Panamakanal

12.12.2010 - 13.12.2010

Ja, wir sind Weicheier. Warmduscher (im äußerst seltenen Fall, dass es irgendwo Duschen mit Warmwasser gibt). Kap-Hoorn-Verweigerer. Panamakanalfahrer.

Vorbereitung

Die Crew: Christie, David, Sonja, Olga, Jany.

Wir bereiten uns auf die Kanaldurchfahrt vor. Die Sewasserpumpe des Motors bekommt neue Wellendichtungen, da die Bilge wegen einer defekten seit ein paar Tagen mit Kühlwasser vollläuft. Wir schnallen den Windgenerator fest und polstern das Solarpanel ab, damit die in den Schleusen durch die Luft geworfenen Leinen keinen Schaden anrichten können.

Die vorgeschriebenen Festmacherleinen (4 x 40 m, Durchmesser mindestens 2.25 cm) mieten wir von Tito, einem Agenten, ebenso fünf Reifen als Zusatzfender. Drei weitere Reifen bekommen wir von einer Yacht, die gerade aus dem Pazifik angekommen ist. Weiters ist vorgeschrieben, dass die Crew aus mindestens fünf Mitgliedern besteht: Eine Person am Steuer, vier Personen, die sogenannten Linehandler, um die Festmacher während des Schleusens zu bedienen. Linehandler kann man auch mieten, wir finden aber drei Segler, die für Kost und Logis und der Erfahrung wegen mitfahren: Jany, Christie und Olga.

Aus dem ursprünglichen Freitagstermin wird, trotz zusage am Donnerstag Abend, dann doch nichts. Es befinde sich vom Hochwasser noch zu viel Treibgut im Kanal, so dass kleine Schiffe frühestens am Sonntag drankommen.

Erster Tag

Es geht aufwärts.

Am Sonntag morgen erhalten wir den endgültigen Termin: Um 15:00 haben wir im Hafen von Christobal auf Ankerplatz F, "The Flats" genannt, zu sein, um den von der Kanalbehörde gestellte Advisor (Lotse-für-Arme) an Bord zu nehmen, denn ohne darf man nicht durch den Kanal. Punkt 15:40 kommt der Advisor, Enrique, wir rasen auf die atlantikseitigen Gatun-Schleusen los, und kommen zu spät zu unserem Schleusentermin. Also drehen wir Runden, bis ein Frachtschiff kommt, dass klein genug ist, damit hinter ihm in der Schleuse noch Platz genug für uns ist.

Olga und Christie, dazwischen unser Advisor. Das Tor schließt sich hinter uns.

In der Hochsaison werden manchmal sechs Yachten, in zwei Dreier-Päckchen zusammengeschnürt, gleichzeitig hinter einem Frachtschiff geschleust. Wir sind alleine, also hat jeder unserer Linehandler alle Hände voll zu tun. In der ersten Schleuse angekommen werden uns Pilotleinen zugeworfen, an die wir die Festmacher knoten, welche hochgezogen und auf Pollern belegt werden. Das Schleusentor schließt sich, das Wasser beginnt unter heftigen Turbulenzen einzuströmen, und wir steigen. Die Linehandler müssen die Festmacher ständig anholen, um das Boot zentriert zu halten. Wenn das Wasser fertig eingeströmt ist öffnen sich die vorderen Schleusentore, und das vor uns liegende Frachtschiff fährt in die nächste Kammer, mit seinen Propellern gefährliche Wirbel erzeugend. Sobald sich das Wasser etwas beruhigt hat fahren auch wir weiter, und das ganze Spiel geht von vorne los, in den Gatun-Schluesen insgesamt drei mal. Nur in der zweiten Schleuse wird es kurz kritisch: Wir lösen unsere Festmacher zu früh und schon drückt uns eine Turbulenz zur Seite. Erst als alle Leinen an Bord geholt sind, kann die Steuerfrau Gas geben und das Boot wieder unter Kontrolle bringen, die Mauer wird nicht von uns beschädigt.

Vier Stunden später erreichen wir den Gatunsee, in dem wir uns für die Nacht an einer Boje festbinden. Der Advisor geht von Bord, und wir können uns ausruhen. Bis 06:00 am nächsten Morgen, denn dann soll es weiter gehen.

Zweiter Tag

Tag 2: Es regnet im Gatun-See.

Um 07:10 kommt das Lotsenboot mit dem Advisor, einem anderen als am Vortag, namens Ahmet, und wir fahren los. Es geht, teilweise im Regen, durch den Gatunsee, vorbei an Gamboa und durch den Culebra Cut zur einstufigen Pedro-Miguel-Schleuse. Die Fahrt dauert etwa fünf Stunden und ist ziemlich unspektakulär.

Pedro-Miguel-Schleuse.

Diesmal wird ein großes Frachtschiff von sechs Mules, den Zugmaschinen, hinter uns in die Schleusenkammer manövriert. Das dauert. Und irgendwann beginnt, ohne irgendein Signal, der Wasserspiegel erstaunlich schnell abzusinken. Die Linehandler müssen jetzt nur möglichst koordiniert Leine nachgeben um das Boot zentriert zu halten. Sobald das Wasser nicht mehr absinkt öffnen sich die Tore, wir lösen unsere Festmacher und fahren - diesmal ohne Turbulenzen - aus der Kammer.

Bahn frei in den Pazifik!

Nach der Durchquerung des kleinen Miraflores-Sees warten noch die zwei Stufen der Miraflores-Schleusen. Das letzte Tor öffnet sich, und wir befinden uns in einem neuen Ozean. Fast. Denn immer noch sind etwa fünf Meilen bis zur offenen See zu fahren. Kurz vor der Amerika-Brücke (Puente de Las Americas) verlässt uns der Advisor, wir fahren weiter zum Ankerplatz Las Brisas hinter dem Amador-Wellenbrecher, und legen uns zwischen die dutzenden anderen dort ankernden Yachten.

Da es schon später Nachmittag und das Wetter nass und windig ist, beschließen unsere Gäste noch eine Nacht zu bleiben. Wir freuen uns über französisches Omelette, nette Gesellschaft und darüber, bei dem Wetter nicht mehr das Dinghy aufblasen zu müssen.

Fazit

Kanal nicht beschädigt. Boot nicht beschädigt. Alles gut. Yeah.

Literatur

Kommentare [+]

Noch keine Kommentare.