Wendepunkt

04/01/2010 - 04/01/2010
Sonnenuntergang.

Vor nicht all zu langer Zeit entstand in uns die Vision, die Welt mit einem Seegelboot zu bereisen. Nicht in viel zu kurzen Urlaubs-Charteretappen, sondern durchgehend, mehrjährig, auf eigenem Kiel. Wir rechneten, planten, prüften, und kamen zu dem Schluss, dass eine dreijährige Weltumsegelung für uns machbar sei. Viele einzelne Schritte waren notwendig, um aufbrechen zu können: Erweiterung der nautischen Kentnisse, sowohl formell, etwa durch Ablegen von Segel- und Funkprüfungen, als auch informell, wie durch Studieren von Reiseberichten und Fachbüchern. Suche und Kauf eines geeigneten Bootes.

Tauchgang bei Mabouya Island.

Seither ist einige Zeit vergangen, wir sind mehrere tausend Seemeilen gesegelt und um viele Erfahrungen reicher. Zwischen den ersten Wochen im Ärmelkanal, die uns viel Durchhaltevermögen abverlangt haben und der Atlantiküberquerung haben wir nicht nur neue Freunde gefunden und schöne Plätze besucht sondern vorallem uns gegenseitig besser kennengelernt. Mittlerweile erscheint uns die Suche nach dem Paradies nebensächlich, wichtiger ist es, die Zeit gemeinsam zu genießen.

Die drei Wochen, die wir allein auf dem Atlantik verbracht haben, zählen zu einer der besten Segelerfahrungen, die wir bisher gemacht haben, und die Karibik hat nicht umsonst den Ruf, eines der schönsten Segelreviere der Welt zu sein. Doch je näher wir an Panama, an das Tor zum Pazifik kamen, desto mehr kamen in uns, zuerst leise, dann immer deutlichere, Zweifel auf. Ängste. Drei Wochen Atlantik, mit großteils verlässlichen Winden ist eine Sache. Doch wenn man auf einem Globus einmal die "Rückseite", den Pazifik betrachtet, so sieht man, wie gewaltig dieser eigentlich ist. Vier bis fünf, bei längerer Flaute vielleicht sogar sechs Wochen bräuchten wir, um von den Galapagos-Inseln das nächste Etappenziel zu erreichen. In einer Gegend, in der noch weniger Schiffsverkehr herrscht als im vergleichsweise dichtbefahrenen Atlantik, wo wir in drei Wochen vier Schiffssichtungen hatten. Was, wenn irgendetwas passiert? Wenn wir Hilfe von außerhalb brauchen?

Viele andere wagen es, doch gerade jetzt, wo wir Nachwuchs erwarten, wollen und können wir dieses Risiko einfach nicht eingehen. Und auch der Rückweg über den Atlantik, in der unberechenbareren Westwindzone, obwohl mit einem möglichen Zwischenstopp auf den Azoren, erscheint uns in dieser Situation zu weit. Und da wir in Europa das Boot auch schlussendlich so bald wie möglich verkaufen wollten haben wir beschlossen, dies gleich hier zu probieren. Und wir hatten Glück.

Tony, unser britischer Ankernachbar von der SY Polli Rafs hier in Spanish Waters, Curacao, der uns sofort nach dem Ankern "Is this an Ebbtide? By Alan Pape?" gefragt hatte, und dem wir unsere Entscheidung bei einem Sundowner mitgeteilt hatten, wusste auf Anhieb jemanden. Sein Freund Gordon war schon seit einer Weile auf der Suche nach einem dieser für ihre Seetüchtigkeit berühmten, aber seltenen Schiffe, und er ist bereit, uns einen wirklich guten Preis dafür zu bezahlen. Auch wird er es gleich auf den British Virgin Islands übernehmen, so dass wir nur bis dort segeln müssen.

Die Entscheidung war wirklich keine leichte, doch wir haben sie getroffen. Wann genau wir in den Flieger Richtung Heimat steigen werden ist noch nicht sicher, doch wir sehen dem Tag mit zwei weinenden, aber auch zwei lachenden Augen entgegen.

Fotos aus diesem Zeitraum

Kommentare

Es lebe der erste April!

Chrisu

Entweder ist das ein sehr gelungener Aprilscherz oder wenn nicht, dann gratuliere euch zum Nachwuchs, Papa dave und Mama Sonja!!!!!

04/01/2010 12:11:19

1. April ...

Chris

oder? ihr könnts uns ja nicht allein in neuseeland weihnachten feiern lassen ... oder?

04/01/2010 06:36:14