Tonga

11.10.2011 - 10.11.2011

Vava'u

Neiafu.

Die zweitnördlichste der vier Inselgruppen, die zusammen das Königreich Tonga ergeben, heißt Vava'u. Das erste, das uns auffällt, als wir zwischen den Inselchen in Richtung Hauptort segeln, ist, dass die Seekarten nicht stimmen, die Realiät ist etwa 300 Meter nach SE verschoben (Oder wars NW? Haben gerade die Logfiles nicht zur Hand...). Macht aber nichts, denn die Landschaft erinnert an Teile Kroatiens, mit steil abfallenden Wänden und tiefem Wasser zwischen den Inseln. Im letzten Tageslicht, geleitet von Blinksignalen von der SY Andori, die uns vergeblich Port Control rufen gehört hat, fahren wir dem Dinghie der SY Fortytwo entgegen, in dem Carsten und Mercedes sitzen und uns beim Anlegen an einer freien Mooringboje assistieren - so viel Service ist man gar nicht gewohnt. Doch dies sind nicht die einzigen alten Bekannten, hier treffen wir fast jede Yacht, die uns schon früher im Pazifik irgendwo begegnet ist, auch, wenn wir sie uns schon vor Monaten abgehängt haben. Manche wollen hier die südpazifische Wirbelsturmsaison abwarten, denn der Hafen ist vor Seegang exzellent geschützt. Andere warten auf das passende Wetterfenster, um nach Neuseeland weiterzufahren - doch dazu das Nächste Mal mehr.

Tonga, das einzige Königreich Polynesiens, ist offiziell nie von einer fremden Macht kolonisiert worden, allerdings haben diverse Kirchen christlicher Geschmacksrichtung massiven Einfluss auf die politische Entwicklung gehabt, was sich sowohl in Gebräuchen als auch in Gesetzen wiederspiegelt. Sonntags ist das Arbeiten verboten, ebenso Fischen, Boot fahren, und sogar Sport. Zum Glück gilt dies nicht in vollem Maß für Palangi (Ausländer), so dass wir auch Sonntags mit unserem Dinghie an Land fahren und uns ein Bier servieren lassen können. Die Kleidung der Menschen ist deutlich konservativer als anderswo im Südpazifik, die traditionellen geflochtenen Matten, die sich sowohl Frauen als auch Männer bei besonderen Anlässen umbinden wirken an den traditionell sehr üppigen Körpern weder bequem noch sexy.

Tauchgang bei Split Rock.

Zuerst einmal decken wir uns auf dem tollen lokalen Markt mit frischem Obst und Gemüse und im Zollfreiladen mit Bier (leider gibt es nur Heineken zollfrei) ein, dann gehen wir Tauchen. "Rose Garden" hat viele verschiedene Korallen, die dicht an dicht wachsen, zu bieten. Der zweite Tauchspot nennt sich "Split Rock". Erst geht es durch ein Paar Swim-Throughs, dann in eine größere Höhle mit Haien, und schließlich zur Hauptattraktion - Split Rock, einem riesigen Fels mit einem Spalt, gerade breit genug um hindurchzuschwimmen. Uns gefällt das alles sehr gut.

Dann verlassen wir Neiafu um die umliegenden Inseln zu erforschen. Die Ankerplätze sind von einem der lokalen Yachtcharterunternehmen durchnummeriert worden, was zwar nicht gerade romantisch, aber praktisch ist.

Swallows Cave.

Wir ankern als erstes bei #7, vulgo Port Maurelle. Dort laden wir das Dinghie randvoll mit Tauchausrüstung und fahren die 1 1/2 Meilen zur Swallows Cave, einer kleinen, halb im Meer versunkenen Tropfsteinhöhle, in der unzählige Vögel wohnen, die alle keine Schwalben sind. Eine ähnliche, viel kleinere Höhle finden wir 100 Meter weiter. Hier verspannen wir unser Dinghie zwischen den Wänden, legen die Tauchausrüstung an, tauchen ab, aus der Höhle hinaus, an einer kleinwagengroßen Hirnkorallle vorbei, und schwimmen die abfallende Wand entlang, an der neben vielen Korallen auch zahlreiche tellergroße Muscheln hängen.

Schnorcheln zwischen Langito'o und Vaka'eitu.

