Westlichstes Westeuropa

08.10.2009 - 16.10.2009

Delfine leuchten im Dunkeln. Es wirkt geisterhaft, wenn sie durch das im Kielwasser aufgewühlte floureszierende Plankton jagen. Jede Nacht und fast jeden Tag wurden wir auf den letzten Etappen von Delfinschulen besucht, was insbesonders in den langen Nachtwachen eine willkommene Abwechslung ist. Durch klopfen auf unseren Rumpf lassen sie sich zu besonders hohen Sprüngen motivieren. Einmal wurde unser Klopfen sogar erwidert, indem ein Delfin mit seiner Schwanzflosse circa zehnmal auf die Wasseroberfläche schlug.

A Coruña

Torre de Hercules (links)

Nach Gijón ging es weiter nach A Coruña (spanisch: La Coruña). Wie so oft kamen wir in der zweiten Nachthälte an, doch diesmal war es ein wenig interessanter. Etwa drei Stunden vor dem Hafen verfestigte sich der seit Tagesanbruch vorhandene Nebel zu Regen, die Lichter an der Küste verschwanden zuerst, dann waren auch die kräftigsten Leuchtfeuer verdeckt, und wir steuerten allein auf das GPS vertrauend durch die Finsternis. Die letzte Stunde vor dem Anlegen saß ständig jemand am Radar um die Einfahrt auch wirklich zu treffen und auf dem Weg dorthin keine Schiffe zu rammen.

A Coruña selbst ist eine sehenswerte, relativ moderne Stadt, wo es aber auch den ältesten noch in Betrieb befindlichen, "über 2000 Jahre alten" römischen Leuchtturm, "erbaut 200 n.Chr." gibt, den Torre de Hercules. (Sagen nicht die gängigen Verschwörungstheorien, dass im Mittelalter ein paar Jahrhunderte übersprungen und nicht hinzugefügt wurden?)

Porto

Dann verließen wir Spanien, umrundeten das Kap Finisterre (das oft fälschlicherweise als westlichster Punkt des europäischen Festlands bezeichnet wird (den umrundeten wir erst später am Cabo da Roca), und fuhren in portugiesische Gewässer mit Ziel Porto ein. Das Kap Finisterre ist berüchtigt, da sich dort die Windstärke durch den Kapeffekt spürbar verstärkt. Auch wir hatten diesen bemerkt und mit den höchsten Wellen bisher zu tun. Uns wundert es also nicht, dass die Küste Costa da Morte heißt.

Obwohl man es vom Namen her vermuten könnte ist Porto kein besonders guter Hafen. Es liegt an der Mündung des Flusses Douro, dessen Mündung durch zahlreiche Felsen knapp unter der Wasserlinie, ständig wandernde Sandbänke und eine Strömung von bis zu 7 Knoten (Spring-Ebbstrom) eine Einfahrt mit eigenem Boot nicht ratsam erscheinen lassen.

Also liefen wir einen nahen Hafen, in unserem Fall die Marina im Raffineriehafen Leixões an, die 40 Busminuten von Porto entfernt liegt, sonst aber nicht viel Nenneswertes vorzuweisen hat, ausser vielleicht einem sehr schmutzigen Hafenbecken und viel zu kurzen Stegen.

Neben den üblichen Sehenswürdigkeiten (Kirchen, Museen, Burgen, schöne und hässliche Häuser und mehrere äusserst imposanten Brücken) bietet das am sehr steil ansteigenden Ufer des Douro gelegene Porto etwas, das man vom Namen her vermuten könnte: Portwein. Zahlreiche Portweinunternehmen haben am südlichen Flussufer in Vila Nova de Gaia ihre Keller, wo die Weine, nachdem sie nach einer ersten Überwinterung in den Anbaugebieten im flussaufwärts liegenden Douro-Tal hierher gebracht wurden, lagern und reifen.

Wir besuchten zwei Kellereien, zuerst Taylor's, dann Croft. Beide sehr britisch, beide mit sehr ähnlichen Führungen und Gratis-Proben. Ein Tipp für die nächste Besichtigung: Die Gratis-Proben, insbesonders des weißen Ports (langweilig...) dankend ablehnen und sich auf die um kleines Geld erhältlichen höherwertigen Weine konzentrieren, was wir, da wir keine Insulinspritzen dabei hatten, nur noch in eingeschränktem Maße konnten.

Kommentare [+]

Wie sieht La Coruña jetzt aus

Peter P

Als ich vor 100 Jahren mal dort war war es noch "die glässerne Stadt", da die Fassaden in der Innenstadt alle vom 1. bis zum letzten Stock mit extrem schmalen (ca. 1m tiefe) wunderschönen Holzveranden verglast waren, damit die kälte und die wärme abprallen .... ist das noch immer so ?

31.10.2009 00:06:47

Re: Wie sieht La Coruña jetzt aus

Dave

Diese Balkone (galerías) sieht man nur noch an manchen älteren Gebäuden, diese gehen aber in der Masse der neuen Wohnbauten unter.

08.11.2009 11:23:26