Sao Vicente und Santo Antao

13.01.2010 - 20.01.2010
Hafen von Mindelo / Sao Vicente.

Auf den Kap Verden angekommen legen wir uns in die neue, teure Marina von Mindelo auf Sao Vicente, denn wir brauchen erst einmal Strom. Wie bereits geschrieben trauen wir unseren Batterien nicht mehr, und längere Tests ergeben schließlich, dass wir nicht einmal mehr 20 % der ursprünglichen Gesamtkapazität entnehmen können, bevor die Spannung zusammenbricht. Bis zu den Kanaren hatten wir keine derartigen Probleme. Wir hätten es zwar damit über den Atlantik geschafft, aber uns dann entweder bei Beleuchtung, Funk und GPS zurückhalten oder immer in der zweiten Nachthälfte den Motor zum Nachladen einschalten müssen. Außerdem wären wir in der Karibik mit warmem Bier angekommen. Das wollen wir alles nicht, also müssen neue Batterien her.

Bei einem Autohändler bekommen wir schließlich auch welche zu einem akzeptablen Preis und, besonders wichtig, in der passenden Größe. Dank der Unterstützung von Holger von der SY Panthera ist auch das an Bord bringen der neuen und von Bord bringen der alten, nicht gerade leichten Batterien flott erledigt. Die Entsorgung der alten gestaltet sich äußerst einfach: einheimische Angestellte der Marina fragen uns gleich, ob wir sie noch brauchen würden, und schon gehören sie ihnen. Die in den Batterien enthaltenen Bleiplatten sind hier recht beliebt und werden wiederverwertet. Auch mit einem alten, stinkenden Wasserkanister, der uns bis jetzt nur Platz weggenommen hat, kommen wir nicht bis zum Müllcontainer. Freudig wird dieser gleich von einem am Marinaausgang Wartenden entgegengenommen.

Einige weitere Wartungs-, Pflege- und kleinere Reparaturarbeiten erledigen wir auch, doch haben wir auf den Kap Verden nicht, wie einige andere Boote, nur zum Reparieren und Volltanken Halt gemacht.

Mindelo

Mindelo / Sao Vicente. Mindelo / Sao Vicente.

Die Stadt hat ihre Blütezeit, als der große Naturhafen noch von Frachtern als Zwischenstation auf ihrer Atlantikpassage genutzt wurde, laut Reiseführer hinter sich. Die riesige Ankerbucht ist dennoch von Seglern und zahlreichen Großschiffen gut besucht, und auch in der Stadt ist einiges los. Sehr häufig wird man von Einheimischen angelächelt, gegrüßt und angesprochen, und nur in wenigen Fällen ist es ein Verkäufer oder jemand, der einem Dienstleistungen wie Wäsche waschen oder Boot putzen anbietet. Zahlreiche Geschäfte, ein Fisch- und ein Gemüsemarkt sowie viele am Straßenrand sitzende Händlerinnen decken die täglichen Bedürfnisse, allerdings zu europäischen Preisen. Wir bekommen alles was wir brauchen, außer einer handbetriebenen Kaffeemühle (es werden nur elektrische angeboten) um den lokal angebauten Kaffe, der zu den besten der Welt zählen soll, frisch gemahlen genießen zu können.

Nun haben wir außerdem die Europäische Union wirklich verlassen: Zum ersten Mal auf unserer Reise tauschen wir Euros gegen andere Scheine - Kap Verdische Escudos. An Architektur, Sprache und Bier (neben einheimischem Strela wird hauptsächlich Super Bock ausgeschenkt) merkt man aber noch den Einfluss Portugals, dessen Kolonie die Kap Verden einst waren.

Ausflug nach Santo Antao

Aluguer auf Santo Antao. Ribeira do Paul / Santo Antao.

Wir lassen das Boot in der bewachten Marina und fahren mit der Fähre nach Porto Novo auf der nordwestlich von Sao Vicenete gelegenen Insel Santo Antao. Für den Hinweg nehmen wir die kleine, billigere Passagierfähre, für den Rückweg am Abend steht leider nur die teurere Autofähre zur Verfügung. Die Fahrt über die Meerenge zwischen den Inseln, durch welche der Nordostpassat bläst, ist selbst auf den Fähren eine sehr schaukelige und nasse Angelegenheit. Vor dem Losfahren werden Speibsackerl verteilt, von denen auch zahlreiche Kap Verdianer gebrauch machen.

In Porto Novo angekommen nehmen wir einen Aluguer nach Cova do Paúl. Aluguers, manchmal Pritschenwagen mit selbst zusammengezimmerten Sitzbänken auf der Ladefläche, manchmal Minibusse, sind die bevorzugte Art, um auf den Inseln Überlandstrecken zurückzulegen. Die Preise für die einzelnen Fahrtstrecken sind reglementiert und betragen etwa ein Zehntel dessen, was normale Taxis verlangen. Lediglich mehr Geduld ist beim Fahren mit Aluguers notwendig, da diese erstens auf mehrere Passagiere warten und zweitens neben Menschen noch andere Güter transportieren. In Porto Novo kommen wir so zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt, da der Fahrer noch ein paar Gespräche führt, tankt und diverses abholt und ausliefert.

Im Süden ist Sao Vicente knochentrocken, doch das ändert sich, sobald man die Berge nach Norden überquert. Von Cova do Paúl aus, einem Vulkankrater, in dem jetzt Landwirtschaft betrieben wird, folgen wir einem zunächst steilen Fußweg, der bald in eine Straße übergeht, durch das Ribeira do Paúl, in dem sich kleine Bäche durch Zuckerrohr- und Bananenplantagen auf in die Hänge geschlagenen Terassen winden. Wir sind von der üppigen Vegetation, den freundlichen Menschen und den steilen, zerklüfteten Berghängen begeistert.

Mit weiteren Aluguers geht es über Paúl nach Ponto do Sol, das den Hafen mit der wohl gefährlichsten Einfahrt, die wir bisher gesehen haben, hat. Schließlich fahren wir über Ribeira Grande zurück nach Porto Novo, wo wir die Fähre zurück nach Mindelo nehmen.

Im Zirkus

Zirkus im Club Nautico in Mindelo / Sao Vicente.

Wie schon so häufig auf den Kanaren werden wir auch hier von jungen Anhaltern angesprochen, diesmal suchen die beiden Italiener Marco und Luca eine Mitfahrgelegenheit nach Brasilien. Ausserdem laden sie alle Segler zu ihrer Zirkus-Show am Abend im Club Nautico ein. Obwohl es danach klingt ist der Club Nautico nicht die Bar in der nobel und teuer aussehnden Anlage neben der Marina, sondern ein Lokal mit Bahnhofsrestaurantcharakter, wo sich auch Segler mit kleinerem Budget einen Abend leisten können und dies auch tun. Die Show der beiden Italiener, als Vorprogramm zu der jeden Abend spielenden Live-Band, begeistert alt und jung, vor der Live-Band flüchten jedoch einige wieder.

Hier lernen wir auch die beiden Hamburger Brüder Klaas und Jan von der SY Zest , die wir bereits in La Coruna kurz gesehen hatten, bei ein paar Bieren besser kennen. Sie sind mit ihrem Boot auf der Nordatlantikrunde unterwegs, auf der Suche nach den besten Kite-Spots, was die Fotos in ihrem Blog eindrucksvoll zeigen.

Links

SY Zest (Klaas & Jan)

Literatur

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