Tuamotus

22.06.2011 - 25.07.2011

Die Tuamotus sind ein zu Französisch Polynesien gehörender Archipel von Atollen - ringförmige, von Korallen gebildeten Riffe mit Durchmessern von mehreren Kilometern. Sie sind von See kommend erst aus kurzer Entfernung, entweder an den am Riff brechenden Wellen oder an den mit Kokospalmen bewachsenen, nur knapp aus dem Meer schauenden Inselchen, den Motus, zu erkennen. GPS mit akuraten Seekarten und Radar sind hier, besonders in der Nacht, eine große Hilfe. Nicht ohne Grund haben die Tuamotus den Beinamen "Die Gefährlichen Inseln".

Nur an wenigen Stellen im Riff befinden sich Pässe, Einschnitte, die tief genug sind, um einem Schiff die Passage in die Lagunen zu ermöglichen. Leider nehmen auch Ebbe und Flut jene Pässe, gutes Timing der Passage ist also wichtig, da einem sonst das Wasser mit bis zu 10 Knoten und wilden Stromschnellen entgegen kommt.

Kauehi

Im Morgengrauen des fünften Tages auf See tauchen planmäßig Kauehis östliche Motus in drei Seemeilen Entfernung am Radarschirm auf. Wir schaffen es gerade noch, das Großsegel herunterzuziehen, bevor uns ein Squall mit Starkwind und Unmengen von Regen eindeckt, dann dümpeln wir in der darauf folgenden Flaute Richtung Einfahrt. Das Horoskop sagt Stillwasser in dem im Südwesten des Atolls gelegenen Passe Arikitamiro für 8 Uhr lokaler Zeit voraus. Wir sind pünktlich. Das Stillwasser nicht. Doch mit den ein bis zwei Knoten ausgehender Strömung wird auch unser Motor fertig.

Nach der Querung des Atolls fällt der Anker vor dem Dorf Teavero. Doch er hält nicht. Wir wollen neu ankern, doch nun will der Anker nicht wieder rauf. Durch das klare Wasser ist zu erkennen, dass er an einem Kabel festhängt, das natürlich nicht in der Seekarte verzeichnet ist. Anker runter, Anker rauf, vorwärts fahren, rückwärts fahren - hilft alles nichts. David legt die Schnorchelausrüstung an, schwimmt zum Bug, doch da ist das Schiff schon auf Drift gegangen, hat sich der Anker schon von selbst befreit. Na gut, neues Manöver an einem anderen Platz, und diesmal hält der Anker.

Das Dorf hat alles, was ein Dorf so braucht: Kirche, Friedhof, Geschäfte, Temposchwellen, Feuerwehr, Flughafen.

Rund um die aus der Tiefe der Lagune ragenden Korallenköpfe wimmelt es von Getier, von klein bis groß, von grau bis bunt, von Seegurke bis Hai. Das Riff in Dorfnähe sieht allerdings eher wie ein Schlachtfeld aus, Unmengen von Bénitier-Muschelschalen liegen am Grund, Löcher klaffen in den Korallen, wo die in sie eingewachsene Muscheln herausgebrochen wurden. Sie scheinen leider zu gut zu schmecken.

Fakarava

Kurz vor Sonnenaufgang steuern wir auf die Leuchtfeuer des Passe Garuae, des Nordpasses von Fakarava, zu um diesen gegen Ende des einlaufenden Stroms zu passieren und dann bei Tageslicht die Lagune Richtung Süden zu queren. Doch je näher wir kommen, desto weniger Fahrt über Grund zeigt das GPS an. Wir können uns bis auf eine halbe Meile annähern, dann geht nichts mehr, wir treten auf der Stelle. Anscheinend drückt Schwell aus Süden jede Menge Wasser über das Riff in die Lagune. Die nächste Stromkenterung ist in frühestens 6 Stunden. Wir drehen um, drehen bei, und warten. Irgendwann zieht etwas schnaufend hinter dem Heck vorbei. Zuerst halten wir die Tiere für Delfine. Doch als sie umkehren, um aus nächster Nähe unseren Propeller zu inspizieren, sehen wir, dass sie mehr als halb so lang wie unser Schiff sind. Vielleicht zwei Schnabelwale.

