Niue

02.10.2011 - 08.10.2011

Captain Cook nannte sie "Savage Island", doch wir fühlen uns in Niue gleich willkommen (von Niu e - "Betrachte die Kokosnuss"), auch bekannt als "The Rock". Heute ist Niue ein "unabhängiger Staat, in freier Verbindung mit Neuseeland". Für uns bedeutet das, dass endlich wieder Englisch gesprochen wird und außerdem Linksverkehr herrscht.

Die Bucht vor dem Hauptort Alofi ist nur gegen Wind und Wellen aus östlicher Richtung geschützt. Deshalb haben wir schon Wochen zuvor das Wetter beobachtet und uns extra länger in Französisch Polynesien aufgehalten, um einige Sturmtiefs im Südmeer vorbeiziehen zu lassen. Es hat sich anscheinend gelohnt, da wir bei ruhigem Wetter an der vom Niue Yacht Club bereitgestellten Mooringboje kaum schaukeln.

Zum Einklarieren müssen wir mit dem Dinghie zum Dock kommen und dieses dort mit einem Kran herausheben, da es sonst von den Wellen am Pier zerstört würde. Die Einheimischen verfahren mit ihren Motorbooten nach Gebrauch genauso. Hat man erst herausgefunden, wie es geht, ist es ganz einfach.

Die Einreiseformalitäten sind dank der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Beamten rasch erledigt: Keine langen Strecken unter heißer Sonne sind zu bewältigen, der Zollbeamte kommt zum Dock, der Landwirtschaftsinspektor ebenfalls, und nachdem deren Formulare ausgefüllt sind werden wir zur Einwanderungsbehörde chauffiert - mehr Service geht kaum. Im Anschluß beantwortet uns Ira vom Yacht Club alle Fragen und schenkt uns Bananen einer Sorte, die wir bisher nicht gekannt haben.

Da Alofi sehr klein ist, ist auch alles andere schnell erledigt: Wir mieten uns zwei Fahrräder, wechseln Geld (es wird hier nur Bargeld genommen), besuchen die Geschäfte, und reservieren einen Tisch in Jenna's Cafe zum allwöchentlichen Abendbuffet mit lokalen Spezialitäten.

An Land

Die Insel ist ein ovaler, beinahe flacher Kalksteinblock, der aus dem Meer gehoben und von Wind und Welle bearbeitet wurde, dementsprechend zerklüftet ist die Landschaft. Mit den Fahrrädern begeben wir uns auf Inselerkundung. Morgens queren wir die Insel in der Mitte durch dichten Wald, der nur von Taroplantagen unterbrochen ist, dann geht es die Küste entlang zurück zur Hauptstadt, einmal über den Norden, tags darauf über den Süden.

Zahlreiche gut beschilderte "Sea Tracks" führen von der Straße hinunter zum Meer, und jeder ist irgendwie anders: Mal führen sie durch den Wald, mal durch Höhlen, mal kann man am Ende auf dem Riff kilometerweit spazieren gehen, mal findet sich eine Tropfsteinhöhle mit türkisblauem Swimmingpool, in dem kleine Fische zwischen kleinen Korallen herumschwimmen. Aber schön sind sie alle. An den beliebtesten Plätzen sind sogar sanitäre Anlagen mit Dusche und Trinkwasser installiert. Diesen Service schätzen wir als untrainierte, hitzegeplagte Fahrradfahrer besonders.

Wie jedes Paradies hat auch dieses seine Schattenseiten: Die Spuren des Wirbelsturms Heta, der 2004 Niue mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h und Wellenhöhen von 30 Metern heimgesucht hat, sind noch immer zu sehen: Häuser ohne Dächer, Fundamente ohne Häuser, Dörfer ohne Bewohner. Kurz nach der Katastrophe haben noch etwa 4000 Menschen auf der Insel gelebt, danach hat eine Auswanderungswelle begonnen. Heute hat Niue noch knapp über 1000 Einwohner.

Unter Wasser

Auch unter Wasser setzt sich die beeindruckende Landschaft fort, und das Wasser ist unglaublich klar: An der Mooring könnnen wir beim Schnorcheln den Meeresgrund unter uns sehen - in 35 Metern Tiefe! Einziger Wermutstropfen: Die Buckelwale sind schon weg. Von Juli bis Oktober sind sie rund um Niue anzutreffen, häufig schwimmen Mütter mit Kälbern rund um die an den Moorings hängenden Yachten. Doch dieses Jahr sind sie etwas früher als sonst weitergezogen.

Wir gehen mit dem einzigen örtlichen Dive Shop, Niue Dive, tauchen. Am ersten Tag führt uns Ian zunächst zu Ana Mahaga, einem Labyrinth aus Schluchten und Höhlen mit zahlreichen Ein- und Ausgängen. Für uns ist Höhlentauchen etwas Neues, und immer wieder müssen wir uns anhand der aufsteigenden Luftblasen vergewissern, wo oben und unten ist, denn den Fischen ist das ziemlich egal. Sie schwimmen so, als ob die Wand oder die Decke - was eben gerade näher ist - der Boden wäre.

Der zweite Tauchplatz nennt sich "The Dome". Nach erneutem Schwimmen durch enge Schluchten geht es in eine große, dunkle Höhle, etwa 30 Meter hinein in die Insel, dann tauchen wir langsam auf, und befinden uns im Dome, einer kuppelförmigen Tropfsteinhöhle, von Land nicht zugänglich. Zumindest für Menschen. An den Wänden hängen Ugas, riesige Kokoskrabben, die sich sonst in den ausgedehnten Wäldern der Insel herumtreiben.

Unser dritter Tauchgang, diesmal mit Annie als Guide und zwei weiteren Seglern, findet bei Tepa Point statt. Nicht so spektakulär wie am ersten Tag, Wände und Schluchten, aber anhand einer ausgedehnten Sandfläche bekommt man ein Gefühl für die unglaubliche Klarheit des Wassers - die Sichtweite beträgt mehr als 50 Meter.

In der Oberflächenpause sucht Annie die Küste nach Spinner Dolphins ab und findet tatsächlich eine Gruppe. Während sich jeweils zwei Schnorchler am Boot außen festhalten verfolgt Annie die Delphine und beschert uns so weitere unvergessliche Momente.

Zuletzt tauchen wir bei Snake Gully. Leider nicht zur richtigen Zeit im Monat, denn so finden sich hier nur genauso viele Seeschlangen wie bei allen anderen Tauchplätzen, also nur "zahlreiche" anstatt "abzählbar unendlich vieler" dieser äußerst niedlichen, giftigen und neugierigen Tiere. Dafür geht es wieder in eine Höhle, diesmal gefüllt mit Langusten.

Nach einer Woche sind leider hohe Wellen aus Westen angesagt, und so verlassen wir Niue. Schade, wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben.

Kommentare [+]

Winter

chrisu

Die Bilder sind super! Traumhaft schön. Das Beste Rezept gegn Winterdepression.

26.10.2011 12:00:49