Von Vanuatu nach Australien

29.10.2012 - 16.11.2012

Zum ersten Mal machen wir etwas, was wir bisher immer vermieden haben: Wir nehmen an einer Rally teil. Warum? Wir sind jung und brauchen das Geld. Mit der Teilnahme an der Port2Port Rally nach Bundaberg erspart man sich einen Teil der horrenden australischen Quarantänegebühren. Aber nur, wenn man zwischen 15. Oktober und 18. November ankommt, sonst verfällt die Teilnahmegebühr und man verpasst die ganzen Partys.

Und schon haben wir etwas, was wir bisher recht erfolgreich vermieden haben: Termindruck. Zum Glück gibt es bei dieser Rally keinen verpflichtenden Startort oder -termin, und wir freuen uns auch darauf, in Australien viele Segler wiederzutreffen, die wir schon seit Monaten nicht mehr gesehen haben. Denn alle machen mit!

Ende Oktober sieht das Wetter gut genug aus für die etwa 1000 Meilen lange Strecke von Port Vila in Vanuatu nach Bundaberg, genug Zeit als Reserve bleibt so auch. Denken wir zumindest...

Chesterfield

Les trois ilots du mouillage. Les trois ilots du mouillage.

Etwa auf halbem Weg zwischen Vanuatu und Australien liegt Chesterfield, welches zu Neukaledonien (und damit zu Frankreich) gehört, etwa 300 Meilen westlich der Hauptinsel und 90 Meilen westsüdwestlich der nicht existierenden Sandy Island (von deren Nicht-Existenz wir zu der Zeit noch nichts wissen). Einige Riffe, ein paar Motus, das wars. Von keinem Menschen bewohnt, und ein idealer Platz für einen kleinen Zwischenstopp.

Da wir in Neukaledonien nicht einklariert haben wäre dieser zwar nicht wirklich legal, aber wir haben gehört, dass die Behörden darüber hinweg sehen. Vor allem, weil sie nicht da sind.

Doch kurz bevor wir dort sind fällt uns die Entscheidung schwer: Stehen bleiben oder weiter segeln? Für die nächsten Tage ist durchgehend Sonntagssegelwetter angesagt, in 3 - 4 Tagen wären wir in Australien. Bleiben wir stehen müssen wir mindestens ein paar Tage bleiben, um nicht am Wochenende anzukommen (Überstundengebühren...), und für danach sehen die Wetterprognosen konfus aus, was immer ein schlechtes Zeichen ist. Und sandige Inseln haben wir eigentlich schon genug gesehen...

Wir überlegen hin und her, aber schließlich fällt der Entschluss, noch ein paar Tage in den Tropen abzuhängen. Wir bremsen und drehen für einige Stunden bei, um nicht bei Nacht anzukommen. Als wir schließlich in die Lagune einlaufen sind wir doch ein wenig überrascht, noch vier weitere Boote in der Nähe unseres Ziels, der "Les 3 Ilots du Mouillage", zu sehen.

Wir segeln hart am Wind Richtung Ankerplatz, da hören wir auf einmal Motorenlärm. Keines der Boote ist dafür nah genug. Plötzlich schwebt neben uns ein französischer Militärhubschrauber, umkreist uns zwei Mal, die Kamera im Anschlag. Dann fliegt er zu den Ankerliegern, schwebt hin und her, kommt wieder zu uns zurück, dreht noch eine Runde, und verschwindet mit den vermutlich tollsten Fotos von Molimentum unter Segeln nach Norden.

Vögel.

Wir ankern 1/3 Meile vom nächsten Motu entfernt, doch kommt der Wind aus der richtigen Richtung, bringt er ein kräftiges Guano-Aroma herüber, denn die Inseln beherbergen Brutkolonien zahlreicher Vogelarten, darunter Boobies (u.a. Brown Boobies, Red-footed Boobies, Masked Boobies), Terns (u.a. Sooty Terns, Crested Terns), Frigatebirds und Noddies. Ausserdem, und damit haben wir gar nicht gerechnet, wachsen hier keine Kokospalmen, sondern nur Sträucher.

Masked Boobies.

Die schmalen Motus sind voll mit brütenden Vögeln, die einen, solange man von den Nestern Abstand hält, nur neugierig ansehen oder gleich komplett ignorieren. Wegen Platzmangels ist das aber nicht immer möglich und so wird ab und zu ein Küken hektisch versteckt und ein Ablenkungmanöver gestartet. ("Oh nein! Schaut her! Mein Flügel ist gebrochen!")

Überraschte Muräne.

Gegenseitige Überraschung ist sowohl uns als auch einer Moräne ins Gesicht geschrieben, als wir sie bei der Krabbenjagd mitten am Strand überraschen.

Da hier nur Segler, und davon nicht übermäßig viele, vorbeikommen, ist die Qualität und Quantität der am Strand zu findenden Muschelschalen und Schneckengehäuse unbeschreiblich hoch. Unsere ohnehin schon umfangreiche Sammlung wird um einige Prachtexemplare bereichert.

Schnorcheln in der Lagune.

Auch unter Wasser ist die Welt hier noch in Ordnung, wie wir uns bei einer Schnorchelrunde um einen Korallenkopf vergewissern. Die Haie scheinen gut genährt und zufrieden zu sein, die Fische auch, und die Korallen und Riesenmuscheln gedeihen prächtig.

Irgendwann segelt das letzte andere Boot Richtung Australien, und wir sind für die nächsten Tage vollkommen alleine. Das hatten wir noch nie, allein im Paradies. David verarbeitet unsere letzten Vorräte zu kulinarischen Highlights wie etwa Schokopudding mit selbst eingelegten Sternfrüchten von den Marquesas.

Weiterfahrt

Eigentlich wollen wir am Samstag los fahren, doch recht unerwartet ändern sich die Wetterprognosen: Für die Küste und die hohe See vor Queensland wird Sturmwarnung gegeben. Da bleiben wir lieber bis Montag - den letzten Tag, an dem sich ein Ankommen zu Behördenöffnungszeiten und vor Ende der Rally ausgeht.

Sonntag Nachmittag laufen dann doch noch zwei weitere Boote ein, doch da wir Montag Vormittag schon aufbrechen beschränkt sich der Kontakt auf Navigationstipps per Funk und Winken-im-Vorbeifahren.

Das Bestimmen des optimalen Zeitpunkts für die Ausfahrt aus der Lagune versauen wir diesmal komplett: Die Strömung im Pass ist auslaufend und kräftig und türmt die davor stehenden Wellen gefährlich hoch auf. Sie brechen über den Bug, wo sich David festhält, da er nach Untiefen Ausschau hält. Um vorwärts zu kommen muss Sonja aus der Maschine das Letzte herausholen. Nach einigen bangen Minuten sind wir durch und können wieder durchatmen.

Aber nicht lange, denn es wird eine ungemütliche und nasse Passage, mit teilweise kräftigem Wind, Schwell vom Sturm im Süden, der sich mit der Windsee kreuzt, dann wieder Flaute. Dann kochen beim Motoren die Batterien über und der Autopilot funktioniert nicht mehr. Aber schließlich erreichen wir unversehrt, freitags um Punkt 06:00, den Quarantäneankerplatz vor der Bundaberg Port Marina.

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