Von Neuseeland nach Minerva

23.07.2012 - 31.07.2012

Wieder scheint sich ein Wetterfenster aufzutun: Ein komplexer Trog liegt, sich kaum bewegend, östlich von Neuseeland. Dahinter kommt ein kleines Hoch, hinter dem sich rasch wieder ein Tief aufbauen soll. Sehr eng, aber dahinter sieht es noch schlechter aus, wir würden noch mindestens zwei weitere Wochen bleiben müssen. Also wollen wir den Absprung wagen.

Wir fahren in die Opua Marina, um letzte Einkäufe und die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Letzteres ist ganz einfach, ein Fax und ein Anruf genügen, und der kombinierte Customs- und Immigration-Beamte findet sich pünktlich im an die Marina angrenzenden Büro ein. Ersteres, die Einkäufe, sind nicht ganz so einfach, denn der nächste größere Supermarkt ist etwa 2 Stunden Fußmarsch oder NZD 20,- Taxi entfernt. Da war die Town Basin Marina in Whangarei doch besser gelegen. Und wesentlich billiger...

Abfahrt

Wir verlassen Neuseeland!

Wir starten trotz Sturmwarnung. Zunächst haben wir leichte südliche Winde, dann, natürlich nachts, überholt uns wie angekündigt eine Front. Zum Glück ist diese etwas leichter als vorhergesagt mit maximal 30 Knoten Wind und nur wenig Regen. Es reicht aber trotzdem, dass wir beide seekrank werden.

Böse Wolke, auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Fiji.

Darauf folgen 3 Tage flottes Halb- bis Raumwindsegeln, dann erreicht, wie erwartet, das nächste Tief Neuseeland, und eine Front uns, bringt wieder Wind mit 30 Knoten, diesmal von vorne, und schweren Regen. Das ganze dauert aber nicht einmal 3 Stunden, so dass das Schlimmste innerhalb Davids Schicht durchzieht. Danach nimmt der Wind wieder ab, dreht, kommt achterlicher, und weiter geht es Richtung Minerva. Langsam gewöhnen wir uns wieder an die Schiffsbewegungen und nach vier Tagen sind wir soweit, dass wir ein Fertignudelgericht zubereiten und essen können.

Zwischenstopp

Minerva Nord.

Nach 6 Tagen und 6 Stunden fällt der Anker in der Lagune des nördlichen Minerva-Atolls, bei Sonnenschein und Flaute. Minerva unterscheidet sich von den meißten anderen Atollen dadurch, dass es keine Motus gibt - bei Hochwasser verschwindet das gesamte Riff im Meer, es sieht fast so aus, als ankere man im offenen Ozean. Kein Kokospalme versperrt die Aussicht auf grandiose Sonnenauf- und -untergänge.

Zuerst wird geduscht, gewaschen, entsalzt, gegessen, dann interessiert uns die Statistik der Überfahrt: Der Pro-Kopf-Verbrauch an Vertirosan (Medikament gegen Seekrankheit) ist rekordverdächtig. Kurzum, so schlecht war uns noch nie. Aber dafür sind wir mit der Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,8 kn sehr zufrieden, vor allem da wir auch teilweise am Wind gesegelt sind. Berücksichtigt man, dass der Wind innerhalb von 24 Stunden eine 360 Grad Drehung gemacht hat, so finden wir die 8-%ige Abweichung von der direkten Kurslinie ebenso beachtlich.

Wieder ein Sonnenaufgang in Minerva Nord.

Jetzt liegt Neuseeland schon weit hinter uns und Fiji ist auch noch drei bis vier Segeltage entfernt. Wir ankern so einsam wie noch nie, mitten im Nirgendwo, und geniessen wärmende Sonnenstrahlen, während wir mit einem langen Kapitel unserer Reise abschliessen, um ein neues öffnen zu können.

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