Marquesas West

01.06.2011 - 22.06.2011

Ua Pou

Diese Insel hat angeblich die spektakulärsten Felsformationen der Marquesas zu bieten, welche wir allerdings dank der Regenwolken nicht sehen. Zumindest in den ersten Tagen nicht. Dafür schaffen wir es nach etlichen Fehlschlägen, an Baguette zu kommen. Denn zunächst ist einmal Wochenende. Dann ein Feiertag. Dann sind die Geschäfte wieder offen, Baguette aber ab 7 Uhr ausverkauft. Doch man kann reservieren.

Im Dorf Hakahau, dem Hauptort der Insel, in dessen Hafen wir ankern, stehen etliche Mangobäume. Bisher haben wir es auf den Marquesas noch nicht geschafft, Mangos zu bekommen, entweder waren sie noch nicht reif, oder bereits aufgegessen. Bei einem Spaziergang fragen wir daher bei einem Haus, vor dem gerade die Bewohner sitzen, hoffnungsvoll, ob sie denn welche hätten. Marie-Yvonne, die Frau des Hauses, hat leider auch keine. Während sie uns das erklärt, schwärmt der Rest der Familie schon im Garten aus und kommt mit einem Sack süßer, aromatischer Sternfrüchte, einer Wassermelone und einer Ananas zurück. Dann werden wir für 16 Uhr zum Kai bestellt, Marie-Yvonne wolle versuchen, Mangos zu finden, und auch noch gleich Pampelmusen besorgen. Fast pünktlich fährt die gesamte Familie in einem der allgegenwärtigen Pickups vor. Mangos gäbe es leider keine. Aber dafür 16 Pampelmusen. Ob wir Bananen auch noch wollen? Danke, das ist mehr als genug. Und all das gibt es geschenkt, unsere Handelswaren werden wir wieder nicht los. Das ist ein Beispiel der großartigen Gastfreundschaft und kein Einzelfall, weshalb wir mittlerweile Hemmungen haben nach Mangos zu fragen.

Am Samstag organisiert der örtliche Pétanque-Verein (wir sind in Frankreich...) eine Abendveranstaltung. Angekündigt sind Büffet mit lokalen Gerichten, traditionelle Tanzdarbietungen und Livemusik. Wir reservieren uns natürlich einen Platz in der Hoffnung auf Spektakuläres. Während wir Stunden auf die Eröffnung des Büffets warten spielt eine Liveband einen furchtbaren Musikmix aus marquesisch interpretierten amerikanischen Oldies. Das Essen (Poisson Cru (Salat mit rohem Fisch und Kokosmilch) - hervorragend; Ziegencurry - damit muss man wohl aufgewachsen sein) ist dann im Nu vorbei, die traditionelle Tanzdarbietung fällt diesmal leider aus. Dann wird eben nur so zu Musik aus der Konserve getanzt. Zunächst nur die kleinen Kinder und Erwachsenen, im Laufe der Nacht stoßen immer mehr Jugendliche dazu. Darunter die schönsten Frauen des Dorfes, die eigentlich Männer sind, ein hier sehr verbreiteter Anblick. Ansonsten ist die Musik furchtbar, das Bier teuer, also bleiben wir nicht bis zum frühen Morgen.

Das Wetter wird besser und wir gehen wandern. Diesmal nehmen wir einen Guide mit, da die Wege schwer zu finden sind. Die an sich kurze Inselquerung, von Hakahau nach Hakahetau, artet dank Jerome, einem ehemaligen französischem Soldaten, eher in ein Überlebenstraining aus: wir erfahren, welche Pflanzen wir essen können, und welche nicht; welche Kräuter bei Insektenstichen helfen; mit welchen Blättern man Kehlen durchschneiden kann; die Astgabeln welcher Bäume sich am besten zum Brechen des Genicks eignen; mit welchen Kräutern man traditionellerweise Schwiegermütter vergiftet. Ausserdem lernen wir, Körbe aus Palmwedeln zu flechten und die besten Methoden, Kokosnüsse zu schälen und zu knacken. Am Ende führt die Wanderung an einem romantischen Wasserfall vorbei, Manfred Cascade, in dem wir uns vor dem Mittagessen waschen können. Beim Essen im Dorf Hakahetau erkundigen wir uns wieder nach Mangos. Das bringt uns zu den im Wald gefundenen 3 Papayas, 6 Guaven, Chilischoten, Basilikum und der Kokosnuss noch 3 Pampelmusen, 4 Sternfrüchte, 2 Guaven und 15 Limetten. Aber keine Mangos...