Weiter geht es zu Ankerplatz #16 bei Vakaeitu. Der Beschreibung als ausgezeichneter Ankerplatz können wir nicht ganz zustimmen, denn wir finden nur einen Platz ganz am Rand in 12 Metern Tiefe, der uns zusagt. Sonst hat man die Wahl entweder auf 15 oder mehr Metern zu ankern, oder aber es noch dichter am Rand auf 10 Metern zu probieren und zu hoffen, dass der Wind nicht dreht und einen aufs Riff drückt. Laut Revierführer soll es auf der Insel eine österreichisch geleitete Pension mit täglich frisch gebackenem Strudel geben - auf an Land! Doch schon der Steg, von dem nur noch die Poller übrig sind, lässt Zweifel aufkommen. Der Pfad durch den Dschungel auf den Berg hat eine Spinnwebendichte, die Szenen aus Indiana Jones Filmen in Erinnerung ruft. Und als wir schließlich mitten im Wald auf eine zerbröselnde Betonplattform mit einer einsamen Kloschüssel stoßen wissen wir, dass unser Führer ein wenig veraltet ist. Also kein Strudel. Dafür finden wir gleich ums Eck, zwischen Vakaeitu und Langito'o einen der besten Schnorchelplätze unserer bisherigen Reise, die Korallenvielfalt und -dichte ist unglaublich.

Tongan Feast am Ano Beach.

Wir fahren zu Ankerplatz #11, wo es laut unserem Revierführer auf Ano Beach jeden Donnerstag ein Tongan Feast geben soll. Sheri von der dort liegenden Ark Gallery, einer kleinen, schwimmenden Kunstgallerie, findet für uns heraus, dass es diesen Donnerstag zufälligerweise sogar stattfindet, da drei Charterkatamarane dieses gebucht haben, und für uns finden sich da auch noch zwei Plätze. Das Tongan Feast beginnt mit dem Versuch, uns lokales Kunsthandwerk und Muscheln zu verkaufen. Anschließend gibt es eine Tanzvorführung, die sich deutlich von den Tänzen in Französisch-Polynesien unterscheidet. Statt nicht nachahmbaren Hüftschwüngen werden hier nur die anmutigen Handbewegungen zu langsamem Ukelenspiel vorgeführt, teilweise im Sitzen.

Tongan Feast am Ano Beach.

Dann geht es ans Essen - an Unmengen von Essen. Entgegen dem lokalen Brauch ist statt dem Erdboden ein Tisch (denn wie man uns erklärt sind Palangi nicht fähig, auf dem zu Boden sitzen) mit Bananenblättern gedeckt, darauf finden sich in Schüsseln aus Bananenstämmen diverse Salate, verpackt in Taroblättern im Umu (Erdofen) gekochte Speisen, dazu Taro, Bananen und Wassermelonen. Ein Fest für Augen und Magen.

Kenutu.

Die Nummer #30, unter Kenutu / Lolo in der Karte zu finden, ist die östlichste und nur durch eine schmale Riffpassage zu erreichende Insel. Dort finden wir zum erstenmal einen richtig guten Ankerplatz, von denen es ja in Tonga nur so wimmeln soll - 8 bis 10 m auf Sand, rundherum durch Riffe geschützt. Wir kommen gerade recht zur Kaffe-/Bierparty am Strand.

Wir segeln wieder zurück nach Neiafu, und es wird ein perfekter Segeltag. Durch den engen, gewundenen Pass fahren wir diesmal auch unter Segeln, kräftiger Wind und dank Riffen fehlende Welle sorgen dafür, dass wir mit 6 - 7 Knoten dahinziehen, und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die vor uns motorenden, viel größeren Boote hineinfahren, denn zum Überholen ist kein Platz.

Zebrahai vor Mariners Cave.

Einen kurzen Zwischenaufenthalt legen wir bei Mariner's Cave ein, einer kleinen Höhle, deren Eingang etwa 2 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Während der eine auf das treibende Boot aufpasst, denn zum Ankern ist es hier viel zu tief, taucht der andere hinein und nach einem Rundblick in der Höhle wieder hinaus, dann wechseln wir uns ab. David weckt dabei einen vor der Höhle am Sandgrund liegenden Zebrahai auf, der träge ins offene Meer davonzieht.

Fakaleiti-Show bei Tonga Bob's.

Eine der Hauptattraktionen von Neiafu dürfen wir uns nicht entgehen lassen, die Fakaleiti-Show bei Tongan Bob's. In gesamt Polynesien hat es Tradition bei einem Jungenüberschuss einen der Jungen als Mädchen zu erziehen, denn irgendjemand muss ja der Mama beim Haushalt helfen. Was dann bei der Show geboten wird wollen wir hier mal nicht beschreiben, die Fotos sprechen für sich.

Tauchgang bei China Town.

