Oh wie schön ist Panama! / Teil 4

20.09.2010 - 18.10.2010

Nargana

Königsmakrele, roh.

Wir gehen Anker auf, fangen eine Königsmakrele, die uns die nächsten fünf Tage ernähren wird, und lassen den Anker kurze Zeit später wieder fallen, diesmal vor Nargana, einer Kunagemeinde, die sich von der traditionellen Lebensweise losgesagt hat. Schon von Islas Puyadas bot sich der ungewohnte Anblick von Straßenlaternen, die die ganze Nacht schienen. Bemerkenswert ist, dass wir zum ersten Mal übergewichtige Kunas sehen. Auch wird hier länger geschlafen und abends länger ferngesehen. Auf Solarpanele wird verzichtet, die Gemeinde hat gleich in einen großen, lauten Dieselgenerator investiert der Tag und Nacht läuft, und an jede Hütte Stromzähler montiert. Es gibt mehrere Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und eine offizielle Verkaufsstelle für Bier und Rum. Frederico liefert sauberen Diesel und Benzin ans Boot. Das kommt uns alles gelegen und wir decken uns ein.

Wanderung entlang der Rio Diablo Wasserleitung.

Zwei Wassertürme bilden das Ende einer kilometerlangen, sich durch den Dschungel windenden Wasserleitung. Wir fahren mit dem Dinghie den Rio Diablo stromaufwärts bis zu einem Punkt an dem die Leitung den Fluss quert und im Urwald verschwindet und folgen ihr zu Fuß. Nach drei Stunden Wanderung, mal auf schmalen Pfaden, mal direkt im Flussbett, gelangen wir zu einem kleinen Stausee, an dem die Leitung beginnt. Zwar sichten wir keine Krokodile, aber deren Spuren, und auch solche, die wie Fußabdrücke von Katzen aussehen. Nur wesentlich größer...

Dinghy-Tour in Fluss, dessen Namen wir nicht wissen.

Beim Befahren eines kleineren, im Mangrovendickicht südlich von Nargana verborgenen Flusses kommen wir endlich einem Krokodil auf wenige Meter nahe, ebenso tellergroßen Spinnen, kleinen Schildkröten, und zahlreichen verschiedenen Eidechsen, u.a. einem Basilisken, auch bekannt als Jesus-Christ-Lizard, da er trotz seiner beachtlichen Größe übers Wasser laufen kann.

Am Tag, an dem wir Nargana verlassen wollen, werden wir noch von der Crew eines der in letzter Zeit in Kuna Yala immer häufiger anzutreffenden "Sport"-fischerboote genervt. Nachdem sie es aus eigener Kraft geschafft haben, sich von der Untiefe zu befreien, auf die sie bei der deppensicheren Anfahrt von Nargana aufgelaufen waren, versuchen sie zunächst viel zu knapp direkt vor unserem Bug, und dazu auch noch im rechten Winkel zum Wind zu ankern. Nachdem wir ihnen erklärt haben, dass sie mehr Abstand halten sollen, da wir der Wassertiefe entsprechend 50 Meter Kette draussen haben und nicht mit Sicherheit sagen können, wie diese derzeit liegt, holen sie den Anker wieder hoch (zum Glück ohne unsere Kette) und ankern nur wenige Meter weiter, so dass sie nach einer leichten Winddrehung wieder direkt an unserem Bug liegen. Als wir schließlich Anker auf gehen bestätigt es sich - sie liegen direkt über unserer Kette. Egal, wir haben ein Stahlboot. Sie nicht...

Green Island

Schlechtwetter. Schach. Laute Franzosen. Sonst ganz nett hier. Sichtung eines Oktopusses.

Holandes Cays

Swimming Pool Anchorage.

