Von Madeira auf die Kanaren

17.11.2009 - 21.11.2009

Nach einem letzten Kurzbesuch in Funchal (Frisör: EUR 6,-) und nachdem wir unsere frisch geflickten Segel wieder angeschlagen hatten verließen wir Madeira in Richtung Kanarische Inseln, mit einem Zwischenstopp auf halber Strecke auf den Ilhas Selvagens, einem nur von zwei Wärtern bewohnten Naturschutzgebiet.

Selvagem Grande

Ohne dass wir es ausgemacht hätten und obwohl wir sie, da sie auf Madeira in Funchal, wir in Quinta do Lorde gelegen hatten, eine Woche nicht gesehen hatten, trafen wir nur wenige Minuten nach der SY Sparrow in der südwestlichen Bucht von Selvagem Grande ein, welche alles andere als ein idealer Ort ist, um sein Schiff liegen zu lassen: eng, Wassertiefen über 10 Meter, felsiger Grund, umgeben von Riffen, an denen sich die Wellen brechen und reflektiert werden.

Nach dem fünften Ankerversuch (manuelle Ankerwinsch...jedes mal vierzig Meter Kette raufhiefen...) verhakte sich die Ankerspitze endlich (wie Sonja später beim Tauchen sah) an einer Unebenheit der Felsplatte. Da wir dem Halt nicht ganz trauten (und vielleicht auch weil er erschöpft vom Ankern war) blieb David als Ankerwache an Bord, während Sonja mit Silke und Pete anlandete und gemeinsam mit der Besatzung der dritten vor Anker liegenden Yacht, dem französischen Skipper der SY Terre des Mers, von einem äußerst engagierten Wärter über die Insel geführt wurde.

Die Insel ist sehr karg und momentan auch nur von verschiedenen Echsen bewohnt, da die Kolonie der Cagarras (das sind Vögel) nur während der Sommermonate hier ihren Nachwuchs aufzieht und dann wieder Richtung Brasilien, Afrika oder Madagaskar fliegt. Diese Vögel wurden früher wegen ihrer Eier, Federn und ihres Fettes von Fischern gejagt, bis 1975 (1974 Ende Diktatur Salazars) das Jagen verboten wurde. In den folgenden zwei Jahren wurden sie von wütenden Fischern in organisierten Attacken bis auf ein paar Dutzend Jungtiere ausgerottet. Mittlerweile erholt sich die Population dank der Bemühungen der Wärter wieder.

Aber nicht nur Ornithologen bekamen etwas geboten, sondern auch Schatzsucher. In einer Höhle am Fuße steiler Felsklippen, knapp über der Wasserlinie, die nur durch halsbrecherisches Klettern zu erreichen ist, könnte sich ein vom Piraten Captain Kid versteckter Goldschatz befinden. Hätten wir nur Taschenlampe und Spitzhacke eingepackt...

Sonstige Attraktionen: ein Kaninchenskelett (wurden von den Wärtern ausgerottet), Holzreste von Tabakpflanzen (ebenfalls Opfer der Wärter), ein Feld mit leeren Schneckenschalen, kleine Büsche, aus denen sich Seife und Wachs gewinnen lässt, eine Paradeiserstaude mit zwei reifen Früchten (sehr gut) und die Wassersammelanlage für die Dusche der Wärter.

Ölpest

Nach einer nicht gerade ruhigen Nacht (zunehmende Wellen und Wind, das durch den Rumpf dröhnende Schaben der Ankerkette über die Felsen, das regelmäßige Piepen des extra scharf eingestellten Ankeralarms) brachen alle Boote in Richtung Kanaren auf, während die portugiesische Marine Selvagem Grande mit neuen Vorräten und Wärtern belieferte.

In der folgedenden Nacht, gegen 02:00 funkte uns die SY Sparrow , die gerade 1.8 Seemeilen vor uns auf einem Parallelkurs etwa eine 3/4 Meile südöstlich von uns fuhr an: "Habt ihr auch bemerkt, dass wir durch einen Ölteppich gefahren sind?" Trotz ruhiger See und obwohl sie wie wir wegen Flaute motorten hatte Öl in überkommenden Wellen ihr Teakdeck, ihre prayhood, ihre Windfahne und sogar ihre Segel erreicht. Wir prüften sofort unser Deck, doch zum Glück dürften wir die Verschmutzung umfahren haben.

Land in Sicht

Im allerletzten Abendlicht des nächsten Tages erreichten wir die Einfahrt zwischen Graciosa und Lanzarote, den im Nordosten der Kanaren gelegenen Inseln, und bogen als es schon dunkel war, das Ankerlicht der kurz vor uns eingetroffenen SY Sparrow als Leuchtfeuer benutzend, in die Bucht ein, in der wir nun vor Anker liegen. Nur eine Stunde später und wir hätten die Bucht aufgrund des Neumondes, der die Nächte wirklich finster macht, nicht mehr gesehen.

Links

SY Sparrow (Silke und Pete)

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Fotos

Michael

Wir wollen Fotos sehen!

23.11.2009 16:07:53

Re: Fotos

Dave

> Wir wollen Fotos sehen!
Dann übt euch mal in einer der Hauptdisziplinen, die man als Fahrtensegler braucht: Geduld. Fotos gibt es immer erst, wenn wir einen "echten" Internet-Zugang finden. Eventuell schaffe ich es noch vor der Atlantik-Querung, Einzelbild-Upload per Funk (1 - 3 KByte / Minute...) zu programmieren.

24.11.2009 10:46:00