Noch einmal gehen wir mit einem Diveshop tauchen, diesmal zuerst bei einem Spot namens "Fingers", wo es vorbei an riesigen Hirnkorallen, durch einen Tunnel, an einem gewaltigen Rochen vorbei hinunter zu ein paar großen Gorgonen-Fächern geht, dann noch durch einige enge Höhlen. Der zweite Spot heißt "China Town", da eine große Fläche von Korallen in Form und Farben an chinesische Architektur erinnert. Kurz verweilen wir bei einer etwa 15 m2 großen Seeanemone mit zahlreichen Clownfischen, dann beenden wir den Tauchgang mit einem erneuten durchschwimmen des Split Rock.

Spanferkel.

Und weil es so gut war gehen wir noch zu einem Tongan Feast, gemeinsam mit Andi und Doris von SY Andori. Dieses Mal zu Mittag. Aber ohne Tanz. Dafür mit Spanferkel.

Neiafu.

Da wir nicht in die Hauptstadt von Tonga, Nuku'alofa in Tongatapu fahren wollen, beschließen wir, gleich hier auszuklarieren und im Zuge dessen zollfreien Diesel zu bunkern. Den gibt es aber erst ab einer Menge von 300 Litern, wir haben nur Platz für 200, und so klappern wir das gesamte Ankerfeld ab, ob denn nicht jemand noch 100 Liter in Kanistern haben will. Schließlich finden wir jemanden, und bestellen den Tankwagen für 11 Uhr, und als ein anderes Boot davon erfährt bestellt es ebenfalls 300 Liter für 11 Uhr. Hätten wir uns das Kanister-suchen sparen können. Egal. Wir sind bereits um 8 Uhr am Dock um uns schon einmal bei Immigration und Port Captain zu verabschieden. Um Punkt 10 Uhr, also 1 Stunde zu früh, ist der Tankwagen da, aber nur mit 1 x 300 Litern. Nicht für uns, sondern nur für das andere Boot. Zwei Bestellungen mit der selben Menge scheinen die Leute im Büro der Treibstofffirma zu überfordern. Einige Telefonate später wird uns Treibstoff für den Nachmittag in Aussicht gestellt. Zu unserer Überraschung kommt der Tankwagen tatsächlich noch einmal und Wir können es kaum glauben, als 5 Minuten vor 4 Uhr der letzte Tropfen Diesel in unserem Tank verschwindet, denn um 4 macht der Zoll dicht. Aber es geht sich aus, ohne dass wir dessen Überstunden bezahlen müssen.

Ankerplatz #13 - Zwischen Hunga und Foeata.

Da wir um diese Zeit nicht mehr auslaufen wollen können wir noch bei er Halloween-Party im Aquarium Cave vorbeischauen. Und nach dieser letzten Nacht vor Neiafu fahren wir zu Ankerplatz #13, in die Hunga Lagune. Dort besuchen wir Elke und Werner, die örtlichen Transocean-Repräsentanten, die uns sogar ohne Transoceanmitgliedschaft zum Kaffee einladen.

Ha'apai

Einmal durch die Nacht gesegelt, und wir sind in einer anderen Inselgruppe von Tonga, Ha'apai, die zweite von Süden aus gezählt.

Pita aus Ha'afeva.

Haafeva ist perfekt für Segler, denn es gibt tolle Ankermöglichkeiten für alle Windverhältnisse und kaum andere Boote. Wir liegen sogar zwei Tage alleine, was ein echter Ausnahmefall ist. Die Lagune um die Insel hat gute Schnorchelmöglichkeiten und am Aussenriff auch schöne Tauchplätze. Es gelingt uns, dass Dhingie auf der Innenseite der Insel zu verankern, gegen Strömung und Wind über das Riff zu schnorcheln, dann zu tauchen, den Ausgangspunkt wiederzufinden und am Ende zwar ausser Atem, aber um einen schönen Tauchgang reicher, wieder das Dhingie zu erreichen. Im Dorf auf der anderen Seite der Insel treffen wir auf Pita, der uns später am Tag Bananen vorbeibringt.

Nomuka Iki.

Da wir von anderen gehört haben, dass Nomuka Iki nett sein soll, beschließen wir hinzusegeln. Es wird ein harter, langer Am-Wind-Segeltag, aber immerhin mit Angelerfolg. Bei einer Wende knallt etwas aufs Deck. Es war einer der beiden Fluxgate-Kompasse, dessen Halterung auf halber Masthöhe gebrochen ist. Gut, dass wir ein Metalldeck haben, denn sonst wäre da jetzt mindestens eine Delle drin.

Der Wind ist in den nächsten zwei Tagen weiterhin kräftig, weshalb wir das Boot gar nicht erst verlassen und uns bereit für den nächsten großen Sprung machen - nach Neuseeland.

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