Wir nähern uns erneut dem Pass, diesmal bei Tageslicht. Überall brechende Kreuzseen, unterbrochen von vollkommen wellenfreien Flächen, wo Wasser turbulent an die Oberfläche gedrückt wird und das Boot im Kreis dreht - Erinnerungen an die Schleusen des Panamakanals werden wach. Wir kommen nicht einmal so nah heran wie beim ersten Mal, noch immer strömt es aus der Lagune ins Meer. Wir warten weiter. Eine Stunde später der nächste Versuch. Und diesmal klappt es, nur noch drei Knoten Strom stehen gegen uns, und langsam schaukeln wir ins Atoll. Sobald wir drinnen sind, ist der Spuk vorbei - das Wasser ist ruhig, strömungsfrei, doch es ist zu spät, um in den Süden zu fahren, und der Anker fällt für eine Nacht vor dem Hauptort Rotoava.

Früh am Morgen brechen wir auf, um die knapp 30 Seemeilen zum Südpass innerhalb des Atolls entlang des östlichen Riffs zurückzulegen und dann gutes Licht zum Ankerplatz suchen zu haben. Doch irgendwo auf halber Strecke gefällt es uns auf einmal - kein Dorf, keine anderen Boote, nur etwas Sand und viele Palmen. Wir fahren dicht ans Ufer, suchen uns eine seichte Stelle (12 m), ankern, und hängen ein paar Tage ab, es ist ohnehin Schlechtwetter angesagt. In Regenpausen fahren wir an Land zum Kokosnuss-Sammeln.

Schließlich geht es weiter zum Südpass, Passe Tumakohua. Zunächst halten wir uns an die allgemeine Regel: wo andere Yachten schon ankerten, dort muss es gut zu ankern sein, und hängen uns hinter die Riffe westlich des Passes. Später erfahren wir, dass dies ein Naturschutzgebiet ist, Ankern verboten. Also verlegen wir uns näher zum Dorf am angeblich schönsten Pass der Tuamotus.

Der Anker fällt, die Kette rasselt hinunter ins kristallklare Wasser, und schon umkreisen uns zahlreiche Schwarzspitzen-Riffhaie, ebenso ein großer Schwarm Einhornfische. Wir fahren mit dem Dinghie und Schnorchelausrüstung zum Pass und lassen uns vom einlaufenden Strom in die Lagune spülen. Voll das Aquarium. Wir bekommen Lust auf mehr und gehen zum örtlichen Dive Shop, denn ohne Ortskenntniss und ohne Begleitboot mit starkem Motor ist das Tauchen in den strömungstarken Pässen nicht zu empfehlen.

Der erste Tauchgang startet mitten im Pass. Mit der Strömung geht es ein Stück Richtung Meer, mit einer sich in Ufernähe bildenden Gegenströmung wieder zurück zum Ausgangspunkt. In zwanzig Metern Tiefe ziehen dutzende Graue Riffhaie an uns vorbei. Beim zweiten Tauchgang fahren wir mit dem Boot hinaus aufs offene Meer, sinken ins bodenlose Blau hinab und lassen uns von einer sanften Strömung in die Lagune tragen. In etwa dreißig Metern Tiefe verharren hunderte Grouper (unser Guide meint 3.000 - wir widersprechen nicht), die sich zu einer Vollmondorgie verabredet haben. Jede Menge Haie, Barrakudas und diverse Rifffische in allen Farben und Formen gibt es im Überfluss zu sehen.

