Rio Chagres

20.11.2010 - 30.11.2010

Nach 4 1/2 Wochen Aufenthalt verlassen wir Portobelo. Der Anker lässt sich nur mit viel Gewalt aus dem Schlamm ziehen, und der Teil der Kette, der nicht vergraben war, ist wieder einmal zur Muschelzucht geworden. Aber der Bewuchs am Rumpf und vor allem am Propeller dürfte nicht all zu schlimm sein, wir kommen, zunächst unter Motor, und dann, als Wind aufkommt unter Segeln, gut voran.

Einfahrt zum Rio Chagres. Links ist Fort San Lorenzo zu sehen, rechts ist das Lajas Riff nicht zu sehen.

Es geht nach Westen, vorbei an Colon und der Einfahrt zum Panamakanal, quer durchs Ankerfeld der Großschiffe. Danach biegen wir links Richtung Urwald ab, passieren unbeschadet die Meerenge zwischen Scylla und Charybdis Fort San Lorenzo und dem Lajas Riff, und sind in einer anderen Welt: keine Wellen, kein Wind, keine Schiffe, nur Affen, Krokodile, Einhörner, Vögel, Schmetterlinge und jede Menge Bäume.

Krokodil.

Zunächst ankern wir zwei Meilen stromaufwärts nach der ersten Flussbiegung. Der Versuch der Erstürmung von Fort San Lorenzo schlägt leider fehl: Am Dock, von dem aus man die Wanderung zum Fort aus starten kann, treffen sich hoher vom Meer kommender Schwell und Strömung des Flusses, wodurch wir nicht anlanden können.

Es geht weiter flussaufwärts. Mantelbrüllaffe.

Nach ein paar sehr einsamen und erholsamen Tagen fahren wir den Fluss weitere fünf Meilen hinauf, bis fast zum Damm, hinter dem der Gatunsee liegt, und ankern in einem kleinen Nebenarm ohne Strömung. Die atlantikseitigen Schleusen des Panamakanals, die Gatun Locks, und der Gatun-Damm sind von dort aus zu Fuß schnell erreicht. Auch durch den Dschungel kann man hier wandern und Horden von Affen dabei beobachten, wie sie das tun, was Horden von Affen eben tun. Wenn es unter Tags heiß wird lädt das kühle Süßwasser des Flusses zum Baden ein. Doch wir lassen das lieber, denn mehrere Krokodile drehen täglich ihre Runden um unser Boot.

Alarm! Alarm! Alarm!

Gatun-Damm, leicht geöffnet.

Es ist kurz vor Mitternacht, als wir unsanft aus dem Schlaf gerissen werden. Am Ufer, wenige dutzend Meter entfernt, heult eine Sirene, minutenlang. Binnen Sekunden stehen wir an Deck, zwei Zombie-Schlafwandlern mit Herzkammerflimmern zum Verwechseln ähnlich. Wir können uns denken, was das bedeutet: Es ist zu viel Wasser im Gatunsee, sie werden die Tore des Damms öffnen, um es abzulassen. In den Fluss. Bange Minuten folgen. Hoffentlich wird es nicht zu heftig. Hoffentlich hält der Anker. Hoffentlich springt der Motor an, falls wir ihn brauchen. Das ferne Rauschen wird eine Spur lauter. Im Licht des nicht mehr ganz vollen Mondes sehen wir, wie die Stromschnellen im Hauptarm des Flusses größer werden. Das Schiff beginnt, sich langsam hin und her zu drehen. Das war es. Wir können in Ruhe weiterschlafen.

Kein Alarm

Wir ankern zwecks Tapatenwechsel wieder weiter stromabwärts, taktisch klug in der Nähe dreier Seitenarme, die wir mit dem Dinghy paddelnd erkunden. Als besonderes Highlight können wir einen Tamandua, eine Ameisenbärart, beobachten. Dieser sieht zwar sehr kuschelig aus, hat aber am Hintern Drüsen, die stinkendes Sekret absondern. Er ist daher Einzelgänger. Außerdem nutzen die Mantelbrüllaffen frühmorgens das gute Echo, grüne Papageien und Tukane lassen sich sehen, und die Krokoldile sind auch hier zahlreich.

Nachdem es einige Tage ausgiebig geschüttet hat und wir gerade bei einer Partie Schach sitzen, wird es draußen plötzlich laut. Ohne weitere Vorwarnung wurde noch ein Tor im Damm geöffnet. Das Boot fängt an, von Ufer zu Ufer zu schwoien und sich im Kreis zu drehen, unter Deck klingt es, wie wenn wir unterwegs sind, denn statt mit 1/2 - 1 Knoten fließt der Fluss plötzlich mit 4 - 5, dazu gibt es heftige Turbulenzen. Das bringt auch mehr Treibgut mit sich - Äste, Baumstämme, ein aufgedunsenes, kopfloses Krokodil (sieht aus wie ein kaputtes Schlauchboot), ein kaputtes Schlauchboot (sieht aus wie ein totes Krokodil), und noch viel mehr Äste und Baumstämme.

Nach einem Tag ist der Spuk wieder vorbei, und wir können in aller Ruhe Anker auf gehen und unser nächstes Ziel ansteuern. Auf zum Panama-Kanal!

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