Yasawas

26.08.2012 - 17.09.2012
Yasawa-I-Rara, Yasawa.

Verlässt man in Fiji die Hauptschiffahrtsrouten so sinkt die Qualität der Seekarten spürbar: Mal sind sie wenig detailliert, mal stimmen sie nicht mit dem GPS überein, mal sind Informationen einfach falsch, mal alles zusammen. Und da die Gewässer mit unzähligen Riffen gespickt sind, sollte man nur dann segeln, wenn diese gut sichtbar sind, also von vormittags bis nachmittags, bei möglichst wolkenfreiem Himmel. Spricht man mit anderen Seglern entsteht der Eindruck, dass jeder Zweite hier schon mal Riffkontakt hatte.

Yasawa-I-Rara

Kava.

Wenn man ein Dorf besuchen möchte, dann muss man als erstes beim Chef um Erlaubnis dafür bitten. Das findet traditionell in Form einer Zeremonie statt, die Sevu Sevu heißt. Auf dem Markt in Savu Savu haben wir dazu ein Büschel Kava, die Wurzeln eines Pfefferstrauches, erstanden. Mit der empfohlenen Menge an Wurzeln fahren wir beim Dorf Yasawa-I-Rara, dem nördlichsten von Yasawa, an Land, fragen uns zum Häuptling durch, und dürfen schließlich in dessen Hütte zusammen mit zwei anderen Dorfbewohnern auf dem mit Matten ausgelegtem Boden Platz nehmen. Unser Kava wird akzeptiert, es wird gemurmelt, geklatscht, gemurmelt, geklatscht. Dann die üblichen Fragen zum Woher und Wohin, und schon sind wir offiziell im Dorf willkommen und können uns darin frei bewegen. Es folgen einige nette Tage in Yasawa-I-Rara.

Ein Lomo (Erdofen) wird vorbereitet. In einer Grube wird ein Lagerfeuer gebaut, darauf werden Steine geschichtet.

Sam bietet uns an einen Lovo, einen Erdofen, zu bauen und unser Essen darin zu garen. Dazu wird ein Loch in den Sand am Strand gegraben, Holz darin gestapelt, darauf kommen aus einem alten Lovo ausgegrabene Vulkansteine, dann wird das Holz angezündet. Sobald die Steine heiß sind und vom Holz nur noch Asche übrig ist, wird das in Alufolie verpackte Essen darauf gelegt, alles mit mehreren Lagen Bananenblättern bedeckt, darauf kommen ein paar alte Säcke, und schließlich wird alles mit Sand zugeschüttet, bis kein Rauch mehr aufsteigt.

John (rechts) öffnet grüne Kokosnüsse für die Kinder zum Trinken.

Jetzt ist erst mal Geduld angesagt, und wir nehmen uns an den Dorfbewohnern ein Beispiel und gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: am Strand unter Palmen sitzen und aufs Meer starren. Ein Kind wird eine Palme raufgeschickt, und Johns Machete kommt nicht zur Ruhe, bis jeder in der Runde eine offene Trinknuss in den Händen hält. Ab und zu bricht Hektik aus: ein größerer Fisch ist in der Brandung zu sehen, alle Männer packen ihrer Yoyos, laufen ans Meer, und werfen die Angelleinen Richtung Fisch.

Ein paar Stunden später, das Essen ist gar.

Als es dunkel wird, wird das Essen ausgegraben, und wie es hier üblich ist essen zunächst wir, die Gäste, und dann gehen die Reste zu Sams Familie. Wir hatten einen Kürbis mitgebracht, der entkernt und mit Corned Beef, Knoblauch und Kokosmilch gefüllt und im ganzen gebacken wurde. Sam steuerte ein paar Fische bei, wir noch ein wenig frisches Rindfleisch, das mit Sojasauce mariniert wurde.

Zum Ausklang des Tages lädt uns Philip zum Kava-Trinken ein. Nach und nach treffen die Männer des Dorfes auf der Terasse des Gemeindehauses ein und nehmen rund um die Tanoa (Kava-Schüssel) Platz, in der Philip bereits seit einer Weile einen mit gemahlenen Kava-Wurzeln gefüllten Waschlappen im Wasser herumwalkt und diesem so die Farbe (und den Geschmack...) von Schlamm verleit. Als Gäste bekommen wir die Schale mit der gewöhnungsbedürftigen Droge zuerst gereicht. Man sagt hier nicht "Prost!" sondern "Bula!", klatscht einmal, trinkt in einem Zug aus, klatscht noch drei mal, und reicht die Schale an den Zeremonienmeister zurück. Wir verstehen zwar kaum ein Wort Fiji, bekommen aber mit, dass es auch nicht anders zugeht als am Stammtisch daheim: Männer sitzen zusammen, trinken (Kava statt Bier) und reden über Sport (Rugby statt Fußball). Nur dass es hier, je mehr getrunken wird, immer ruhiger und ruhiger wird, da Kava einen beruhigenden Effekt hat.

