Green Hell

05/03/2010 - 07/01/2010
Im Trockendock.
"Die Arbeit wird etwa eine Woche in Anspruch nehmen."
- Sonja & David: Tempowechsel
Hofstadter's Law: It always takes longer than you expect, even when you take into account Hofstadter's Law.
- Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach
Colón... shit; I'm still only in Colón... Every time I think I'm gonna wake up back in the jungle.
- frei nach Apocalypse Now

Als wir das Schiff herausheben stellt sich schnell heraus, dass der Zustand der Farbe so schlecht ist wie insgeheim befürchtet: An zahlreichen Stellen platzt die gesamte Farbschicht inklusive Primer ab, (oberflächlich) angerosteter Stahl ist zu sehen, so dass für uns ein stellenweises Nachbessern nicht mehr in Frage kommt. Also entschließen wir uns, den gesamten Unterwasserschiff-Farbaufbau neu zu machen.

Im Trockendock. Im Trockendock.

Doch bevor neue Farbe rauf kann, muss erst einmal die alte runter und der Stahl vorbereitet werden. Da man hier nicht Sandstrahlen darf bleibt uns nur eine Möglichkeit: Schutzkleidung, Beize und Winkelschleifer auspacken und beizen, kratzen, schleifen. Wo die alte Farbe noch hält, da hält sie noch gut, mit Beize ist sie nicht restlos zu entfernen, und beim Schleifen verschmiert sie mehr, als dass sie abgeht. Und da sie eine ähnliche Farbe wie der Stahl hat ist der Fortschritt sehr schwer zu erkennen. So arbeiten wir uns Quadratmeter für Quadratmeter vor, legen eine Stelle frei und versiegeln sie gleich wieder mit neuem Primer, denn blanker Stahl bildet binnen Stunden eine Rostschicht, auf der keine Farbe hält.

An vielen Tagen können wir gar nicht arbeiten, denn es ist Regenzeit, und wenn es regnet, dann regnet es wirklich. Auch diverse Krankheiten und allgemeine Erschöpfung kosten uns einige Tage. Kurz vor dem Ende der Schleifarbeiten gibt unser Winkelschleifer den Geist auf, eine Notreparatur bringt nur kurzen Erfolg. Zum Glück können wir uns einen auf einem anderen Boot ausborgen, denn die US-Besatzung Panamas hat hier leider ihr 110-Volt-Netz hinterlassen, wodurch sich ein im lokalen Fachhandel neu erworbener Winkelschleifer bei der Weiterreise in ein unnützes Stück Elektroschrott verwandeln würde.

Im Dschungel.
All work and no play makes Jack a dull boy.
- The Shining

Wenn es regnet und wir gesund sind unternehmen wir kürzere Ausflüge in den Regenwald, der gleich hinter dem Boot beginnt und in dem neben Ameisen, Geckos und Brüllaffen die Ruinen amerikanischer Militärbauten zu finden sind.

Obwohl wir im Trockendock relativ isoliert vom Hauptgeschehen sind und nicht viel von ankommenden oder abfahrenden Booten mitbekommen, schaffen wir es doch, ein wenig am regen Sozialleben der Marina zu partizipieren. Abends zur Happy Hour (für uns: nach Betriebsschluss) trifft man sich im Swimmingpool, und ein mal pro Monat verteilt eine lokale Rumdestillerie Kostproben zu Livemusik.

Im Trockendock.

8 Wochen, 7 Schichten Farbe, 3 Standortwechsel, 1 Bindehautentzündung, 1 Mittelohrentzündung und ungezählte Baumarktbesuche später kommt endlich der Tag, an dem es zurück ins Wasser gehen soll. Beim Herausheben hatten die Marina-Arbeiter recht professionell gewirkt, doch als nach dem Entfernen der Stützen das Schiff beim Hochheben plötzlich auf die Seite rollt und das stehende Gut gegen einen Balken des Travellifts knallt kommen leichte Zweifel auf. Beim sofortigen Aufentern ins Masttop sind ausser Lackresten vom Travellift an der Oberwant keine Schäden zu finden. Noch einmal Glück gehabt...

Das Boot senkt sich ins Wasser, die kurz zuvor auseinandergenommenen, geschmierten und wieder zusammengesetzten Seeventile sind dicht, der Motor springt sofort an - endlich können wir weiterfahren!

Die Fahrt führt uns einmal quer durchs gesamte Hafenbecken, wo wir erst einmal festmachen. Eine Nacht verbringen wir auf dem Boot, unter anderem um auch sicherzugehen, dass die Seeventile wirklich dicht sind, am Tag daruf werden wir erst einmal einen kurzen Ausflug zum Sightseeing und Shopping nach Panama City machen. Wie es genau weitergehen wird, werden wir danach planen.

Fotos aus diesem Zeitraum

Kommentare

gratuliere

Chrisu

Glückwünsch zur eurere Reperatur, eurer Ausdauer, dem neuen Anstrich und dass ihr nicht den Panamahut drauf geschmissen habt....iSt echt gemien dass man die Mühe von aussen betrachtet nicht erkennen kann..

07/11/2010 16:44:42

green hell

Harri

Freut mich für euch, dass ihr dieses "molimentum" endlich hinter euch habt!!

07/07/2010 09:16:25