Auch im Nordpass soll es gut zu Tauchen sein, also fahren wir wieder zurück nach Rotoava. Der erste Tauchgang ist quasi zum Aufwärmen, wir schwimmen eine Weile parallel zum Aussenriff - dutzende Graue Riffhaie usw. Dann wird es ernst. Das Wasser strömt mit voller Kraft in die Lagune. Es geht hinaus aufs Meer, hinab ins Blaue, und plötzlich taucht eine Wand vor uns auf - das Riff, sehr schnell näherkommend. Wir krallen uns an den Felsen fest, um die Aussicht zu genießen. Leider gibt es heute nichts zu sehen. Dann lassen wir los und fliegen dahin. Eine Zwischenlandung erfolgt an einem Platz namens "Ali Baba" inmitten von Schwärmen von Snappern, Bigeyes und vereinzelten Haien. Dann steigen wir wieder auf und treiben schneller und immer schneller werdend in die Lagune. Und schon ist es wieder Zeit zum Auftauchen.

Zwischendurch betreiben wir Passiv-Sport, sehen den Einheimischen bei einer Pirogue-Regatta und beim Speerwerfen zu (Ziel bei letzterem ist es, eine an einer hohen Stange befestigte Kokosnuss zu treffen), und lassen uns von Günther, einem ausgewanderten Deutschen, durch seine Perlfarm führen.

Rangiroa

Wieder ein Atoll, diesmal das größte der Tuamotus, wieder ein Pass zu queren, Passe de Tiputa. Dieser ist deutlich schmäler als die bisherigen, und es kommt ein weiterer Spaßfaktor dazu - drei Meter Wellen, genau auf den Pass zu. Dafür auch kräftiger Wind. Der Motor ist bei den Bedingungen nutzlos, also werden wir in den Pass segeln. Wir nähern uns und hoffen auf Stillwasser. Links und rechts von uns türmen sich die Wellen auf, große Brecher rollen an den Seiten, im Pass brechen die Wellen auch, aber in kleineren Abständen. Offensichtlich läuft noch ein wenig Strömung aus. Es ist sehr schwierig, das Boot auf Kurs zu halten, da es dauernd Wellen absurft und erklimmt, und die Einfahrt sieht wirklich nicht breit aus...einfach nur gerade aus sehen...einfach nur gerade aus sehen...nicht zurückblicken...und schon sind wir durch.

Um 8 Uhr morgens besteigen wir ein Schnellboot, es geht wieder hinaus, durch den Passe de Tiputa aufs offene Meer. Der Wind hat über Nacht nicht abgenommen, die Wellen noch etwas zugelegt. Im Pass herscht auslaufende Strömung, die die Wellen noch steiler, die Brecher noch häufiger werden lässt. Der Rudergänger fährt konzentriert, doch immer wieder ist eine Welle besonders steil, und wir fallen hinab ins Tal, der Aufprall ist hart, das Boot kracht und zittert. Dann erstirbt der Motorenlärm, wir können nun die tosende Brandung noch deutlicher hören. 3...2...1...wir stürzen aus dem Boot, sinken tiefer, immer tiefer, und auf einmal ist alles ruhig. Plötzlich schießt ein Schatten an uns vorbei. Dann noch einer. Sie kehren um. Haie? Nein, Delfine! Fünf oder sechs von ihnen schwimmen um uns herum, schleichen sich immer wieder an, und bei einem scheint es, als ob er mit einer Mittaucherin tanze.

Die weiteren Tauchgänge, sowohl im Passe de Tiputa, als auch im etwas weiter westlich gelegenen Passe D'Avatoru, sind weniger spektakulär, aber ebenfalls wunderschön - unter anderem treffen wir auf einen relativ großen Silvertip Shark, riesige Schwärme von riesigen Barrakudas und Big Eye Jacks, und beim letzten Tauchgang sogar auf drei Segelfische.

Da es außer Tauchen auf Rangiroa nichts interessantes zu tun gibt und wir uns nach leistbarem Gemüse sehnen, nehmen wir nach ein paar schönen Tagen die 200 Seemeilen nach Tahiti in Angriff.

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