Wir flicken Löcher mit Epoxy und Moskitonetzen.

Während des Lovo-zubereitens hat uns ein Einheimischer gefragt, ob wir GFK zur Reparatur seines Plastik-Ruderbootes hätten. Haben wir nicht, aber wir versprechen, uns etwas zu überlegen. Zwar haben wir keine Glasfasermatten an Bord, aber eine größere Menge Epoxidharz, diverse Additive, und Fliegengitter. Vielleicht nicht optimal, aber immer noch besser als das, womit die Dorfbewohner die Löcher bisher geflickt haben: in Benzin aufgelöstes Styropor, hausgemachtes Napalm quasi. Als wir mit Material und Werkzeug an den Strand kommen hat sich das ganze natürlich schon herumgesprochen, und, unter fleißiger Mithilfe der Dorfbewohner flicken wir ein Ruderboot und zwei Kayaks, alles wichtige Fischereifahrzeuge für das Dorf.

Nach dem Mittagessen - klitzekleine Fischileins in Kokosmilch, dazu Cassava und Kochbananen - bringt uns Philip zu Wookie, dem lokalen Meteorologen, der uns zur Wetterwarte auf einem kleinen Hügel führt, von der aus er mehrmals täglich Wetterbeobachtungen ins Hauptquartier in Nadi funkt.

Die geflickten Boote werden getauft.

Tags darauf begutachten wir unsere Laminierarbeit, befinden sie für gelungen, und streichen noch Farbe zum Schutz vor der Sonne darauf. Ein wenig Farbe bleibt über, und die Besitzer der Gefährte beschließen, dass diese neue Namen bekommen sollen: das Kayak wird "Sonja" getauft, das Ruderboot "David". Mit mehreren Yamswurzeln, zahlreichen Papayas und Kokosnüssen und einer riesigen Bananenstaude beladen kehren wir zufrieden zu unserem Schiff zurück und segeln am nächsten Tag, nach einer kurzen Verabschiedung von allen, weiter.

Nabukeru und Sawa-I-Lau

Sawa-I-Lau.

Weiter fahren wir an die Südspitze von Yasawa. Im Dorf Nabukeru wollen wir Sevu Sevu machen, doch hier kommen anscheinend mehr Segler vorbei und es läuft viel informeller ab. Ein Mann am Strand, den wir nach dem Häuptling fragen, nimmt uns das Kava ab, murmelt und klatscht, fertig, wir dürfen bleiben. Am nächsten Morgen schauen wir uns gleich einmal die Haupttouristenattraktion an: die mit dem Meer verbundenen Tropfsteinhöhlen der kleinen Insel Sawa-I-Lau, was "Tunnel-nach-Lau" bedeutet. Lau ist eine 200 Meilen entfernte Inselgruppe, zu der laut Legende die Tunnel führen. Aber so weit kommen wir nicht. Wir schwimmen in der ersten, noch von Tageslicht erhellten Höhle, erreichen tauchend eine zweite ohne Licht, und kehren wieder um.

Vor den Höhlen haben schon die Frauen des Dorfes den "Shell-Market" eröffnet, wo sie Muscheln, Ketten und Schnitzereien an Touristen verkaufen, die Tag für Tag mit kleinen Booten aus den nahegelegenen Ressorts hergebracht werden.

Sashimi! Sushi! Nicht schön, aber gut.

Mehr noch als vom Schnorcheln in der Insel sind wir vom Schnorcheln vor der Insel begeistert, das Riff ist dicht bewachsen von vielen verschiedenen Korallenarten, runderhum tummeln sich unzählige kleine bunte Fische. Aber leider keine größeren, und so sind wir äußerst erfreut über zwei Bonitos, die uns ein Sportfischerbootfahrer im Tausch gegen eine Sicherung gibt.

Besteigung von Sawa-I-Lau.

Unser Ankernachbar Joe, der schon früher einmal hier war, lädt uns gemeinsam mit seinen zwei einheimischen Freunden zur Besteigung von Sawa-I-Lau ein. Und so lernen wir John, den Spokesman des Dorfes, kennen, und die nächsten beiden Abende werden wir, Joe und ein weiteres Seglerpaar bei Johns Familie zum Essen eingeladen. Johns Frau Alessi tischt lokale Gerichte auf, wie Taroblätter in Kokosmilch, gekochte grüne Papaya in Kokosmilch, Fischcurry, Roti, Cassava, alles sehr gut. Wir Segler überbieten einander im Schokokuchenbacken und steuern Diesel für den Generator bei, der die Hütte mit Strom für eine einsame Leuchtstoffröhre versorgt.