Am nächsten Morgen läuft die Aranui, das zwischen Tahiti und den Marquesas verkehrende Fracht- und Kreuzfahrtschiff ein, und schon ist es mit dem beschaulichen Dasein im Dorf vorbei: Horden von Touristen vom Standardmodell A (Tropenkleidung über weißer oder sonnenverbrannter Haut, Spiegelreflexkamera vor dem Bauch) müssen das Beste aus der Hand voll Stunden machen, die das Schiff im Hafen liegt. Also stürmen sie die aus dem Nichts gestampften Souvenirstände, inspizieren die Supermärkte und die Kirche. Schließlich werden sie wieder in einem Restaurant zum Mittagsbuffet zusammengetrieben. Doch vor dem Essen gibt es eine kurze Tanzvorführung, und die lassen wir uns nicht entgehen.

Unserem Englisch scheint man immer noch das Österreichische anzumerken, denn während wir uns mit einem auf Ua Pou lebenden Australier unterhalten werden wir von zwei Kreuzfahrern als Landsleute erkannt. Wir fragen sie, ob sie bereits auf einem Atoll in den Tuamotus, unserem nächsten Ziel, waren:

"Ja, auf Fakarava."
"Und, wie war es?"
"Toll, super, wunderschön!"
"Wie lange wart ihr dort?"
"2 Stunden."
"..."

Nuku Hiva

Die 25 Seemeilen zwischen Ua Pou und Nuku Hiva nutzen wir und die zur gleichen Zeit aufgebrochene SY Ri Ri, um bei bestem Segelwetter Fotos vom jeweils anderen Boot zu machen.

Der erste Ankerplatz ist die hervorragend geschützte Bucht Hakatea, in amerikanischen Seglerkreisen bekannt als "Daniel's Bay", so genannt, da hier einmal jemand namens Daniel gewohnt hat. Jetzt wohnt niemand mehr hier. Mit dem Dinghie geht es in die Nachbarbucht, durch brechende Wellen in einen kleinen Fluss, dem wir zu Fuß einige Kilometer folgen, bis zum mit 350 Metern dritthöchsten Wasserfall der Welt. Klingt wesentlich spektakulärer, als es aussieht: Durch die engen Schluchten ist immer nur ein Teil des Wasserfalls zu erkennen, im Becken darunter schwimmend überhaupt nur die letzten 15 Meter. Dort ist es allerdings nicht ganz ungefährlich, da Regen und Ziegen für Steinschlag sorgen. Ob die von Unbekannten dort deponierten Baustellenhelme uns davor Schutz bieten? Wir wissen es nicht. Wenigstens sehen wir damit doof aus.

Der letzte Halt ist Taiohae, die größte "Stadt" der Marquesas. Gemeinsam mit der Crew der SY Anna X mieten wir ein Auto, um die Insel zu erkunden. Der Abwechslungsreichtum der Landschaft ist erstaunlich: Aus der mittlerweile zur Normalität gewordenen tropischen Vegetationszone geht es aufs Hochplateau, wo wir uns in die Voralpen versetzt vorkommen: Nadelbäume, Almwiesen, Kühe mit Kuhglocken, Bananenstauden. Weiter über den nächsten Pass in den Westen kommen wir in die Terre Desserte - Grand Canyon im Kleinformat. Schließlich geht es noch in den Nordosten, wieder tropisch grün, und gespickt mit archäologischen Stätten voller Pae Pae (Steinplattformen) und Tikis (Steinfiguren).

Schon lange angekündigt ist die lange Nacht der Musik von Taiohae. Leider beginnt sie erst einmal mit Karaoke. Darauf folgt eine Band mit guter Rockmusik. Eine Tanzgruppe zeigt dazu zwei polynesische Tänze mit moderner Choreographie. Leider verfällt die Band anschließend in einen Standardhochzeitskapellenoldiemodus, und wir ergreifen die Flucht.

So schön die Marquesas auch sind, wieder einmal sehnen wir uns nach blauem Wasser, Schnorcheln und Tauchen, daher wollen wir weitersegeln, in die Atolle der Tuamotus. Aber auch noch nicht so sehr, dass wir bei Starkwind, der nur wenige Tage anhalten soll, unbedingt raus müssen. Also warten wir noch ein wenig ab, dann holen wir die Anker aus dem Schlamm und setzen Kurs auf Kauehi.

Kommentare [+]

Klingt ja einfach wunderbar ...

Peter

als ob Sven Regener Berlin verlassen hätte (was er natürlich nie tun würde - ausser er fährt auf Tournee oder seine Mutter besuchen) und in der Südsee die ganzen ihm für dort versprochen Köstlichkeiten (Mangos) suchen würde - Helme am Wesserfall ;-)
Danke für die wunderbare Beschreibung !

lg
Peter

07.07.2011 14:49:49

Re: Klingt ja einfach wunderbar ...

Dave

Ein alter Mann
Steht unten am Meer
Und bewirft die Fische
Mit Brotfrucht vom vorigen Jahr
Und du wartest...
Kommt Zeit, kommt Rat
Kommt Obstsalat
Kommt Banane, kommt Melone
Doch Mangos sind leider gerade nicht da
Und du wartest...

08.07.2011 21:32:00