Von Sao Vicente nach Sao Nicolau

21.01.2010 - 25.01.2010

Wir verlassen Mindelo, um uns langsam Richtung Sao Nicolau, "die östlichste der nordwestlichen Inseln" vorzuarbeiten. Wir fahren im Lee, also der windabgewandten Seite der Inseln, was aber nicht mit Windschatten gleichzusetzen ist. Der Passat weht an sich recht gleichmäßig, mal mit 15, mal mit 20 Knoten über den Atlantik, doch trifft er auf Inseln, so bringen sie ihn ziemlich durcheinander. An den Flanken und in den Kanälen zwischen den Inseln wird der Wind abgelenkt, verdichtet, und kann so seine Geschwindigkeit nahezu verdoppeln, ebenso, wenn er durch die Täler der gebirgigen Inseln fegt. Das führt dann dazu, dass man von einer Minute auf die andere mal Wind in Sturmstärke, mal Flaute hat (aber kaum einmal etwas gemütliches dazwischen). Entsprechend schwierig ist es auch die passende Segelfläche zu finden. Wir reffen ständig ein oder aus, tauschen Genua gegen Fock und retour oder fahren beide gleichzeitig ... kurzum, das Segeln zwischen den Inseln ist unterhaltsam und abwechslungsreich. Das Beste dabei ist, dass Luft und Wasser angenehm warm sind, so dass es einfach nur Spass macht, wenn man beim Am-Wind-Segeln geduscht wird.

Einsame Buchten

Wenige Seemeilen von Mindelo entfernt biegen wir nach rauschender Fahrt in die Baia de Sao Pedro, eine an sich idyllischen Ankerbucht im Südwesten von Sao Vicente. Einen Tag verbringen wir hier als einziges Segelboot. Wir messen bis zu 30 Knoten Wind, der aus dem Tal herausfegt, doch unser Anker hält ohne jegliche Beschwerden. Es ist nur ein wenig verwunderlich, dass hier kein Ankerverbot besteht, denn man liegt in einer Einflugschneise. Und mit Einflugschneise ist gemeint, dass direkt hinter dem Strand die Rollbahn des Flughafens von Sao Vicente beginnt - wo sonst ist es einem nicht verboten, 17 Meter hohe Masten direkt vor Flughäfen aufzustellen? Da pro Tag nur zwei kleinere Propellermaschinen starten und landen tut das der Idylle aber kaum Abbruch. Morgens fahren die Fischer von Sao Pedro in ihren kleinen Booten hinaus aufs Meer und kehren nachmittags zurück.

Dann geht es ein kleines Stück weiter nach Osten, wo wir zwei Nächte vor der Ilha de Santa Luzia, einer bis auf ein kleines Fischercamp unbewohnten Insel ankern. Da wir schon bei beginnender Dunkelheit eintreffen können wir nicht bis zum Grund sehen. Beim ersten Mal fällt der Anker auf Steine, rutscht und findet keinen Halt. Ein hilfsbereiter Fischer zeigt uns einen anderen Fleck, wo unser Anker zwar wieder nicht hält, dafür kommt der Fischer kurz darauf wieder, um Fische gegen Zigaretten zu tauschen. Wir haben zwar keine (Zigaretten; aber Fische auch nicht), und so bekommt er von uns eben etwas, dass er in Mindelo gegen Zigaretten tauschen kann, und wir haben zumindest einmal unser Abendessen gesichert. Beim nächsten Versuch fällt der Anker auf Sand, und hier hält er auch die die Fallböen von bis zu 35 Knoten aus. Wir erkunden schnorchelnd die Unterwasserwelt und treffen am Strand die Besatzung des Katamarans von nebenan - vier französische Sozialarbeiter, die mit sechs Jugendlichen über den Atlantik fahren.

Ankunft in Sao Nicolau

Von Santa Luzia sind es knapp 30 sm nach Porto Tarrafal auf Sao Nicolau, die uns einige aufregende Segelstunden bescheren. Mit minimaler Segelfläche steuern wir durch Wind und Wellen und staunen hinterher über die Salzkruste, die das gesamte Boot bedeckt. Ein paar Meilen vor Tarrafal schläft der Wind plötzlich ein und wir sind irritiert, schütten zögerlich ein Reff nach dem anderen aus, setzen die Genua voll, bergen diese aber gleich wieder und starten den Motor. Nach ein paar Tagen starkem, teilweise sehr böigem Wind müssen wir uns wohl erst wieder an die Ruhe gewöhnen. Das ist aber nicht so schwer, man braucht dazu nur einen schönen Ankerplatz, von der Abendsonne beleuchtete Berge und einen Sundowner in der Hand.

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