Dort erfahren wir auch ein wenig mehr über die Regeln im Dorf. Die Aufgabe des Spokesman, ein Amt, das in der Familie von Vater auf Sohn vererbt wird, ist, zwischen Häuptling und Welt zu vermitteln. Außerdem ist er eine Art Polizist. Und Henker. Er erzählt uns, dass vor vielen Jahren, als sein Vater Spokesman war, ein paar Frauen heimlich Kava getrunken haben, was ihnen in diesem Dorf nicht gestattet ist. Als dies herauskam fällte der Häuptling das Urteil, und Johns Vater führte es aus: Haare ab.

Aus John wäre auch ein guter Lehrer geworden, denn beim ersten Zeichen aufkeimenden Interresses an der fijianischen Sprache holt er ein Heft hervor und beginnt uns Vokabel und Phrasen beizubringen. Ein Jahr vor uns dürfte das mit einem anderen österreichischen Seglerpaar, Birgit & Florian vom Katamaran Fidelio, schon gut funktioniert haben. Wir sind aber etwas faul und kommen über einzelne Wörter und Phrasen nicht hinaus. Immerhin können wir sagen, dass wir satt sind, was sehr wichtig ist, und wissen, dass David in Fiji Tevita heißt.

Sturm-Ankerwache.

Eigentlich wollten wir uns, da schlechtes Wetter erwartet wird, an einen noch etwas geschützteren Ankerplatz verlegen, doch bei genauerem Kartenstudium stellen wir fest, dass es gar keine wirklich gut gescützten Ankerplätze gibt...egal, so schlimm sollte es nicht werden, mehr als 30 Knoten aus Osten sind nicht angesagt, und bei dieser Windrichtung ist der Platz hervorragend geschützt. Natürlich werden es dann 45 Knoten. Aus Südwest. Die Schiffe stampfen wild in den kurzen, steilen Wellen, von denen die Gischt wie Nebel weggeblasen wird. Das Riff ist nur 50 Meter hinterm Heck. Das Dinghie unseres Nachbarn, am Heck angebunden, hebt ab und landet verkehrt herum, den Außenborder mit Salzwasser flutend. Doch alle Anker halten, und nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei.

Blue Lagoon

Blue Lagoon.

Bekannt aus dem gleichnamigen Film. Aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen unter Seglern äußerst beliebt. Kreuzfahrtschiffe. Ressorts. Frachtschiffe. Kreuzfahrtschiffe. Tief fliegende Wasserflugzeuge. Motorboote. Schnellfähren. Weg.

Naviti

Wrackschnorcheln.

Zuerst Ankern wir vorm Dorf Somo Somo, machen Sevu Sevu, ertauschen Obst und Gemüse gegen T-Shirts und Kugelschreiber, und fahren dann ums Eck in eine unbewohnte Bucht, wo wir ein paar einsame Tage verbringen. Nur einmal schaut ein Boot voller Kinder aus Somo Somo vorbei, die uns einen Haufen Trinknüsse bringen. Eine kurze Wanderung über die Halbinsel führt zu einem anderen, verschlafenen Dorf, vor dessen Strand man zum Wrack einer Spitfire schnorcheln kann.

Waya

Yalombi Bay, Waya.

Da Südwind und -schwell angesagt sind ankern wir in der nördlichen Bucht von Waya. Dort gibt es dann Ostwind und Nordostschwell. Daher verlegen wir uns nach einer schaukeligen Nacht in die Südbucht, wo nun tatsächlich Südwind und -schwell zu spüren sind. Offensichtlich erzeugen die hohen, dunklen und spektakulären Felsen ein Inselwetter mit stets auflandigem Wind. Das Dorf Yalobi liegt gut geschützt unter imposanten Felswänden. Insgesamt ähnelt sehr Waya den Inseln der Marquesas. Neben den Felsen, steilen Hängen, dem unruhigen Ankerplatz und den fruchtbaren Gärten sind es auch die liebenswerten Menschen, die Erinnerungen wachrufen. Im Dorf werden wir wieder, wie bisher überall, von jedem einzelnen Einwohner, dem wir über den Weg laufen, begrüßt, nach Namen, Herkunft, Reiseroute, Zukunftsplänen und so weiter befragt. Wir fragen natürlich zurück und so fühlen wir uns schnell wohl.

Wanderung in den Hügeln von Yalombi Bay, Waya.

Die Felsnadeln, die wir von unserem Boot aus sehen, fordern uns geradezu heraus und so kommt es, dass wir uns Sonntags, während das Dorf geschlossen in der Kirche sitzt, an den Aufstieg machen. Nur einmal verlieren wir den fußbreiten Pfad und waten durch Sumpf, dann erreichen wir einen Felsen, den wir auch beklettern können. Die Aussicht hat wie üblich alle Mühen gelohnt. Beim Abstieg durch das hohe Gras stellt sich heraus, dass dieses ziemlich scharfe Kanten hat und wir besser lange Hosen angezogen hätten...

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