Von Panama City nach Darien

15.01.2011 - 26.01.2011

Taboga

Besucher, erkennbar am Kontrast.

Diesmal verlassen wir Panama City zu dritt. Unser Besucher aus Wien ist noch etwas blass um die Nase und voll im Jetlag, daher werden einmal nur die 10 SM zur Insel Taboga gesegelt. Dort gibt es außer einem mit Blumen überwuchertem Dorf noch Hügel, die wir selbstverständlich gleich besteigen. Dank der schwülen Hitze ist die Freude über die tolle Aussicht am Gipfel dann etwas gedrückt. Zurück am Boot beschließen wir nach einer Erholungspause den Anker zu lichten und über Nacht gen Osten zu fahren.

Blick von Taboga nach Panama City.

Anfangs geht es noch sportlich zu, mit reichlich Wind zum Segeln und einem Crevalle Jack an der Angel, der zwar ohne zu zögern unseren Köder schluckt, dann aber doch wie Wild um sein Leben kämpft. Schließlich wird der Fisch besiegt, der Wind schläft ein, und die restliche Nacht wird mit vollem Bauch im Mondschein motort. Am nächsten Vormittag erreichen wir schließlich den Golfo de San Miguel.

Darien

Boca Chica, Rio Tuira, Darien.

Die Provinz Darien im Osten Panamas ist ein von Menschen wenig berührtes Gebiet. Es leben hier zwei Indianerstämme in schwer erreichbaren Dörfern, und etwa 5.000 Panamesen diversester Sorten in La Palma, der Provinzhauptstadt am Rio Tuira. Ansonsten gibt es hier viele große Flüsse, die von noch zahlreicheren kleinen Flüssen gespeist werden, und dazwischen dichten Regenwald. Unser Ziel ist es, diesen zu erforschen und ein oder zwei Indianerdörfer zu besuchen.

Rio Tuira, Darien.

Unseren ersten Ankerplatz finden wir in der Nähe von La Palma neben der Isla Boca Grande. Wir starten gleich eine Expedition mit dem Dinghy, um die uns umgebenden Inseln zu erforschen. Viel gibt es allerdings nicht zu entdecken, außer wild wachsenden Ananasstauden und der Erkenntnis, dass wir die Strömung etwas unterschätzt haben.

Warten auf die Stromkenterung im Rio Tuira, Darien.

Die Flüsse hier ändern ihre Fließrichtung in Abhängigkeit der Gezeit: Bei Flut fließt Wasser flussaufwärts, und der Ebbstrom ist um die natürliche Flussströmung verstärkt. Heftige Turbulenzen, wenn sich Süß- und Salzwasser mischen gehören dazu. Mit drei Personen im Dinghie hat unser 3,5 PS Außenbordmotor zum Höhepunkt der Strömung keine Chance, und so verbringen wir zwei Stunden mit Warten, mit gelegentlichem Suchen eines neuen Warteplatzes, um nicht im Schlamm trocken zu fallen. Irgendwann lässt die Strömung nach und wir können zu unserem Boot zurückkehren.

Am folgenden Tag motoren wir mit der Flut den Rio Sabana hinauf, an dessen Ufer ein Dorf der Wounaan-Indianer steht. Unsere bisher zuverlässigen Revierführer haben zwar kaum Informationen über den Flusslauf, insbesonders keine genauen Karten, einer ist jedoch der Meinung, dass die Wassertiefe ausreichend sei, mit einem Boot zu dem Dorf zu fahren und in dessen Nähe zu ankern. Wir stellen fest, dass es fast nirgendwo tief genug ist, um bei Ebbe nicht trocken zu fallen, außer an einer Stelle etwa eine halbe Meile stromabwärts des Dorfes. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit ankern wir und bringen einen zweiten Anker in der derzeitigen Stromrichtung aus, um nicht im Ufer zu landen, da es doch eher eng ist. Alles sieht gut aus. Bei Hochwasser messen wir sieben Meter Wassertiefe, Molimentum hat 1,7 m Tiefgang. Laut Gezeitentabellen beträgt der Tidenhub (Differenz Flut-Ebbe) an der Küste derzeit etwa 4 Meter, und laut Revierführer soll dieser im Fluss deutlich geringer ausfallen - bestens. Wir genießen Sternenhimmel und Wildnis mit einem Stiegl-Bier.

Aber dann gehts los: Die Strömung kentert, der Heckanker hält nicht, das Boot dreht sich. Der Zweitanker kann geborgen werden, der Hauptganker hält, die Tiefe sollte ausreichen. Soweit alles in Ordnung. Ein Blick auf den Tiefenmesser macht uns aber unruhig, denn man kann zusehen, wie uns das Wasser wörtlich unter dem Hintern wegrinnt. Etwa alle drei Minuten zehn Zentimeter, und die Ebbe hat gerade erst begonnen! Mit laufendem Motor halten wir Wache. Als uns nur noch 30 Zentimeter vom Boden trennen lichten wir den Anker und fahren ein ein paar Meter stromaufwärts, da es dort, wie wir vom Ankermanöver wissen, einen Meter tiefer ist. Die Stelle ist hinter einer Biegung, der Boden felsig, der Anker hält nicht, und das Wasser sinkt weiter, viel weiter als vorhergesagt. Die nächsten Stunden verbringen wir damit mit Motoreinsatz unseren Kiel über der Vertiefung zu halten. Aber irgendwann kommt endlich Flut, und sobald das einlaufende Wasser nicht mehr zu stark strömt können wir wieder stromabwärts fahren, an einen besseren Ankerplatz fahren. (Wo wir bei der nächsten Gezeit 6 Meter Tidenhub messen).

La Palma, Rio Tuira, Darien. Tankstelle in La Palma, Rio Tuira, Darien. (Tankschlauch hängt)

Nach einem regenerativem Stopp mit Ausflug ankern wir vor La Palma um Diesel zu besorgen, der in Panama City nicht zu bekommen war (alle Bootstankstellen leer!). Auch hier benötigen wir mehrere Versuche, bis unser Anker Halt findet. Zum Glück sind wir zu dritt, so dass David an der manuellen Ankerwinsch abgelöst werden kann. La Palma selbst hat keine Attraktionen zu bieten. Einzig die Tankstelle ist sehenswert: Die Holzhütte steht auf Pfosten am Flussufer, bei Niedrigwasser viele Meter über dem Meer, man kann bei jedem Wasserstand mit dem Beiboot unter die Terasse fahren und sich durch einen herunterhängen Schlauch Treibstoff in die Tanks füllen lassen. Unsere Kanister werden mit einem Seil hinaufgezogen und voll wieder abgeseilt.

Wir haben genug von schlammigen Flüssen, sind reif für blaues Wasser mit Sandstrand und begeben uns deshalb in das uns schon bekannte Inselparadies namens Las Perlas.

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