Oh wie schön ist Panama! / Teil 1

12.08.2010 - 24.08.2010

"In einer halben Stunde sind wir da!" - mit diesen Worten werde ich von David geweckt. Müde schäle ich mich aus der Koje, denn die zweittägige Fahrt von den Islas del Rosario nach Panama hat uns mehr abverlangt als gedacht. Der Kampf gegen Strömung und Gewitterfronten mit böigem Wind hat die geschätzte Reisezeit von einem auf zwei Tage verdoppelt. Aber der Blick in die Umgebung lässt die Strapazen vergessen: Die Sonne ist gerade aufgegangen und beleuchtet tiefgrüne Berge, davor blaues Meer. Eine leichte Brise bringt den würzigen Duft des Regenwaldes und erste Schmetterlinge zu uns. Schön, wieder in Kuna Yala zu sein!

Obaldia

http://lh6.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTBTiBQpI/AAAAAAAAIns/_AkV2m_a9tM/s320/P1090829.jpg

Der Anker fällt in der schönen, aber leider ungeschützten Bucht vor Puerto Obaldia, dem östlichsten Ort Kuna Yalas. Hier kann man die Einreiseformalitäten erledigen, was aber nur etwa zwanzig Yachten jährlich machen. (Im Gegensatz zu Porvenir, dem westlichsten Ort Kuna Yalas, in dem zweihundert Yachten jährlich einreisen.) Bedeutung erhält Obaldia durch die Grenznähe zu Kolumbien. Ein großer Polizeistützpunkt ist hier angesiedelt, als Ausgangsbasis für Kontrollgänge durch die Berge. Wir werden beim Anlanden mit dem Dinghie auch sofort von einem als schwerbewaffneten Soldaten verkleideten Polizisten freundlich in Empfang genommen. Wir werden wir durch die Behörden geleitet, bis Stunden später (Mittagspausen sind nicht koordiniert) alle Formulare ausgefüllt sind und wir eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate in den Händen halten.

Beim Verlassen des Dorfes müssen wir uns an einem Kontrollpunkt ausweisen. Der nette Polizist spricht sogar Englisch und erlaubt uns an ihrem Wasserhahn unsere Trinkwasserkanister aufzufüllen, und um den Tag perfekt zu machen erstehen wir auch noch frisches Gemüse von einem kolumbianischen Versorgungsboot.

http://lh6.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTCk78uWI/AAAAAAAAIn4/yInim00WaAc/s320/P1090860.jpg

Bei der Rückkehr zum Steg kommen wir gerade rechtzeitig, um zwei Franzosen beim Ausladen ihres Autos aus einem kaum größeren Motorboot zu fotografieren. Die Ente tourt um die Welt, über alle Kontinente und Meere. In Obaldia hoffen sie auf ein größeres Boot, das sie nach Colon bringen kann. Wir zweifeln, drücken aber trotzdem die Daumen.

http://lh4.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTD7zto2I/AAAAAAAAIoE/oR2WpCAKhtE/s320/P1090937.jpg

Das hier nicht allzuoft Yachten ankommen merkt man an den Kindern, deren anfängliche Zurückhaltung schnell in große Neugier übergeht. Besonders ein paar Jungen, die mit ihrem Einbaum permanent kentern und dabei großen Spaß haben, bringen auch uns zum Lachen.

Puerto Perme

Knapp 9 Meilen westlich von Obaldia befindet sich eine sehr kleine aber ausgezeichnet geschützte Bucht, in die wir gerade eben bequem reinpassen. Das Panorama ist paradiesisch, weshalb wir erstmal am Boot bleiben und das Treiben der Kunas um uns herum beoachten. Am Ufer ist ein neues Dorf im Entstehen, für das die Männer Steine vom Riff holen. Währenddessen angeln kleine Kinder für das Abendessen.

http://lh3.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTFPLDoMI/AAAAAAAAIoQ/FtHydpVbrLc/s320/P1090983.jpg

Auch David versucht vom Boot aus zu angeln, allerdings fehlt das Training von Kindesbeinen an. Ein Fischer namens Andres schenkt uns Köder mit denen dann doch ein Fang gelingt. Andres und seine Familie lernen wir in den nächsten Tagen besser kennen. Leider müssen wir feststellen, dass es eher ein geschäftliches als ein freundschaftliches Verhältnis ist. Nach einigen Besuchen und Gegenbesuchen fühlen wir uns endgültig ausgenutzt und suchen das Weite.

http://lh6.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTGJG2BtI/AAAAAAAAIoc/IuXeVC9J6yw/s320/P1100020.jpg

Zuvor unternehmen wir noch eine Wanderung durch die Plantagen der Kuna, wo vor allem Bananenstauden und Kokospalmen wachsen, und den dahinterliegenden Regenwald nach Carreto, einem kleinen Dorf. Wir bleiben nicht lange, schließlich ist man hier sehr traditionsbewusst und fotografieren ist verboten.

Puerto Escoses

http://lh4.ggpht.com/_2qyimx_wYo8/TLtTHbonyZI/AAAAAAAAIoo/6g5Ie2e7dR4/s320/P1100089.jpg

Elf Seemeilen weiter liegt eine einsame Bucht, deren Name "Hafen der Schotten" bedeutet. Vom schottischen Fort, das für wenige Jahre als Basislager für eine grandios gescheiterte Serie von Expedition diente (2.800 Schotten fuhren hin, 800 Schotten fuhren zurück) ist nichts mehr zu sehen. Ab und zu kommt jemand vorbei, um nach seiner Plantage zu sehen, aber an sich leben wir hier einsam und verbringen sehr ruhige Tage und Vollmondnächte. Getrübt wird das Paradies durch die Tatsache, dass es (vielleicht) Krokodile gibt und wir uns daher nicht ins durch die Festlandnähe sehr trübe Wasser trauen. Also erkunden wir die Bucht vom Dinghy aus. Auch an den einsamsten Stränden, sofern sie zum Meer hin offen sind, finden wir Plastikmüll.

Irgendwann wird es uns doch zu einsam und wir beschließen, uns wieder unter Menschen zu begeben.

Kommentare [+]

endlich wieder

Bine

Hallo,

es ist schön, dass eure seite wieder online ist und wir an eurer reise wieder teilhaben (text und fotos) können

alles liebe
bine

18.10.2010 19:08:03