Oh wie schön ist Panama! / Teil 3

04.09.2010 - 19.09.2010

Mono Island

Vor Mono Island.

Auf Spanisch nennt man sie Chitras, in englischsparchigen Seglerkreisen sind sie als No-See-Ums bekannt, kleine Mücken, die man nur bei gutem Licht und mit guten Augen erkennen kann, die durch jedes Moskitonetz schlüpfen, und deren juckende Bisse ungemein nerven. Diese gibt es in der Regenzeit in der Nähe von Mangroven, und daher auch bei Mono Island, im Überfluss, was uns den ansonsten wunderbar ruhigen Ankerplatz etwas verdirbt.

Die Einfahrt in die Ankerbucht wäre aber beinahe unangenehm geworden: Wir nähern uns der Insel. Die Sonne steht nicht ganz optimal, genau an steuerbord, 35° über dem Horizont. Rund um die Insel ist die Unterwasserlandschaft anhand der Wasserfarbe ganz gut zu erkennen: Türkis - Sand, nicht sehr tief; Braun - Korallen, dicht unter der Wasseroberfläche; Dunkelblau - tiefes Wasser, der Kanal, den wir durchfahren wollen, die Insel an backbord liegen lassend. Laut Karte gibt es noch ein vorgelagertes Riff, dass steuerbords bleiben soll. Der Navigator arbeitet konzentriert, benützt Augen und Karte, Peilkompass und GPS, trotzdem passiert es: Zum ersten (und bisher einzigen Mal) können wir ein Riff erst identifizieren, als Korallenköpfe plötzlich knapp neben dem Rumpf - auf beiden Seiten! - sichtbar werden und der Steuerfrau beim Blick auf das Echolot die Luft wegbleibt. Nervenaufreibende Sekunden im Schneckentempo. Aber es geht sich gerade eben aus, wir sind nur viel dichter als gewünscht an die Außenkante geraten, dass Riff bleibt ganz, der Lack auch. Später beschließen wir, das Riff mit Dinghie und Hand-GPS zu vermessen. Die Karte stimmt mit der Wirklichkeit überein. Noch später dämmert es - Stahlschiff...ein Handpeilkompass sollte nicht zu nahe am Stahl verwendet werden...

Snug Harbor

Yauala. Schnorcheln bei Ulardup.

Noch ruhiger als hinter Mono Island und mit weniger Chitras liegt es sich hier. Die Inselgruppe hat schöne Sandstrände zu bieten und liegt so nahe am Festland, das man das Bergpanorama genießen kann. Wir fahren mit dem Dinghie zu den zwei Meilen vorgelagerten Riffen, die erstklassiges Schnorcheln zu bieten haben, in einer Ecke begegnen wir gleich fünf Haien. Joaquim, der im nahegelegenen Dorf wohnt, versorgt uns mit Trinknüssen und Bananen und nimmt uns unseren Müll ab. Eigentlich wäre es hier ideal für einen längeren Aufenthalt. Doch auch hier werden uns die Chitras nach kurzem zu viel, und wir verlegen uns gleich mit dem Boot zu einer der vorgelagerten Inseln, nämlich Aridup. Zwar wird es bei Südwind etwas schaukelig, doch das ist uns lieber als noch mehr Insekten mit unserem Blut zu ernähren. Die, die sich mit uns das Mehl teilen, reichen doch.

Isla Tigre

Isla Tigre.

Auf dieser Insel spüren wir, wie sich die westliche Zivilisation langsam durchsetzt. Vor jeder Hütte, die alle traditionell gebaut sind, steht auf einer Stütze ein Solarpanel. Damit werden Radio und Fernseher betrieben. Auch an Touristen ist man hier gewöhnt, so werden wir beim Dorfrundgang mehrmals von alten Frauen erschreckt, die uns aus ihrem dunklen Hauseingang mit Molas oder Armbändern beladen anzulocken versuchen, Männer wollen uns Hasen verkaufen oder zu einem Restaurantbesuch überreden.

Vom Schiff aus sehen wir zum ersten mal ein Krokodil, dass in der Abenddämmerung zur Insel schwimmt und sich unter einem Steg versteckt.

Islas Puyadas

Hirnkoralle mit Weihnachtsbaumröhrenwurm, darüber ein Blaukopf-Junker. Pluma-Brasse, frisch aus dem Ofen.

Zwei Seemeilen nördlich von Isla Tigre ist das Paradies noch in Ordnung. Wir arbeiten fleißig an der Dezimierung der lokalen Brassen- und Snapperpopulation, hier kann man diese schmackhaften Fische direkt vom Achterdeck aus angeln. Die Unterwasserlandschaft ist großartig und der Grund sogar bei 11 m Tiefe klar zu erkennen. Große Korallenblöcke stehen auf Sand, dazwischen sieht man Barrakudas, Snapper, Kugelfische, ...

Unruhige, gewittrige Nächte und Tage mit Regenschauern wechseln sich mit sternenklaren Nächten und Tagen voll Sonnenschein ab. Trotz des sehr wechselhaften Wetters bleiben wir fast eine Woche, da wir wissen, dass es danach mit der Einsamkeit vorbei sein wird. Der von Yachten wenig besuchte Teil Kuna Yalas liegt nun hinter uns.

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