Tempowechsel

05/03/2010 - 05/03/2010
Miriadup, West Lemmon Cays.

Wenn wir die vergangenen acht Monate Revue passieren lassen, dann hat vor allem der Faktor Zeit in unserem Leben dominiert, unsere Routenplanung beeinflusst, uns angetrieben. Zuerst sind wir schnell an Europa vorbei, um den Herbststürmen im Nordatlantik zu entkommen, dann schnell weiter gesegelt, da wir Kanaren und Kap Verden besuchen, aber nicht zu spät in der Karibik sein wollten. Für die Karibik ist dann kaum Zeit geblieben, weil wir schnell durch den Panamakanal wollten, um zumindest noch ein halbes Jahr im Pazifik verbringen zu können. An jedem Ort, den wir besucht haben, haben wir anfangs gesagt, circa drei Tage bleiben zu wollen - tatsächlich ist es dann meistens eine Woche geworden, da uns Sightseeing, Haushalt, Bootspflege und Behörden voll beschäftigt haben.

Mit der Hetzerei ist jetzt Schluss, meine Damen und Herren, es reicht! Unser ursprünglicher Plan ist radikal geändert worden, mit dem Resultat, dass wir zum ersten Mal ohne Zeitdruck richtig entspannt sind. Wir haben nämlich festgestellt, dass wir erstens permanent an sehenswerten Destinationen vorbeifahren, und zweitens, dass die damit verbundenen langen Etappen auf See zwar machbar, aber doch anstrengend und weit weniger interessant sind. Deshalb haben wir beschlossen, uns Panama und Umgebung genauer anzusehen, die Passage in den Pazifik auf Ende des Jahres zu verschieben, danach die pazifische Küste Mittelamerikas samt vorgelagerter Inseln zu erkunden und dann, wenn die Bedingungen günstig sind, Anfang nächsten Jahres in die Weiten des Pazifiks vorzudringen. Somit werden wir Neuseeland ein Jahr später erreichen und dort eventuell unsere Reise beenden.

Der Tropfen, der das Fass schließlich zum überlaufen brachte, ist der Zustand der Farbe an unserem Bootsrumpf, der sich in den letzten Wochen stark verschlechtert hat. Das Antifouling wirft Blasen und platzt großflächig ab, weshalb wir Molimentum hier in Colon aus dem Wasser heben werden. Die Arbeit wird etwa eine Woche in Anspruch nehmen. Als wir das erkannt und mit Frustration reagiert haben, da dann unsere Zeit im Pazifik noch kürzer würde, haben wir auch gleich festgestellt, dass wir zum ersten Mal das Gefühl haben, in einer Gegend zu sein, in der wir gerne mehr Zeit verbringen würden. So gesehen ist es logisch, wenn auch ein großer Schritt, den ursprünglichen Reiseplan umzustossen und anzupassen.

Wir hoffen, niemand ist enttäuschter als wir, dass wir (vorraussichtlich) die Welt nicht umrunden werden, sondern ebenso glücklich wie wir über unseren Tempowechsel.

P.S.: Nein, dies ist kein Aprilscherz.

P.P.S.: Nein, niemand an Bord erwartet Nachwuchs (ausser ein paar Insekten vielleicht).

Kommentare

Re: Hängen geblieben

Petra

> Ob ihr von dort jemals wieder kommt :) ? das haben sich andrej und ich heute auch schon gefragt ;) andrej wollte überhaupt gleich wetten, dass die beiden niemals wieder zurückkommen. ich war feig.

05/04/2010 16:41:37

Hängen geblieben

Dominik

Ob ihr von dort jemals wieder kommt :) ? Ich finde es super, dass ihr die Reise euren Wünschen anpasst, und nicht eure Wünsche an, ja, woran auch immer ;). Wenn ihr mir ein bisschen von Costa Rica, oder dem Lago de Nicaragua berichten könntet wär's super. Viel spass und brav weiter schreiben, eure Berichte sind immer sehr spannend ;) lg a Wien.

05/04/2010 08:16:00

Einfach hinten was anhängen?

Geronimo

Na hängt noch ein Jahr an, dann seit Ihr wieder im Plan und alles geht sich wunderbar aus ;-) cu

05/03/2010 20:07:30

Entschleunigen

Chrisu

Als doch nicht auf der Föucht? Euer spanisch wird ja dann perfekt sein! Denke es gibt genug Inseln und Natur für Jahre zum ansehen. Und Neuseeland geht auch nicht unter in den nächsten Jahren! Und vielleicht kreuzt ihr ja doch noch mal eure Kiellinie....

05/03/2010 16:25:36