Teneriffa

17.12.2009 - 25.12.2009
Marina Santa Cruz.

Die Marina von Santa Cruz ist an sich eine Frechheit: Schmutzig, laut, keine Seife am Klo, kein Warmwasser in den Duschen, kein WiFi, nicht versperrte Stege. Über all das könnte man bei der günstigen Lage hinweg sehen, doch bei dem Preis, den sie hier pro Tag verlangen, wirkt es, als ob sie in dem Yachthafen keine Yachten wünschen. Der Hafen ist auch einer der wenigen, der die spanische "Leuchtfeuersteuer" einhebt, die wir zum Glück nicht bezahlen mussten, nachdem wir die Hafenrechnung aus Las Palmas auf Gran Canaria vorlegen konnten (Auch wenn wir dort die Steuer ebenfalls nicht bezahlt hatten. Da soll sich wer auskennen...). Auch ist die Stimmung in der Marina seltsam, kaum jemand grüßt einen beim Vorbeigehen, man lebt irgendwie nur nebeneinander.

Wie viele Häfen der Kanaren ist Santa Cruz zwar gegen die vorherrschenden Nordostwinde ausgezeichnet geschützt, doch wenn einmal längere Zeit kräftiger Wind aus Südwest bläst (was laut Ortskundigen nie, nie, nie vorkommt), dann wird es im Hafenbecken sehr unruhig und laut, und man hofft, dass der in den Wellen ächzende und quietschende Schwimmsteg sich nicht losreißt, womit angeblich zu rechnen ist. Sämtliche Boote werden durch die Wellen stark bewegt wodurch sie dann an ihren Festmachern zerren und die Fender zwischen Rumpf und Steg gequetscht werden, was an Nerven und Lack zehrt. Unter Deck könnte man dann schon seekrank werden. Nachdem unserem Nachbarn ein Festmacher gebrochen war zogen wir dann alle Register, verdoppelten die ausgebrachten Leinen und bauten ruckdämpfende Federn ein.

Aber, wie schon gesagt, die günstige Lage: Man ist in wenigen Minuten zu Fuß mitten im Zentrum der lebendigen Stadt oder beim Busbahnhof, von wo aus man zu erträglichen Preisen einen Großteil der Insel erreichen kann. Und hier gibt es sogar, im Gegensatz zu Gran Canaria, überall Karten der Insel, auf denen die Buslinien inklusive Fahrzeiten eingezeichnet sind. Mit dem Bus besichtigten wir dann auch die Insel, wobei uns La Orotava am besten gefallen hat. Die Stadt liegt knapp über dem beliebten Puerto de la Cruz, dessen Charme von den in Massen auftretenden Urlaubern leider stark geschmälert wird.

Parque Rural de Anaga. Der verzauberte Wald im Parque Rural de Anaga.

Einen Tag erkundeten wir mit einem Mietwagen den Rural Parque Anaga im Nordosten der Insel. Die Gegend ist wegen ihrer Steilheit weder besiedelt noch landwirtschaftlich genutzt worden, wodurch sie fast unberührt geblieben ist und nun mit landschaftlicher Schönheit den Besucher begeistert. Uns führte ein vierstündiger Rundwanderweg vom auf 800 m gelegenen Dorf Chamorga vorbei am Leuchtturm Anaga bis zu einer am Meer gelegenen, aus drei Häusern und einer Kirche bestehenden Siedlung, die nur zu Fuß oder per Boot erreichbar ist. Eine weitere 3-Stunden-Runde durch den kühlen und feuchten "verzauberten Wald" (dichter, von Moos überzogener Lorbeerwald) schafften wir in knapp unter 2 Stunden. Und da wir schon ein Auto hatten wurde am Abend noch haufenweise haltbarer Proviant gebunkert, denn davon kann man an Bord nie genug haben.

Wie schon oben geschrieben, bei Südwind wird es in den meisten kanarischen Häfen ungemütlich, und da unser nächster Zielhafen, San Sebastián auf La Gomera, noch schlechteren Schutz bietet und zudem mit Platzproblemen zu kämpfen hat, blieben wir wieder einmal ein paar Tage länger als ursprünglich geplant. Wie wir später erfuhren war das auch eine gute Entscheidung, denn von einem Anruf in der Marina von La Gomera wussten wir, dass wir nur einen Platz am Wartesteg bekommen hätten, und dort, erzählten uns andere Segler, hatten Boote so stark geschaukelt, dass Mäste gegeneinander gekracht waren.

So konnten wir uns immerhin Santa Cruz weiter erforschen und die weihnachtliche Stimmung geniessen, die sich unter anderem in täglichen Livekonzerten im Zentrum ausdrückte. Im Einkaufsviertel etwas ausserhalb besuchten wir den Baumarkt "Leroy Marlin", welcher nun auf unserer Hitliste ganz oben steht. Sogar das lange gesuchte Moskitonetz bekamen wir dort, ebenso eine Plane für Sonnen- und Regenschutz. Auch genug Zeit für unsere persönlichen Weihnachtseinkäufe blieb - wir beschenkten uns, beziehungsweise Molimentum, mit einem neuen Radio mit USB-Anschluss sowie einer Nähmaschine. Nur auf den Teide, den mit 3.718 Metern höchsten Berg der Kanarischen Inseln, schafften wir es wegen zu schlechtem Wetter leider nicht.

Als uns die Windprognose dann endlich passte sammelten wir die Reste unserer Festmacher am späten Nachmittag des 25.12. ein und fuhren Richtung La Gomera.

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Fotos

Michael

Wie immer tolle Fotos - welche Kamera nimmt man eigentlich mit auf eine Weltreise?

Und nachträglich natürlich frohe Weihnachten und heute einen guten Rutsch!

31.12.2009 09:27:06

Re: Fotos

Sonja & David

> Wie immer tolle Fotos - welche Kamera nimmt man eigentlich mit auf eine Weltreise?<br />><br />> Und nachträglich natürlich frohe Weihnachten und heute einen guten Rutsch!<br /><br />Danke für die Wünsche und das Lob. Die Fotos sind alle mit einer Kompaktkamera, einer <a href="http://www.panasonic.de/html/de_DE/Produkte/Lumix+Digitalkameras/Kompakt+Super+Zoom/DMC-TZ5/%C3%9Cbersicht/411776/index.html">Panasonic DMC-TZ5 <img class="inline" src="/Content/images/external_link_icon.gif" /></a> entstanden. Der für uns wichtigste Vorteil gegenüber einer SLR ist, dass sie in die Hosentasche passt und so immer dabei, binnen Sekunden einsatzbereit und wieder weggepackt ist, und für die Darstellung am Bildschirm ist die Qualität ausreichend.<br /><br />An Zusatzausstattung haben wir neben zahlreichen Ersatzakkus ein Unterwassergehäuse, für Tauchgänge und schlechteres Wetter, so etwas hat sich bereits in früheren Urlaubstörns bewährt.

01.01.2010 23:21:00