Oh wie schön ist Panama! / Teil 2

25.08.2010 - 03.09.2010

Mulatupu

Kinder in Mulatupu. Zu Besuch bei Familie Green, Mulatupu.

Hat man die spannende Einfahrt nach Mulatupu erfolgreich gemeistert wird man auch schon von Einheimischen begrüßt. Wir ankern direkt neben dem mit 2.000 Einwohnern zweitgrößten Dorf Kuna Yalas, das eigentlich zwei Dörfer ist, da sich die Einwohner zerworfen haben. Jetzt gibt es auf der Insel, die aus allen Nähten platzt, zwei Congresos (dem allabendlichen Versammlungshaus) und zwei Sahilas (Chefs). Einen Sohn eines der Chefs, Mr. Green, lernen wir gleich nach unserer Ankunft kennen. Er spricht etwas Englisch, wir etwas Spanisch, die Kommunikation funktioniert ausgezeichnet. Wir werden am Nachmittag in sein Haus eingeladen, wo gleich auch eine Einladung für den nächsten Tag, diesmal zum Abendessen, ausgesprochen wird. Dafür machen wir gerne Fotos von der Familie und drucken diese aus. Nebenbei werden unsere vorsorglich angelegten Vorräte an Zuckerln von der Dorfjugend arg dezimiert, die in ihren Einbäumen zu unserem Schiff kommt und "Pastilla!" fordert. Da dürften schon Segler vor uns gute Erziehungsarbeit geleistet haben...

In Mulatupu lernen wir wieder mehr über das Leben der Kuna, erleben, wie bei einem Todesfall getrauert wird, und wie ein Drogenhändler verhaftet wird.

Um uns etwas Bewegung zu verschaffen paddeln wir mit dem Dinghie den Lauf des Flusses Ibanedi hinauf. Anfangs von Mangroven, dann von Plantagen und schließlich von Wald gesäumt mäandert der Fluß durch die Gegend und ist dabei ziemlich hübsch.

Ibedi Tiwar, Mulatupu.

Mit schönen Erinnerungen beladen ziehen wir nach drei Tagen weiter.

Isla Pinos

Isla Pinos.

Gleich ums Eck von Mulatupu finden wir einen etwas einsamer gelegenen Ankerplatz vor der Isla Pinos, außerhalb der Reichweite von nach Zucker gierenden Kindern, dafür mit traumahften Stränden, dichtem Dschungel, und ein nettes kleines Dorf ist nicht all zu fern. Den Aufenthalt verlängern wir kurzerhand, als es endlich wieder regnet. Die Wassermassen sind uns sehr willkommen, wir duschen im Regen und bekommen seit langem wieder eine Süßwasserhaarwäsche. Außerdem werden die Wasservorräte aufgefüllt, die Waschzuber ebenso. Nach drei Waschgängen am nächsten Tag sieht Molimentum zwar aus wie ein schwimmender Wäscheständer, dafür ist sie innen wie außen um einiges sauberer geworden.

Am Tag unserer Abreise scheint die Sonne und eine leichte Brise weht uns um die Ohren. Wir setzen Segel, lichten den Anker und gleiten zwischen den Inseln und Riffen unserem nächsten Ziel entgegen.

Ustupu

Party! Party!

Wir erreichen die größte Siedlung Kuna Yalas (je nachdem, wen man fragt, leben hier zwischen 2.000 und 10.000 Menschen) gerade zu Beginn eines großen Festes zu Ehren von Nele Kantule, einem 1944 verstorbenen Anführeres, der maßgeblich zur Autonomie Kuna Yalas innerhalb Panamas beigetragen hat. Sein Grab befindet sich auf einer winzigen Insel direkt neben Ustupu. Das Fest dauert von 1. bis 3. September. Morgens um halb fünf, noch vor Sonnenaufgang geht es lautstark los, Gruppen von Trommlern marschieren durchs Dorf, aus den auf zahlreichen Häusern angebrachten Lautsprechern tönt etwas, dass wir aus Respekt und der Einfachheit halber "Musik" nennen wollen. Die Trommler trommeln eine Weile, dann gehen die Leute an die Vormittags-Arbeit, die "Musik" tönt weiter, bis etwa um vier. Dann zeigt sich auch, was es mit der "Musik" auf sich hat: Tanzgruppen, Männer und Frauen im gleichen Verhältnis, insgesamt um die zwölf, die Männer mit Panflöten vor dem Gesicht, die Frauen mit Rasseln in der Hand, zeigen ihre Fertigkeiten. Die Männer flöten (immerzu die selbe, monotone, schon aus den Lautsprechern bekannte Melodie), die Frauen rasseln (1-2-3-4), und alle zusammen hüpfen (links-links-rechts-rechts) mehr oder weniger komplizierte Figuren. Am ersten und zweiten Tag ist das ganze noch recht informell, am dritten schließlich wird eine Bühne dekoriert, die Tänzer sind kostümiert, zwischendurch gibt es Ansprachen und Gedichte aufsagende und Theater spielende Kinder. Außerdem gibt es ein Volleyballturnier für die Mädchen und ein Baskettballturnier für die Jungs. Abends ist das Programm aber zu Ende und wir beobachten die ungeschickten Versuche, Feuerwerksraketen abzuschießen, vom Boot aus, was gut ist, da die meisten Raketen brennend knapp neben uns ins Wasser stürzen.

Diwar Sugandi.

Bei Tagesanbruch schwärmen die Männer in Richtung Festland aus um ihre Plantagen zu bewirtschaften. Viele paddeln dazu einen der beiden Flüsse hinauf, die gegenüber von Ustupu münden. Das machen wir auch, allerdings etwas später. Zuerst besichtigen wir den Sugandi Tiwar, an dessen Ufern einige Friedhöfe liegen. Der Fluss ist malerisch mit ins Wasser hängenden Bäumen und zahlreichen bunten Vögeln. Der Aboudi Tiwar hat nicht ganz so viel Reiz.

Wir bekommen wieder viel Besuch, anscheinend verirren sich nicht viele Boote hierher, und auch im Dorf werden wir mehrmals angesprochen. Zum ersten mal treffen wir auf Kunas, die wissen, wo Österreich liegt. Und auf einen, der Sound of Music kennt.

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