23 Tage auf See
Die längste Etappe liegt hinter. Vom letzten Ankerplatz auf San Cristobal in Galapagos zur Ankerbucht in Fatu Hiva, Marquesas, sind es 3.000,3 Seemeilen Luftlinie. Wir sind 3.174 SM gesegelt. Wir hatten drei bis vier Wochen veranschlagt, mit den tatsächlich benötigten 23 Tagen 1 1/4 Stunden sind wir daher recht zufrieden. Es ergibt sich daraus ein durchschnittliches Etmal (= in 24 Stunden versegelte Strecke in SM) von 137,7 und eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 5,74 kn.
Wir verlassen San Cristobal gegen Mittag und segeln Richtung Südwesten, also nicht direkt Richtung Ziel, um aus der Flautenzone in Äquatornähe, wo es Wind meist nur in Squalls gibt, in jene Breiten zu gelangen, in denen der Südostpassat vorherrscht.
Die Umstellung auf den Schichtbetrieb fällt uns leicht. Bei Sonnenuntergang gibt es Abendessen, dann beginnt die erste Nachtwache. Da es ungefähr zwölf Stunden dunkel ist, teilen wir die Nacht in dreimal vier Stunden ein. Tagsüber wachen wir sechs Stunden, sodass der andere noch ein Nickerchen machen kann. Daraus ergibt sich, dass wir pro Tag dreimal schlafen gehen und mindestens dreimal täglich aufgeweckt werden.
Drei Tage plagen wir uns mit den ständig wechselnden Windverhältnisse, mehrmals tägliches reffen, ausreffen, von Gennaker auf Fock wechseln, inklusive. Wenn die Geschwindigkeitsanzeige nur noch 1 oder 0 vor dem Komma zeigt, motoren wir auch.
Dann, auf 4°20' Süd, können wir endlich den Kurs anlegen, der uns in den nächsten 19 Tagen Richtung Ziel bringen soll - 260°. Aber noch weitere drei Tage kommen unsere Etmale nicht über 120 hinaus, zu variabel der Wind. Tagsüber sieht man die Wolken kommen, die stärkeren Wind und Regen bringen, in der Nacht gibt es häufig Überraschungen. Um bei den oft heftigen Böen nicht in Schwierigkeiten zu kommen bleibt die Segelfläche gering.
Am siebten Tag, nach 780 SM, geht es endlich los: Auf Halbwindkurs rasen wir (für unser Boot zumindest schnell) mit 6 - 7 Knoten dahin. Yippiie! So bleibt es dann eine Weile. Kurs 260°, Wind von der Seite, ab und zu ein Regenschauer, manchmal ist es bewölkt und grau, dann wieder heiter bis wolkig.
Am zehnten Tag stellen wir offiziell fest, dass uns langweilig ist, dass wir schon gerne am Ziel wären, dass uns das Geschaukel auf die Nerven geht. Das Hirn rotiert im Leerlauf, da kann selbst die umfangreiche Sammlung an Hörbüchern nichts ändern.
Dann, am dreizehnten Tag, schaffen wir unser Rekordetmal mit 168 Seemeilen. Am Tag darauf haben wir mehr als die Hälfte der Distanz zurückgelegt und der Wind dreht ein wenig. Die bis zu drei Meter hohen Wellen kommen von schräg hinten, und wir liegen nicht mehr bequem auf einer Seite sondern rollen um die Schiffslängsachse. Die Segel schlagen, das Vorsegel muß ausgebaumt werden. Die Lebensqualität hat sich weiter verringert.
Immerhin beißen die Fische gut. Wir angeln uns mehrere Doraden und einen großen Thunfisch, der uns vier Tage lang ernährt. In einer Nacht kann Sonja zwei große fliegende Fische fangen, indem sie still im Cockpit sitzt und sich treffen lässt. Abends hören wir manchmal einem deutschen Funknetz zu, bei dem sich Segler melden und ihre Position und Befindlichkeiten durchgeben können.
Doch dann entdecken wir ein unangenehmes Problem: Der Großbaum ist aus Aluminium, die Beschläge, an denen die Großschot, der Niederholer und die Reffleinen befestigt sind, aus Edelstahl. Und dort, wo diese zusammenstoßen, sind sie anscheinend schlecht oder gar nicht isoliert worden. Das bedeutet Korrosion im Aluminium, in diesem Fall von innen her, so dass wir es erst jetzt sehen, als sich Risse zeigen. Wir halten das Großsegel klein, die Belastung am Großbaum gering, und überlegen uns, wie wir die Großschot befestigen könnten, sollte deren Beschlag ausbrechen. Die Lage verschlechtert sich zum Glück nicht. Mal schaun, wie sich das reparieren lässt.
Die zweite Streckenhälfte legen wir in zehn monotonen Tagen zurück. Zu sehen gibt es außer Wellen nur Schwärme von fliegenden Fischen. Zweimal ziehen Delphine auf der Jagd vorbei, wobei sie sehr hohe Sprünge vorführen.
Schließlich, am 23. Tag, kurz nach Sonnenaufgang, ist Land in Sicht. Die Bergspitzen von Fatu Hiva sind wolkenverhangen, die steilen Hänge leuchten grün, von schwarzem Fels unterbrochen. Wir steuern die "Baie des Vierges", die Bucht der Jungfauen, an (von den ersten Seglern wurde die Bucht "Baie des Verges", zu deutsch "Penisbucht", genannt, aber dann sind die Katholiken angekommen und haben wie üblich den Spaß verdorben...). Dort fällt der Anker und unsere erste Handlung ist - nein, das Bier kommt erst an zweiter Stelle - lüften.
Kommentare
Hallo!
Christoph
Ein herzliches Hallo aus Wien an euch beide! In der zwischen Feirtäglichen Zeit konnte ich seit langem wiedermal bei euch reinschaun und einen gruß hinterlassen! Wie immer verlasse ich eure Seite mit etwas wehmut und mit viiiiel bewunderung für eure Reise! Ich wünsche euch alles erdenklich gute und schon vorab ein glückliches neues Jahr!!!