichts, denn Tauschhandel zwischen Einheimischen und Seglern hat hier seit Jahrhunderten Tradition. Altes Tauwerk (sehr begehrt), eine Baseballkappe, eine Regenjacke und Babykleidung verschaffen uns Bananen, Pampelmusen, Limetten, Eier, Huhn und Schmuck. Die Kontaktaufnahme zu den Einheimischen ist uns noch nie so schwer wie hier gefallen, da wir weder Französisch noch den lokalen polynesischen Dialekt sprechen. Ab und zu spricht jemand ein paar Worte Englisch (vor allem Kinder - und die mit großer Begeisterung), aber sonst sind wir auf unser Wörterbuch und Gesten angewiesen. Das ist mühsam und frustrierend, weshalb wir schnell ein paar französische Phrasen einstudieren - "Ich suche Obst." - "Wollen Sie tauschen?" - "Ich spreche nicht Französisch." Das nach dem Weg fragen klappt schon perfekt. Wenn wir nun auch noch die Antworten verstehen würden...

An mehreren Tagen in der Woche probt die örtliche Tanztruppe ihre Nummern für die in den nächsten Monaten anstehenden Feierlichkeiten. Die Trommler sind schon ganz gut, aber die Tänzer und -innen haben noch viel, viel Arbeit vor sich. Nur die im schnellen Rhythmus schwingenden Hüften fordern uns Respekt ab.

Zur Erfrischung springt Sonja täglich ins Wasser - nur am letzten Tag nicht. Da hat sie nämlich zuerst ins Wasser geschaut und zwei Wasserschlangen neben dem Boot entdeckt.

Hiva Oa

Weiter geht es nach Atuona auf Hiva Oa, einen der beiden Häfen, in denen man einklarieren kann (auch nur provisorisch, denn eigentlich geht es nur auf Tahiti, was auch immer...). Der Hafen ist, wie die meisten Ankerplätze der Inselgruppe, nicht erste Wahl: Klein und nur teilweise durch einen Wellenbrecher vor Schwell geschützt, das Wasser trüb und voller Haie, und kommt eines der beiden Frachtschiffe wird es noch enger, als es bereits ist. Es wird mit Bug- und Heckanker geankert um das Boot in Richtung einlaufender Wellen auszurichten, sowie um Platz zu sparen. Unsere Version des Manövers ist nicht nur in der Theorie einfach: Heckanker hinten raus werfen, langsam nach vorne fahren und dabei Leine fieren, Anker einfahren nicht vergessen. Dann Buganker werfen, Kette rauslassen und gleichzeitig die Heckleine wieder hereinkurbeln bis man in der Mitte ist, Buganker einfahren. Fertig. (Heißer Tipp: Eine Boje am Heckanker markiert diesen nicht nur, sondern erleichtert das Bergen immens.)

Vom Hafen in die "Stadt" ist es ein längerer Fußmarsch, den man durch Autostopp abkürzen kann. Jeder nimmt hier jeden anstaltslos mit, auch wenn die Schuhe noch so gatschig sind. Im Dorf gibt es dann ein paar Geschäfte wo wir nach dem Einkauf von Baguette, Käse und Nutella (Nutella! Nutella!!!) im siebten Himmel sind und schnell zur Verkostung wieder aufs Boot wollen... Außerdem besuchen wir das Gaugin-Museum, in dem es aber nur Kopien zu sehen gibt, die nicht wirklich begeistern. Das Artesanat, die Verkaufshalle für die lokalen Kunstprodukte wie Holzschnitzereien, Knochenschnitzereien und Schmuck aus Pflanzensamen, ist geschlossen, da alles Geschnitzte gerade in Pape´ete bei einer Austellung ist. Schade.

Im Reiseführer steht, dass im Tal hinter dem Ankerplatz Petroglyphen (antike Steingravuren) zu sehen sind. Diese gehen wir suchen, was ohne Wegbeschreibung abenteuerlich ist. Schließlich entdecken wir irgendwo im Wald einen Felsen, auf dem irgendetwas eingraviert ist und freuen uns. Nebenbei füllen wir unserer Rucksäcke mit Limetten und Chilischoten, die wild wachsen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Geräusche der wilden Tiere des Waldes fernab jeder Zivilisation: Hühner gackern und Hähne krähen. Nach der erfolgreichen Expedition werden wir übermütig und beschließen, ein Tiki (Steinfigur) zu suchen, welches ganz in der Nähe sein soll. Dazu marschieren wir die Straße entlang, geben aber nach einer Stunde auf und stoppen Auto. Wir werden mit einem freundlichen Lächeln bei einem mit Stacheldraht versperrtem Feldweg abgesetzt, kilometerweit weg von irgendwo. Na dann. Ein paar verschlungene, überwucherte Pfade später entdecken wir das "Smiling Tiki" auf einer Lichtung und - lachen.

Tahuata

Einmal kurz ums Eck zur nächsten Insel, Tahuata, in die Bucht Hanemoenoa, und alles ist ganz anders: Jede Menge Platz, Sonne statt Regen, und klares Wasser. Morgens umkreisen Mantas unser Boot, begutachten unsere über Bord gegangenen Pampelmusenschalen, und reagieren auch nicht verschreckt, wenn man im Pyjama mit Taucherbrille neben ihnen ins Wasser springt. Am Rande der Bucht soll es zum Schnorcheln gut sein, was wir aber leider nicht bestätigen können. Kaum Fische sind unterwegs, nur ein kleiner Hai und ein Adlerrochen.

Gemeinsam mit Helmut und Annemarie von der SY Anna X fahren wir im Beibootkonvoi ins Nachbadorf Vaitahu, beladen mit Tauschgütern, um frisches Obst zu erhandeln. Doch leider wird daraus nichts, denn wir bekommen Bananen und Pampelmusen einfach geschenkt.

Wir wollen noch das weiter südlich gelegene Dorf Hapatoni besuchen und gehen Anker auf. Doch in der Bucht kommen uns Fallböen mit 40 Knoten entgegen, dazwischen fast Windstille. Kein gemütlicher Ankerplatz, wir kehren um und segeln zur Nordseite von Hiva Oa. Unterwegs springt ein riesiger Manta vor unserem Boot aus dem Wasser, wodurch wir kurzzeitig etwas aus der Fassung geraten.

Noch mal Hiva Oa

In der Bucht Hanamenu an der Nordseite Hiva Oas ist die Landschaft wieder komplett anders, wie mitten im Grand Canyon. Ein hübsch hergerichteter Badeteich an Land lädt zum Waschen mit erfrischendem Süßwasser ein. Leider macht die starke Brandung beim Ablegen vom Strand den Effekt wieder zunichte.

Da viele Segler eine ähnliche Route wie wir haben treffen wir auch immer wieder bekannte Boote, was zur Abwechslung sehr nett ist. In Hanamenu zum Beispiel kennen wir nur die SY Karinya nicht, was sich aber sofort ändert, da uns Kay und Don zum Sundowner einladen.

Weiter geht es in die weiter östlich gelegene Bucht Hanaiapa, wo wieder ein wenig herumgewandert wird, nämlich in die Nachbarbucht Hanatekuua. Die Landschaft ist trocken, es gibt kaum Unterwuchs und an vielen Bäumen ist die Rinde abgefressen. Wir lasten diese Zustände der zu gut gedeihenden Ziegenpopulation an.

Kommentare [+]

Noch keine Kommentare.