Wie bereits im April ankern wir an einem Platz, der unter Seglern als Swimming Pool bekannt ist - 3 m Tiefe, türkisblaues Wasser, rundum geschützt von breiten Riffen und kleinen Inseln. Leider finden auf der von Seglern als BBQ Island bezeichneten Insel nicht mehr die früher allmontaglichen Barbecues statt. Trotzdem bleiben wir eine Weile, nutzen die kurzen Sonnenscheinphasen zum schnorcheln, fahren ansonsten zum Angeln vors Riff, fangen einen Big Eye Jack (geschmacklich mittelmäßig, bleibt aber beim Kochen fast so fest wie Huhn, gut z.B. in stark gewürzten Saucen, wie Curry oder Gulasch), der für drei Tage reicht, und einen Cero (eine Makrelenart mit sehr hellem, festen Fleisch) für ein Festmahl. Gleich zwei mal, als wir Pech haben und glauben, einen Tag vegetarisch verbringen zu müssen, bekommen wir Fisch geschenkt, einen Triggerfish (sehr gut, aber wegen der dicken, lederharten Haut ohne Winkelschleifer unglaublich schwer zu zerlegen) von jungen, im Eiltempo durchziehenden Franzosen, und einen Papageienfisch (weißes, etwas weiches, geschmacklich ein wenig an Garnelen erinnerndes Fleisch) von Floortje und Jelle von der SY Libis.

Einen Tag und eine Nacht verbringen wir noch in der Los Bajos Lagune der Central Holandes Cays, die man durch eine enge, seichte Riffpassage erreicht. Wir wollen eigentlich gleich am nächsten Morgen wieder weiterfahren, doch ein vorbeiziehendes Wolkenband mit einzelnen Gewittern macht uns einen Strich durch die Rechnung. Ohne gutes Licht sind die Riffe nicht zu erkennen, und ein blindes Vertrauen auf GPS in derartigen Gewässern hat schon so manchen das Boot gekostet, wie z.B. den (ehemaligen) Besitzer derjenigen Halberg Rassey 46, deren Rumpf auf einem Riff 3 Meilen weiter westlich darauf wartet, endgültig von den Wellen zerlegt zu werden. Also verschieben wir die Ausfahrt, bis kurz vor Mittag die Wolkendecke etwas aufreißt und die Sonne das Navigieren auf Sicht ermöglicht.

West Lemmon Cays

Weiter geht es.

Schließlich erreichen wir zum dritten Mal (im April und August waren wir bereits hier) den aktuell angesagtesten Treffpunkt der lokalen Cruiser-Szene. Um die 20 Yachten liegen hier vor Anker und nutzen die Annehmlichkeiten der Isla Elefante: Volleyballplatz, Bar mit kaltem Bier, Internet per Satellit und Flachbildfernseher für die Filmabende. Den Pokerabend haben wir verpasst, dafür nimmt David am Schachturnier auf Henrys SY Ashanty teil. Stefans Katze Flecky (SY Sawadi) wird natürlich auch wieder gestreichelt. Ein großer Kontrast zur Einsamkeit im Osten Kuna Yalas.

Großes Thema in der allmorgendlichen Funkrunde (Panama Connection Net, 8107 USB @ 1330Z) ist die eben beschlossene Prohibition in Kuna Yala. Schreckensmeldungen aus Nargana treffen ein: Das Bierlager, in dem wir uns nur ein paar Wochen zuvor eingedeckt haben, ist leer. Doch in den West Lemmons ist es noch nicht so schlimm, an der Bar gibt es weiterhin Bier um USD 1,50 (im April war es noch 1,00), und das alle paar Wochen vorbeikommende Gemüseboot verkauft nun auch Paletten um 15 Dollar.

Abschied

Puerto Perme.

Dieser Ankerplatz ist der Letzte, den wir in Kuna Yala besuchen. Wir nehmen Abschied von einer einmaligen Region mit dem Gefühl, vorerst genug gesehen zu haben, aber auch mit dem Wissen, dass, falls wir irgendwann wieder hierherkommen sollten, es nicht mehr so sein wird wie jetzt. Die traditionelle, für uns manchmal fast steinzeitlich anmutende Lebensweise der Kuna geht direkt in Profitdenken über. Dass das nicht problemlos abläuft liegt auf der Hand. Der Machtkampf zwischen den konservativen Kunas, die ihre Gemeinden vom westlichen Einfluss abschotten wollen (siehe Prohibition...), und den liberaleren dürfte hart sein (siehe Prohibition). Für uns scheint das Rennen auf längere Sicht aber entschieden - Kuna Yala wird sich immer weiter "verwestlichen", mit allen guten und schlechten Folgen.

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